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auch mit Pharisäern und Obersten im volk zu Tische zu sitzen verstehstohne deinem Innerlichen, dem inwendigen Menschen, dem schwarzen Unterfutter zu nahe zu treten. Ich beharre deine treue Mutter und Fürbitterin bei Gott!

Deines Vaters Brief, der ihm durchweg so viel Schweiss gekostet, als mir der Anfang, leg' ich diesem Sendschreiben bei!

* * *

Der V a t e r A m a l i e n s und i c h nach meiner Zurückkunft von dem Natanael Gretenschen Myrtentage.

E r . Wenn das Ehegeld in Curland nicht höher ist.

I c h . Schwerliches gibt Fälle, sie sind aber selten.

E r . So ist die Sache richtig. Meine Frau, um mit der Tür ins Haus zu fallen, wünscht den Herrn v. G. zum Schwiegersohn. Er hat ihr sein Ja so deutlich gemacht, nicht etwa zu verstehen gegeben, so deutlich gemacht, dass es jedem Menschen sichtbar ist, nur hörbar noch nicht. Die Aussprache des Worts fehlt. Angeschrieben steht's in seinen Augen, Mund, Händen, Füssen.

I c h . Sie sagen mir da etwas

E r . Was Sie selbst wissen.

I c h . Ich?

E r . Hätten Sie es denn nicht gelesen? Doch stand es so leserlich, so fraktur-gross.

I c h . Von wem geschrieben?

E r . Ich sehe wohl, dass Sie in dergleichen Schrift nicht gelehrt sind; das hab' ich von jeher Ihretwegen behauptet. Gelt! Sie sind ein Abstemius, obgleich das Gerede im Weibercirkel ging, Sie hätten wirklich ein Mädchen unter die Haube gebracht, das heisst bei uns: Sie wären verheiratet. Bald darauf ging es: Sie wären Wittwer! – So oder anders, ich kann in Sachen meiner Tochter

I c h . So oder anders sind Sie mir lieb.

E r . hören Sie nur, auf Betrügerei steht ein böses Gewissen, auf Wind steht Verachtung. – Warum der Streit zwischen Geist und Fleisch, zwischen Fleisch und Blut? Gerade aus ist am nächsten. Sie kennen mich einesteils und hätten mich andernteils noch näher kennen lernen können, wenn Sie öfter bedacht, dass wir uns in die Fenster sehen können und so nahe Nachbaren sind. Mit Ehren zu melden bin ich so offenbar wie mein Laden. – Am Ende was wäre denn, wenn meine Tochter Frau v, G. würde?

I c h . Frau v. G.?

E r . Nicht anders.

I c h . Soll ich ohne offnen Laden so offen sein wie Sie? – Herr v. G.

E r . Ich bitte

I c h . Herr v. G.

E r . Zu dienen.

I c h . Ist Studirens halber in Königsberg, und gewiss nicht, um sich eine Lebensgehülfin zu suchen.

E r . Und wenn er was ungesucht findet?

I c h . Ist ein Edelmann.

E r . Ha, da liegt der Hund begrabenwohl recht, der Hund! Edelmann! Er Edelmann, ich Kaufmann. Mann ist Mann. Herr v. G. wäre nicht der erste und wird der letzte nicht sein, der es so macht, ob es gleich freilich nicht al corso, nach laufendem Preis ist, ich finde nichts in den zehn Geboten

I c h . Gott und natur haben nichts dagegen, allein der Lauf der Welt

E r . Lasst die Welt einmal gehen und nicht laufen.

I c h . Lauf oder gang

E r . Wenn die Welt geht und nicht läuft und sich nicht übereilt, kann meine Tochter so gut Ja sagen als ein fräulein

I c h . Und kommt so gut von Adam und Eva als ein fräulein

E r . Nicht anders.

I c h . Aber wir sind nicht bestanden in der Wahrheit, und eben darum Stände, Königreiche, Fürstentümer, Grafen, Freiherren, Herren und dessgleichen. Ehe die Welt wieder ins Paradies kommt, und das möchte wohl eine Zeitlang dauern. – Noch ist an diese Gleichheit nicht zu denken. Meinen Sie wohl, dass wir's erleben werden?

E r . Curland ist doch aber ein freier Staat.

I c h . Das heisst: der Edelmann geht in Stiefeln zur Kur, wenn es ihm so einfällt.

E r . So! das ist alles?

I c h . So ziemlich! Ein Cavalier wenigstens heiratet ein fräulein und ein fräulein einen Kavalier, des freien staates unerachtet.

E r . Und das ist ein freier Staat?

I c h . Wie es heisst!

E r . Basta! Das Weiberzeug! Ich hab' es gleich gedacht, Herr v. G. könnte mein Kundmann nicht sein; aber da wollen die Weiber immer hoch hinaus. Der Henker mag wissen, was am Ende wird. Ein Schustermädel will einen Kaufmann, eines Kaufmanns Tochter einen Geheimenrat, die Tochter des Geheimenrats, die wenigstens Emilia Philippina Polyxena Alexandria heisst, übrigens kein Hemd, wenigstens keines von holländischer Leinwand, auf dem leib hat, will gar einen Fähndrich, ein fräulein schlechtweg einen Grafen u.s.w. Das ist schon Preis courant; aber da bleibt denn auch manches Mädel ein Ladenhüter, wenn sie nicht klein beigibt.

I c h . Sie sind ein vernünftiger Mann.

E r . Decourtiren Sie immer etwas von diesem Lobe. Ich liebe meine Frau, und