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als die auf dem feld; denn wenn ich gleich nur ein Lied bin, geht doch manche Ode auf meine Melodieich hörte den Donner nicht, als hört' ich Gottes Scheltwort. Schelten konnte nur meine selige Mutterüberall, und ichin der Kirche. Ich hab' es selbst gesehen und gehört, dass mitten im Gesange deine Grossmutter selige, war es Katarinen oder einer andern, einen Schlag ans Ohr gabmitten darin. Dergleichen Taktschläge sind mir nicht eigen. Wer ein gut Gewissen hat, hält den Donner für eine Instrumentalmusik der natur. Tut Busse, tönt er dem Verbrecher, denn das Himmelreich ist nahe herbeikommen. – Und der Blitz? Gott verzeih mir meine Sünden, oft ist es mir vorgekommen, als schlüge sich der liebe Gott Licht an, und auch im dicksten wald, wo ich denn wohl einsah, dass die stolze Eiche, die gern ein Wörtchen mitspricht, und die, wenn der Wind daherfährt, Scheltwort auf Scheltwort gibt, stockstill war; im wald, wo der Blitz sich so recht herumschlängeln kann, war mir ehemals nichts schrecklich! – Wie still es hier war, wie vor dem Worte: es werde Licht! Da bewegte sich kein Blatt. Mir war ehemals diese Stille erwecklich, himmlisch! – Nach Minens tod, ich kann es nicht läugnen, ist mir beim Donner und Blitz nicht mehr so zu Mute! Jetzt ist auch was von t h u t B u ss e darin, und im Blitz: b e d e n k e d a s E n d e ! Ich schaudre vor dicker Finsterniss, und alles scheint Mine im mund zu haben und wider mich a u s b r e c h e n zu wollen. Vor diesem, selbst wenn eins vom Blitze getroffen war, kam es mir vor, als wär' es im feurigen Ross und Wagen gegen Himmel geholt; vorzüglich dachte' ich diess bei dem Blitztode des alten Peters, denn er war ein so guter, frommer alter Mann, dass nichts wider ihn zu sagen war. Man suchte nach seinem tod; allein kein blauer Fleck an ihm! – Es war kein Schmerz in seinen Falten; sie schienen wie ausgeglättet. Im Leben hatte Peter auch keinen Fleck, ausser dass er zuweilen ein Gläschen über den Durst trank. Eins nur. Jetzt ist alles mit mir gar anders! – Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt, von den Fusssohlen an bis zum Scheitel ist nichts Gesundes, nichts Festes an mir.

Charlottens Laube selbst, wie schrecklich sie mir da ist! Hier, wo so viele Tränen vergossen sind, hab' ich Mühe, die meinigen in gang zu bringen. Sieh, mein Sohn! Du bist zu Superintendenten-Leiden und zu Superintendenten-Freuden geboren und erkoren, zur hohen Würde, zur schweren Bürde. Zum höheren Halleluja, zum tieferen Kyrie Eleison. Du bist, das weiss ich, nicht unbehülflich in diesem Kummer. – Der Gram ist durstig, wenn er aus verunglückter Liebe, aus Todesliebe, kommt, hungrig, wenn er Verachtung, Verspottung zur Triebfeder hat. Trink ein wenig Weins, deines schwachen Magens halber, und wisse, dass deine Mine wohl versorgt sei; aber warum schein' ich es selbst nicht zu wissen?

Ach! wer doch einmal droben

w ä r e ! Wenn du gelegentlich, mein Kind, ein Buch: Die grosse Diana der Epheser, oder ein Traktätchen von den Accident i e n d e r P r e d i g e r , D a n z i g 1693, lesen kannst, lies es und schreibe mir den Inhalt. Selbst lesen mag ich es nicht, wohl aber die Ehre und Lehre der Augsburgischen Confession von Johann Weidner, Ulm 1732. Wenn es dir begegnet, kauf' es. Mit Freuden ersetz' ich Kosten und Porto. – Glaube mir, mein hiesiger Aufentalt wird nicht langwierig sein, und ich freue mich darüber, bald, bald ausgespannt zu sein und ausser dem leib zu wallen. Meine Seele, ein Strahl aus dem göttlichen Lichte, sehnet sich, zurückprallen zu können und mit dem lieben Gott ins nähere Verkehr zu kommen! Der Tod wahrlich ist das wahre Universale wider alle Leiden dieser Zeit. Würden wir wohl Lust haben einzupacken, wenn nicht heute hier, morgen da einer von unsern Lieblingen und Gespielen das Zeitliche segnen und aus unserem Kränzchen wie eine Rose, die am besten riecht und am ersten bricht, ausfallen würde? Und was hat sie denn, die Welt, im Palast und in der Wächterhütte? Was hat sie denn,

So uns nicht naget und plaget?

In der natur ist Tag und Nacht, Sommer und Winter, Morgen, wäre nicht der Tod, wäre wohl Leben? Hier ist der erste Eingang bei den meisten Menschen bis ans Vaterunser. Bei den andern das Tema, die Partition, bei den meisten ein Gerippe zur Ausführung, die mein seliger Vater, wenn der Edelmann communicirte, vorn in die Bibel zu legen pflegte, um keine Division und Subdivision zu verlieren.

Die rechte Ausführung, vorzüglich die Applikation, ist der Zukunft vorbehalten. Zum Amen kommt es bei keinem Menschen. Gott allein ist Amen. Alle Verheissungen sind Ja in Ihm, und Amen in Ihm! Gott zu Lobe durch uns! Darum lieb' ich auch diess Wort, das Amen fein, Amen, bis zum Herzandruck