Durchlauchtigen Häupter. Wenn ich die Wahl hätte, so wollte ich lieber N e w t o n , als C z a r P e t e r sein, sagte unser Hauptcandidat. Dein Vater schüttelte den Kopf, was ist aber da zu schütteln? Und wenn nicht ein Dichter, ein Historicus dazu kommt, fuhr der Candidat fort (es ist immer derselbe mit den langen Manschetten), was ist denn des Helden grösste Tat? Ein Held, ein Monarch braucht einen Dichter, einen Redner; aber diese können sich ohne ihn behelfen. – Dein Vater nahm den Candidaten bei der Hand, damit aber war die Sache nicht ausgemacht. Es ist kein Kleines, Gottes Diener zu sein. Was ist der kaltbrandige alte Herr dagegen? Und doch ist er Minens Vater. Sein Flick von Literatur macht es nicht aus. Wie, sage selbst, wie hätte sich Hermann zum Schwiegervater eines Ehren Superintendenten geschickt, wenn auch Mine seine Tochter zur Superintendentin zu erkiesen gewesen? Wenn auch? O vergib mir dieses w e n n auch, und oben die Frage: H ä t t e w o h l M i n e f ü g l i c h Superintendentin werden können? Ein bösartiges f ü g l i c h . Ja sie hätte f ü g l i c h können. Ja, sie hätte können!
Du weisst wohl, wie dein Vater sich zu ärgern
pflegte, wenn jemand Papier im Garten vierteilte, wenn Papierstücke auf der Erde lagen. "Papier," pflegt' er zu sagen, "gehört so wenig in den Garten, dass es das Auge beleidigt, so was im Freien zu sehen. Weisst du was künstlicheres, ausser deinem Hemde, als Papier? Und doch muss erst dein Hemde alt werden, wenn Papier daraus werden soll." In der Studirstube deines Vaters war freilich mehr zerrissen, als ganz. Da liegt der Mensch, sagt' er! – wenn ich ausfegen wollte, hiess es: lass ihn! Ich meines Orts, das weiss Gott, habe kein Blättchen entzweiet, und oft, wenn ich gern was vertilgt hätte, konnte ich's? Ich kann nicht zusehen des Knaben Sterben, hiess es von mir, wie von Hagar und Ismael! Obgleich Ismael ein Spötter war, ich aber kein Wort geschrieben habe, was ismaelitisch wäre. Die Frage: hätte Mine füglich Superintendentin werden können? und die Stelle: w e n n a u c h – das wäre so etwas, das ich Lust zu vernichten hätte! Und der Brief an sie ist wahrlich des Feuers schuldig. – Selten, mein Sohn, ist ein Herz, das nicht mit dem Kopf über den Fuss gespannt wäre; oft wenig oft viel. Selten ist's, dass Kopf und Herz sich mit einander einverstehen, und dann spotten sie sich nach. Da spielt denn das Herz den Kopf, und der Kopf das Herz, und die beiden Gecken sehen sich als ein Paar Affen an! – Ja, sie hätte! – Mine hätte können! Wenn ein Hechtkopf aufgetragen wird, suche des Kopfs habhaft zu werden. Zwar ist's auch ein Fischkopf, der jedem Tyrannen schrecklich sein würde; dich aber wird er erbauen: da fehlt nicht ein Stück von dem, was bei der Kreuzigung vorgefallen – Speer, Kreuz. – Wie steht's, wie geht's auf der Akademie? Lass dich nicht durch Minens Tod von deinem Fleiss abwendig machen. Sie studirt dort, du hier, beide Teologiam! Vergiss nie, mein Sohn, dass du im Dienste der Wahrheit und in keines Menschen Dienst stehest. Die Wahrheit ist Gottes. Professor Grossvater, so gut ich ihm gleich bin, ist doch ein Mensch. Von den kopfhängenden Pietisten, dergleichen es in Königsberg an allen Ecken der Strassen geben soll, lass dich nicht verführen. Die Hurer und Ehebrecher wird Gott richten. Ein Mensch, wie du, muss so seelenkrank in der Welt sein! – Ist das nicht Jammer und Schade! Doch du wirst alles gewohnt werden, und Gewohnheit ist die andere natur. – Minchens Anverwandte in Mitau sind Anverwandte meines Herzens durch Minens letzten Willen worden. So lang' ich Brod habe, soll's ihnen gebrochen werden. Die guten Alten! Warum sollt' ich ihnen sogleich sagen lassen, dass Minchen tot wäre? Was die Minchen gesegnet haben! – Sie braucht euren Segen nicht mehr. Jetzt wissen sie ihren seligen Tod; denn die Wahrheit zu sagen, ich wollte mir diese Pension von Segen selbst zuwenden; da hab' ich einen Geiz, der seines Gleichen nicht hat. Sieh! das ist ein Capitälchen, das in der himmlischen Bank aussteht, wo die Zinsen auf den Tag fallen. Eile mit Weile. Ein Arzt, der einem Schaden vorbeugt, ist teurer und werter, als einer, der ihn heilt. Ich weiss nicht, ob du Minens wegen ein Schwarzröckler werden wirst? Ich vermute es und bin drob fröhlich, weil du dich schon zeitig an diese Farbe gewöhnst, die deine einzige, deine Leibfarbe, werden wird; wenigstens würde' ich dir zu schwarzen Knopflöchern und Knöpfen nämlicher Farbe anrätig sein. Was Gutes kann man nie zeitig genug anfangen. Schwarz kleidet jeden Menschen. Hier wird Minens geschichte sehr geheim gehalten. Alles schleicht incognito. Du kannst sehr leicht raten, warum? Der Herr v. G. kam jüngst,