. – Was meinst du, sagte Gottard, da wir gingen, wenn er Wittwer wird, und wieder heiratet, ob er die Hausofficiere behält, oder die Stellen eingehen lässt?
Bei unserm königlichen Rat mussten wir die letzte Mahlzeit halten. Junker Gottard hatte überhaupt keine Collegia gehört, und war auch nur, wenn der königliche Rat es nicht länger aussetzen konnte, und eine grosse Mahlzeit gab, unter diesen Gästen. Es gefiel Gottarden dieser Cirkel, bestehend aus einem Officier, einem andern königlichen Rat, einem Prediger und Professor, ungemein, und wenn eben dieser Professor ihm nicht wegen richtiger Bezahlung seines Collegiums gedankt, und ihn dieses Danks halber auf eine Viertelstunde in Verlegenheit gesetzt hätte, Gottard wäre noch weit vergnügter gewesen. Bruder, sagt' er, wie wir weggingen, Gesellschaften solcher Art machen weit klüger als Collegia. Die erkenntnis aus Büchern ist tot, die aus Gesellschaften lebendig. Sie hat eine öffentliche probe ausgehalten, sie ist abvotirt.
Nach Göttingen.
B e r l i n , den – – 17 –
Den König, den König, nicht einen König, den König hab' ich gesehen? Gern möchte' ich sagen König, wenn's nicht undeutsch wäre. Von Angesicht zu Angesicht, lieber Vater, gesehen! Das nenne ich sehen; wenn man so hörte, würde' ich sagen: er predigt gewaltiglich. Dich, mein Vater, hab' ich so gehört, Augen? Sterne hat er, Sonnen, die ihr eigen Licht haben und Strahlen werfen. Er ist die Experimentalphysik zu deinen grundsätzen über den monarchischen Staat. Herr v. G. der ältere, das wett' ich, würde huldigen, wo nicht mit den beiden Schwurfingern, so doch innerlich. – Bis recht zum Herzen bringt, glaube' ich, keine Huldigung, sie geschehe dem König, oder sonst wem. Mein Reisegefährte ist in Beziehung der Monarchie dem Bilde seines Vaters ähnlich. Ich behalte mit Fleiss deine Distinction bei, nicht ihm, sondern s e i n e m B i l d e ähnlich – nicht die andere Welt empfinden, heisst es, sondern d i e K r ä f t e d e r a n d e r n W e l t . – Der dem Bilde seines Vaters ähnliche Sohn stand, sah und war weg – weg war er! – Er hätte nicht angelegt, wenn das wild ihm zu Fuss gefallen und gehuldigt hätte. – Was wahr ist, ist wahr, sagte der gute Wildfänger zu haus, nachdem er sich von der königlichen lieben Sonne Licht und Pracht im Schatten erholt hatte. Was wahr ist, ist wahr! Ein besonderes Ding, König zu sein! Was wahr ist, ist wahr! Dieser da! Gross, sehr gross, wie ein Löwe! (um beim wild zu bleiben) und wenn er Liebhaber von der Jagd wäre – – "u n d w e n n e r aufhören möchte, der König zu s e y n ! " Ob ich ihn recht beim Worte gefasst, ob ich recht eingegriffen, stelle ich deiner reifern Entscheidung anheim. Vater! die Augen! die Augen! Die Nase, Stirn, Hand, gang, alles königlich. – Wenn er sie doch schonen möchte, die grossen Königsaugen, und sie nicht so hin- und herwerfen, oft und auf Leute, die des Blickes nicht wert sind – wahrlich nicht. Nach allem Menschenmöglichen hab' ich mich erkundigt. Der kleinste Zug hat einen König. – Man isst bei ihm; er isst bei keinem seiner Untertanen. Keiner würde' ihn, wenn der Legitimationspunkt zum Regiment je zur Frage kommen sollte, seiner Vollmacht wegen in Anspruch nehmen. Er trägt sie unterschrieben und besiegelt in Gedanken, Geberden, Worten und Werken. So viel Siegel, dass der Lack ordentlich verschwendet ist. Feiner Lack, Vater! – Gleich wie ich ihn sah, dachte' ich, warum reisen denn nicht Dichter, Maler, Bildhauer nach diesem Ideal eines königlichen Aussehens, nach diesem Bilde des Königs? Er herrscht und regiert. Regenten gibt's auch in der Schule. Mein Rector magnificus, den ich das letzte halbe Jahr hatte, regiert' im rechten wahren Sinn; allein herrschen kann nur König Friederich! – Beim Regieren wird's schwer! Du hättest hören sollen, wie Se. Magnificenz Krone und Scepter niederlegten, als wenn Sie sich gebadet hätten, so leicht, so wie neugeboren. Herrschen sieht immer leicht aus, so leicht als einschlafen. Eins, Vater, mit Sr. Majestät erlaubnis, gefällt mir nicht. – Was ich mich geärgert habe, dass Er die Flöte spielt, das soll er dem Apoll überlassen, wenn er in der Schäfermaske ist. Sage, Vater, gibt's ein königliches Instrument? Ich kenne keines. Die Flöte? Freilich, da der König sie bläst scheint es, es könne etwas aus ihr werden. – Einige glauben gar, sie wäre gekönigt, in den Königsstand erhoben. O, ihr Kleingläubigen! Ich find' es nicht. Blasen? Kann man denn nicht den Odem zum Worte sparen, den Odem, den göttlichen Spiritus, den Geist oder das Bild von ihm! – Aber der König lässt s i c h n i e h ö r e n , er bläst die Flöte eben so, als er sich im Schlafgewand, wenn man es so nennen soll, sehen lässt