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wie dir erinnerlich sein wird, durch Himmelsschlüsselchen, wozu auch Krausemünze zu zählen, geschieht. Den Erdenkloss, aus dem Adam ward, nicht wahr, den hättest du riechen mögen? Ich auch, mein Sohn! – Noch eine Anekdote schwebt mir in Gedanken über: i c h h a b ' m e i n ' S a c h ' ; allein ich kann sie nicht zum Stehen bringen. So geht's, je älter, je kälter! und bald wird mich der Papagei jenes spanischen Gesandten übertreffen, welcher, wie ein bewährter Schriftsteller versichert, die ganze Litanei singen können. Das wäre ein Casus für mich! Was ist Nachtigall und Lerche! und alle Finkenarten gegen solch einen Litaneipapagei? – Zum erstenmal merke ich, dass sich Litanei und Papagei reimt! Schön! – Es gibt Lasten des Lebens, mein lieber Sohn, die auch dem Christen zu schwer zu heben sind; allein er vermag alles durch den, der ihn mächtig macht; er probirt und probirt so lange, bis er hebt und trägt. Es kommt viel darauf an, wie man's angreift und sich auflegt. Die Gelehrten lassen sich gemeinhin mit einem Buch in der Hand malen und darüber wegsehend! Nicht also! mein Sohn, wie diese Verkehrten! Ins Buch, sag' ich, ins Buch das Auge! Glaubt ihr Herren Gelehrte, Verkehrte, etwa, dass das Auge dem, der euch sieht, verloren gehe? Eben dieser blick ins Buch ist das Auge eines Gelehrten, wenn er nicht ein Verkehrter sein will, und nun, mein Sohn, lass dich nicht bloss so malen, sondern sieh wirklich ins Buch des Lebens! Die Bibel ist davon die erste Ausgabe, die zweite vermehrte wird dir in der andern Welt aufgetan!

Dein Grossvater seliger, d e r G l ü c k l i c h e , machte, wenn er nachsann, kleine Augen, recht als ob er keinem Gegenstand mehr Platz lassen wollte; dein Vater macht sie gross, wenn er nachdenkt, wenn er mit der Seele wohin sieht, und da fallen denn Sonnenkörner, kleine Sterne, wie die Sternschnuppen, aus seinen Augen. Manche machen die Augen dicht zu, als ob sie nicht sähen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare, denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

Was steht in der ersten Ausgabe des Lebensbuchs? Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. Kann der Ton sprechen zum Töpfer: warum machst du mich also?

Der Mensch sieht immer scheel über den lieben Gott, weil er so gütig ist, nicht nur in Absicht seines Groschens, sondern anderer. Diess Evangelium vom Groschen ist vortrefflich; es ist nicht mit Gold zu bezahlen. Was kannst du, Mensch, mehr als einen Groschen verlangen? Am Ende hat niemand mehr. Nur dass es anscheint, als hätte dieser oder jener darüber. Was willst du mehr, Mensch! wenn du deinen Groschen bekommst? Was mehr? Du willst die ganze natur verschlingen. Untier! Wie viel Arten von speisen in einer Mahlzeit? Fast alle sechs Tagewerke werden aufgetragen. dafür musst du aber auch leider! den Dr. Saft in Ehren haben. Selbst das Sterben muss dir dafür schwer werden. Du bringst dich selbst um, Israel! Wahrlich, in allem Betracht dich selber! – Das ist ein teuer wertes Wort, dass sich der Mensch mit dem lieben Gott in Verbindung denkt, dass er weiss, wie ohne den Vater über alles kein Sperling fällt, wenn gleich dieser den Kirschen nachstellt. Kein Haar auf deinem haupt ist, das Gott der Herr nicht gezählt hätte. Alles ist in Verbindung mit einander und alles zu Gott. So drehen sich grosse Weltkörper um ihre Achse und wandeln, sagt dein Vater. Ich stelle die grossen Weltkörper an ihren Ort, genügsam mit der Bemerkung, dass göttliche Heimsuchungen, dergleichen du jetzt erfahren, dergleichen ich auch oft erlebt, besonders da dein Vater mir lieblos den rücken kehrte und ich im hitzigen Fieber hebräisch lernte, da mir deine Grossmutter den Ring aufdrückte, und da dein Vater dich Alexander hiess, und da er selbst M – l – ch genannt ward, was wollt' ich sagen? Dergleichen Heimsuchungen sind Wecker, sind Haltrufer! S t e h d o c h , S e e l e , s t e h d o c h s t i l l e ! Gott sucht den Menschen heim, wenn es dem Menschen wohlgeht. So sieh dich doch um, wie schön dein Feld steht; dein Weib fürchtet den Herrn und deine Kinder stehen wie Palmen am wasser; du hast, was dein Herz wünscht und deinen Augen gefällt. Gott sucht den Menschen heim, wenn er ihm mit unerwartetem Unglück in die Quere kommt. Glück kommt in die Länge. Gott kommt, so zu sagen, bis ins Menschen Haus, um ihm Gutes im Glück und Unglück zuzufügen. Was liegt nicht alles in dem Worte h e i m s u c h e n ! Gott sucht den Menschen heimzuziehen, von der Welt ab und in sich selbst, in seinen eigenen Busen, um durch eben diese Selbsterkenntnis ihn dahin zu bringen, wo wir ewig sein werden! Kreuz und Leiden, mein Kind, sind der Zaum und Gebiss, so der liebe Gott uns, seinen Rossen, ins Maul legt