, dass wir im tod nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat kein Ende! neu ist sie am Morgen der Ewigkeit! Welch eine Sonne, die dann aufgeht! Welch ein Wort, Ewigkeit! Etwas ohne Ufer und ohne Grund.
Dort haben wir nicht nötig, uns um einander zu bekümmern. Die Eltern brauchen keine Pflege, die Kinder keine Stütze: Ganze wird unser Gegenstand sein.
Gott, der in uns angefangen hat das gute Werk, wird's vollenden in Ewigkeit. Wir werden ihn sehen von Angesicht zu Angesicht, jetzt sehen wir ihn im Spiegel, der seine Welt ist, den er uns vorhalten liess, und da unser Standort dunkel war, sahen wir nur wenig, nur dass er war! Dort werden wir sehen, was er ist!
Selig sind die toten, die im Herrn sterben! Sie stärken sich durch einen sanften Schlaf zu himmlischen Beschäftigungen, um zu erwachen nach Gottes Bilde. Muss der Mensch nicht hier immer im Streite leben? Seine Tage sind wie eines Tagelöhners. Man legt ihn in die Erde, und wenn man ihn morgen sucht, beschämt ihn der Stuhl, wo er sass, das Buch, das er eben gelesen hat, denn er ist dahin; den Sucher ergreift ein Schauder. Heil dem, der in der Jugend vollendet wird! Er kommt froh zum grab, wie Garben mit Jauchzen eingeführt werden zu ihrer Zeit – du wirst liegen und schlafen ganz mit Frieden, denn allein der Herr hilft dir, dass du sicher wohnest – –
Zu allem diesem sprach meine Mutter den Segen. Empfange, sagte sie mit gerührtem Herzen, hierauf den Segen des Herrn:
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über euch und sei euch g n ä d i g ! – und da kein Chor antwortet, setze ich, sagte sie, selbst hinzu: Der Herr erhebe sein Antlitz auf uns und gebe uns seinen Frieden, Amen!
Sie sprach diese Worte mit einer so zuversichtlichen Segensstimme, dass meine Seele das Licht sah, das mir leuchten sollte bei dem schrecklichen Todesgange, und die hülfe empfand, die mir helfen würde bei dem allerletzten letzten Todesstoss.
Kaum hatte sie ihn aber mit Herzen, Augen, Mund und Händen ausgesprochen, ihr Auge war gegen Himmel gerichtet, ihre hände hatte sie auf mich gelegt – kaum hatte sie Amen gesagt, so ward sie des Segens wegen verfolgt, weil der Candidat mit den langen Manschetten, der vor vieler Zeit, wie meine Leser sich erinnern werden, einen kalekutischen Hahn verzehren geholfen, während des Segensspruchs ins Zimmer getreten war. Es war dieser gute Mann in der Bauskeschen Präpositur, welche, so wie die Seelburgsche, den dreigliedrigen Segen angenommen hatte.
Der Herr Superintendent Alexander Gräven, unter dessen Regierung, wie meine Mutter zu sagen pflegte, ich leider! das Licht der Welt erblickt, hatte im Jahr eintausend siebenhundert und achtzehn den dreigliedrigen Segen eingeführt; indessen blieb meine Mutter, so wie beim alten Kalender, so auch beim alten Segen, wenn er gleich ein Glied weniger hatte.
Meine Mutter, die, wie Brutus, nicht mehr auf den Sohn ihres Leibes, sondern auf's Unsichtbare und Allgemeine, und was noch mehr war, die Ehre der Kirche und ihre Ordnung sah, geriet in P a u l E i n h o r n s c h e n E i f e r , sprach wider die Regierung, nicht des Herzogs Ferdinand, sondern des Gräven, ärgerte sich, dass ich und er Alexander hiessen.
Er, weil ein würdiger Einhorn so geheissen.
Ich, weil man ausser vielen andern Bedenklichkeiten, die sie hatte, auf den, wie sie sagte, unseligen Gedanken kommen könnte, dass ich von diesem dreigliedrigen Alexander Gräven den Namen empfangen haben könnte.
Dem Herrn M. Adolph Grot, Pastor in Windau, der sich des alten Gebrauchs angenommen, setzte sie eine Märtyrerkrone auf, und dem Herrn Pastor Christoph Sennert, der des dreigliedrigen Segens wegen Kreuzzüge tun musste, und in gewisser Art Fähnchenführer war, hatte sie keinen Segen auf den Weg gewünscht, wenigstens sollten seine Gebeine nicht im vaterland verwesen, welches auch nur, wie sie sagte, zweigliedrig wäre: Curland und Semgallen.
Ich will nicht hoffen, dass eben wegen dieses Unsegens (Fluch war es nicht) dieser Grävensche Adjutant unstät und flüchtig geworden, und auch wirklich in der preussischen Grenzstadt Memel sein unruhiges Leben, wiewohl schlüsslich, wie Paul Einhorn, sanft und ruhig geendigt hat.
Es würde kein Segen für meine Leser sein, wenn ich ihnen den Streit meiner Mutter und des Herrn Candidaten auseinander setzen sollte.
So viel zur Nachricht, dass dieser Segensstreit in Curland durch den landtäglichen Schluss vom einunddreissigsten Julius eintausend siebenhundert und dreiunddreissig, und durch die Verordnung vom neunzehnten August eintausend siebenhundert und dreiunddreissig, in der Art beigelegt worden, dass meine Mutter zwar nach der Zeit einsah, es sollte in Curland nicht mehr zweigliedrig gesegnet werden, indessen was sind Edikte und landtägliche Schlüsse dem Gewissen? Sie lebte und starb nach dem alten Kalender und nach dem alten Segen, und wenn sie gleich oft und viel nicht wider den Strom schwimmen konnte, hoffte sie doch, es werde alles ein Ende gewinnen, dass wir's könnten ertragen.
Den Ungläubigen, die vielleicht auf den Gedanken kommen könnten, dass ich ein Mährlein erzählet, zur Beschämung, will ich wörtlich die segensreiche Verordnung unter die Augen setzen, welche den neunzehnten August eintausend siebenhundert und dreiunddreissig in