da passirt denn zuweilen unrichtig Mass, Gewicht und Elle.
I c h . Ihre Tochter selbst –
E r . Sagen Sie nicht! Der Jäger hat ihr das Herz getroffen.
I c h . Das bedaur' ich!
E r . Ländlich, sittlich! Costi, das heisst: hier auf dem Platz ist es so was ungewöhnliches nicht, dass ein Edelmann Hans und eine Bürgerliche Grete ist.
Der ehrliche Nachbar bat mich dringend, das Wort: i c h l i e b e auszulöschen, das auf dem gesicht des Junker Gottards mit so blendenden, goldenen Buchstaben angeschrieben wäre, und ich versprach es dem Biedermann. Der Vater hatte einen Collegen, einen Krämer bei der Hand, der den Junker Gottard ersetzen sollte. Das Mädchen wollt' um alle Welt nicht. Sie hatte, wie es sich von selbst versteht, ihr gebranntes Herzeleid vom Vater, Rückhalt aber von der Frau Mama, die durchaus ihr Blut, wie sie sagte, ins Reine bringen wollte. Ihr Vater seliger war Sekretär und hatte des Jahrs praeter propter hundert Reichstaler jährliche Einkünfte gehabt, womit ihr Ehemann gewiss kaum vierzehn Tage haushielt, aber des Blutes wegen –
E i n e E r m a h n u n g a n H e r r n v . G . , der von der Jagd kam und sich noch ein Viertelstündchen vom Schlaf losbitten musste.
Es kostete ihm doch einige Mühe, die Frakturbuchstaben für die Blondine auszustreichen, eigentlich auszukratzen. Die Reise kam ihr sehr zu statten. Wären wir länger in Königsberg geblieben, würde' er sich vorzüglich an die Brunette gewendet haben, die ihm der Testator eigentlich beschied und die, so stolz sie war, mit keiner Sylbe an die heilige Ehe dachte. Sie wollte nur siegen, bloss siegen, aus der Beute machte sie nichts. Sie teilte sie andern aus. Mit den lieben Blondinen, sie wollen gleich heiraten, sagte Junker Gottard. – Ich hab' es schon irgendwo bemerkt, dass Junker Gottard beide, die Brunette und Blondine liebte. Die Blondine hatte indessen, wie das mitgeteilte Gespräch es ausweist, nach der Zeit die Oberhand erfochten – unfehlbar weil sie mir legirt ward (wer isst nicht gern vom verbotenen Baum), obgleich auch die zehntausend Liebesgötter, die auf dem Busen der Brunette tanzten, einen Beitrag zum Siege für Amalien das Ihrige geliefert haben können. – Das Nein, welches Amalia dem Collegen ihres Vaters, dem Krämer halsstarrig sagte, so eine blonde sanfte stimme sie auch sonst hatte, tat mir Amaliens halber leid. – Mich dünkt, sie hätte Ja sagen sollen, wenigstens kein so halsstarriges Nein, welches keiner Blondine eignet und gebührt.
Ich kann nicht sagen, dass der Zeitpunkt des Herrn v. G. gekommen wäre, zu haus zu bleiben. Stossweise kam es ihm so. Er war oft auf der Jagd, wozu ihn, ausser den wohlfeilen ihm als plus licitanti zugeschlagenen Feldmarken, die H o m e r i s c h e n H u n d e , A r g o s genannt, verleiteten, die ihm ganz vortrefflich einschlugen. Er wusste durch den Ton, durch die Aussprache des Namens, die Argosse so von einander zu unterscheiden; dass ich anfange zu glauben, man könne sechs Söhne J o h a n n taufen lassen, und der von ihnen gerufen wird, könne wissen, dass just er es sei, der unter den sechsen aufgefordert worden.
Lass uns, sagte ich dem Junker Gottard einen Abend, sobald als möglich von hinnen gehen. Amalie wird sich bedenken, und dem Collegen ihres Vaters, dem Krämer, nicht mehr halsstarrig, sondern blond begegnen, und dann gehst du mit dem Gedanken aus Königsberg, Amalien in ihrem Lebenslauf keinen Stein der Aergerniss, über den sie leicht fallen können, in den Weg gewälzt zu haben! Wehe dem Menschen, durch welchen Aergerniss kommt! Junker Gottard sträubte sich wegen der Abreise, und diess nahm ich als einen Beweis seiner Liebe zu Amalien. Ich sann auf Mittel und Wege, ihn abzubringen, bis es, ehe ich mich versah, herauskam, dass die Feldmarken den eigentlichen Grund des Widerstandes entalten. Er hatte sie auf vier Jahre sich zuschlagen lassen, wie wenig sagte er, habe ich sie benutzt. Alle Augenblick Setzzeit! – Eben dieser Setzzeit halber komm, Bruder, ich bin fertig!
Unser Lebewohl war kurz und gut. Amalia nahm auf eine Art vom Junker Gottard Abschied, dass wenig Hoffnung für den ehrlichen Krämer blieb. Er beklagte sich gegen sie wegen der entbehrten Jagdnutzung, dass es mir so schien, als wollte er die noch künftige Pachtzeit ihr zum Andenken überlassen. Ich mischte mich in die Unterredung, und sie ward beigelegt. Der Professor Grossvater wünschte mir so altklug Heil und Segen, dass, wenn ich ihn nicht schon so herzlich geliebt hätte, ich es jetzt angefangen haben würde. Ich konnte nicht weg von ihm. Es ist, wie mich dünkt, kein unangenehmer Anblick, wenn ein alter Mann und ein Jüngling sich so zusammenpassen, wie der Professor Grossvater und ich. Den Grossvätern ist eine solche Art eigen; sie gewöhnen es sich bei ihren Enkeln an! Die Grossmutter in Sterbensgrösse schlug diessmal kein Feuer aus ihrem rechten Auge. Sie liess sich nicht sehen. Mir kam es vor, dass sie zu ihrer Tochter gegangen.
Freund, sagte der Alte, ich halte nicht viel von Leuten, die Länder und