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schönen Worte: Befiehl dem Herrn deine Wege und hoff' auf ihn, er wird's wohl machen, h e r a u s s p r i n g e n . Dieser Vers heisst W o h l ! Der Spruch steht im siebenunddreissigsten Psalm, der fünfte Vers. Fast kann ich sagen, ich fiel zu grund, wie ein Stein. Nichts, nichts in dem ganzen Laufe meines Lebens hat mich so ergriffen, als dieser Fall. So wie den Egyptern ging's mir. Sie sassen in der Nacht, während dass bei den Israeliten Tag war. – Das Licht war nicht bei mir. Zu Gott rief ich: Die Angst meines Herzens ist gross, führe mich aus meinen Nöten! Siehe an meinen Jammer und Elend Ich habe Gnade gefunden in seinen Augen, so wie den Anfang zu diesem Briefe. Meine Brust schwoll so in die Höhe, dass alle Bande zu reissen schienen. Jetzt legen sich diese Blutwogenobgleich ich noch lange nicht sagen kann: es ist stille. Vielleicht wird es nie ganz stille. Du warst kein Kind mehr, als du schwach und krank darnieder lagest und wieder gesund wurdest, ich weiss indess nicht wie? Der Dr. Saft hat wenig oder nichts dabei getan, der, wenn gleich er seinem Vater selig eben nicht in Wunderkuren durch Heiraten gleich kommt, jedoch in der Apoteke zu haus gehört und seine Kunst versieht trotz einem. Du weisst wie gottergeben ich damals war. Wärst du gestorben, ich hätte keine Träne, wie ich nach der Liebe hoffe, sinken lassen. Seit der Minute, da ich fühlte, dass ich dich hatte, bis jetzt, da du dich zum Dienst des Herrn weihst und heiligestwusste ich, dass mein Sohn sterblich war. Sterblich von sterblich, und wärst du gestorben! Wohl dir, du Kind der Treue!

Du sängest Freudenpsalmen,

Dem, der dein Leid gewandt.

Aus der Strophe W o h l ! Du wärest w o h l versorgt. Ein himmlischer Superintendent und Oberpastor! Das ist mehr als in Mitau, wohin dir der liebe, gütige Gott, wenn es seiist, verhelfen wolle zu seiner Zeit! – Da ist er wieder in Herz und Feder der Name: Mine! Mine! O der namenlosen Angst bei diesem Namen, den Gott in Gnaden von mir wende, wenn der letzte Kampf anbricht. O wende ihn, wende am Lebensende das Schreckliche dieses Namens, du der du alles lenkst wie Wasserbäche.

Wie hiess der Barbar, der zwei römische Ratköpfe (nicht Glieder) jämmerlich hinrichten liess, und, da ihm nach kurzer Zeit bei einem Abendmahl unter vielen andern speisen ein gekochter Fischkopf aufgetragen ward, ihn für das Haupt des einen Erwürgten ansah? Er sprang auf, denn der Fischkopf drohte ihm in seiner Einbildung. Er floh, der Fischkopf verfolgte ihn, und unter diesen Aengsten, da beide Ermordete ihr Blut von seinen Händen forderten, starb er. Man kann leicht denken wie? Ich meines Orts behaupte Stein und Bein von dergleichen Leuten, dass sie lebendig in die Hölle gefahren! Da sagen denn die Gewissenslosen: der Barbar hatte Hitze! Freilich hatte er Hitze, allein Höllenhitze! Er setzte sich hin, um fröhlich und guter Dinge zu sein, bis der Ermordete ihm erschien. Der Fischkopf war ihm ein magischer Spiegel, und so ist's immerdar mit dem Gewissen. Einbildung? Recht. Allein das ist des Gewissens Art und Weise. Es hält uns immer einen Spiegel vor, dieser sei ein Fischkopf oder was anderesund am Ende will ich lieber wirklich leiden, als einen solchen Fischkopf sehen. Was mich mit wasser in meiner Minenhitze besprengte, war der Umstand, welcher andere vielleicht unmutiger gemacht haben würde. Du hast, dachte ich, meinen grausamen Brief an Minen! Du weisst alles; das Bekenntniss der Sünde ist eine halbe Reue, eine halbe Besserung. Die beichte könnte eine sehr vernünftige Sache sein; jetzt freilich ist sie nichts weniger wie das. Sei mein Richter. O hier ist mehr als ein Fischkopf! Es ist immer ein und dieselbe Saite, die in mir sumset. – O ein schrecklicher Ton! Auch die Hörner des Altars selbst kann ich nicht ergreifen. So oft ich in Gottes haus bin, sehe' ich hier Nummer 5, und da Nummer 5. An Nummer 5 hängt mein Gewissensspiegel. Da sehe' ich das stille gute Mädchen und fühl' es, dass ich ihr mit Ungestüm begegnete, den letzten Sonntag, da schon ihre Seele alles eingepackt hatte. Sie grüsste mich und dich. O Nummer 5! Nummer 5! O wenn diese Zahl nicht wäre! Einfältiger Wunsch, da eben fallen mir die fünf Finger ein. Sie bleibe, diese Zahl, und die Erinnerung bleibe, dass ich Minen auf der Seele habe! Wie lebhaft ich mir alles zurückerinnere! Ich besann mich, indem ich dankte, ob ich wohl danken sollte, und solch ein Dank ist ärger, als Undank. Jetzt danke ich, so oft ich die Bank seheund niemand ist, der mir diesen Dank abnimmt. O wenn doch Minchens Geist diese meine Bücklinge sehen könnte und mich bedauerte! O wenn doch ihr Geist nur ein einzigmal noch in unsere Kirche käme! Wenn ich diesen Fischkopf: Sonntag, zurück hätte, was gäbe ich darum! Nur den Vormittag, nur die Predigtstunde. Ich sah Minen deines Vaters Predigt hören