, die ihres Gleichen nicht hatte, kam Natanael nach L –, entdeckte dem Prediger, sein Vermögen zu einem kleinen Gütchen ohnweit L – angelegt zu haben, und hatte ohne Promemoria Herz genug, dem Prediger sein Anliegen näher zu legen. Natanael war diessmal noch geputzter, wie je, obgleich ihm schon zuvor nichts abging. Der Prediger erwiderte, diesen Antrag in Erwägung zu nehmen, und Natanael trat ab, wie alle Parteien, wenn die Richter in ihren Sachen erkennen wollen. Der Prediger trug Frau und Tochter mit einer kleinen Anrede die Sache vor und kleidete alles in eine wohlgemeinte Rede über die Worte ein: W i l l s t d u m i t d i e s e m M a n n e z i e h e n ? Da ging Gretchen über manchen unverständlich gebliebenen blick ein Licht auf. Hanna hatte tausend Bedenklichkeiten, die aber alle tausend in den Umstand zusammen kamen, dass ich – Gretchen ward rot. – Nun, sagte der Prediger, wenn das ist, desto besser; ich bin ihm wegen m e i ner Sünde wider den heiligen Geist tausend Verbindlichkeiten schuldig. Er hatte schon längstens den Erfolg seines Auftrags in Händen. – Wenn er mit dir so umgeht, wie mit dieser Abhandlung, hast du gewonnen Spiel Fein Papier. Der schönste Druck. – Die Recensenten werden wider diese Verbindung kein Wort haben. Der Beschluss war, dem Justizrat Nein zu schreiben, weil Gretchen mit mir eins wäre. – Natanael hatte gebeten, ihm sein Urtel schriftlich zuzusenden, welches er als publicirt ansehen würde, und war voll Erwartung der Dinge, die kommen sollten, heim gereiset. Den andern Morgen fiel dem Prediger die Frage ein: ob ich denn wirklich mit Gretchen eins wäre? Und da man alles zusammenhielt, fand man mich in weitem feld – im weitesten. – Es gibt nicht alle Tage Natanaels, sagte der Prediger, der diesen ganzen Vorfall seinem Bruder zu referiren und die Sache seinem Schiedsspruch zu überlassen antrug. Hanna trat bei, und bat nur, das Testament in dieser Relation abschriftlich beizufügen, als ein Dokument, woraus ganz deutlich hervorginge, dass ich Gretchen heiraten müsse.
Der Haupteinwand, den Gretchen aber für sich behielt, war, dass, obgleich sie mit zwei Accenten verlangt, dass ich wenigstens noch einmal nach L – kommen sollte, ich doch in so langer Zeit nicht gekommen. – – Zwar hatte' ich geschrieben, allein, da war auch keine Spur, die dieses Obgleich heben oder nur mindern können.
Ein Brief von mir an Gretchen, der meine Reise nach Göttingen eröffnete, gab allem eine andere Wendung. Der Prediger sah diesen Brief als eine göttliche Schickung an. Die Predigerin selbst war der Meinung, dass die Relation nicht abgehen dürfe. Er hat doch keinen Amtswachtmeister mehr, setzte Hanna hinzu, und Gretchen? Sie hätte freilich bedenken können, dass ihre Eltern arm wären und ihre Mutter noch obenein lindenkrank, allein diess war ihr wenigster Kummer. Es ist nicht die einzige und sichere Art, Mädchen durch Schmeicheleien zu fahen. Man sollte kaum glauben, was in einem unbefangenen Weibsbilde Raum hat. Eine Grossmut, die über allen Ausdruck ist. Ich getraue mir zu behaupten, dass man ein Mädchen durch Beleidigungen eben so weit bringen kann, als durch Liebkosungen. Wenn nicht Curländer geradeüber gewohnt und ihr Herz durch buhlerische Blikke verdorben haben, was kann sie nicht? Wisst ihr, Freunde, wer die grössten Menschenfeinde sind? Die, denen die Menschen am meisten Gutes getan. Diese Beglückten empfinden ihren Unwert, sie wissen am besten, durch was für Wege sie sich diess und jenes erschleichen, und eben diess macht sie zu Menschenfeinden. – Unglück, Freunde, das man duldet, leitet uns oft zur genauesten Menschenliebe. – Daher Freud und Leid, Sarg und Hochzeitbette so nahe verwandt! Nichts ist natürlicher, als dass Gretchen J a sagte. Sie hätt' es gesagt, wenn gleich Natanael nicht so geweint, als er getan, wenn er gleich den Abschied nicht genommen. Gut ist gut, allein besser ist besser. Einer, der Busse tut, ist besser, als neunzig, die der Busse nicht bedürfen. – Ehe es sich noch schickte, die Bedenkzeit zu schliessen, wiewohl alles schon bedacht war, erschienen Se. Hochgeboren, der hohe Eingepfarrte, mit einer Anwerbung – auch für Natanael. Das Natanaelsche Gütchen stiess an eines des Grafen. Wer viel im Himmel haben will, muss sorgen, dass die Welt fruchtbar sei und sich mehre. Man gab, um alles fein und schön zu machen, dem Grafen die Einwilligung mit, und siehe da! Natanael und Gretchen ein Paar! – Eins hätte Gretchen sich gern ausbedungen, wenn es sich geschickt hätte. Sie wünschte, dass Natanael, der sonst eben nicht unleidlich war, seine Haare wachsen oder sie wenigstens mit seiner Perükke so verheiraten möchte, dass man nicht wüsste ob's natur oder Kunst, eigen Haar oder Perücke wäre. Die natur trägt ihr eigen Haar. Solche Wünsche heben in der Ehe sich von selbst. Das Weinen liess dem Natanael, wie Hanna versicherte, nicht übel. Die erweinte Röte, welche sich von einer andern ungefähr wie das Taufwassergrün vom andern unterscheidet, gefiel Greten selbst. über das Weinen liess sich Hanna aus: "Es kleidet wenigen Leuten, lachen steht fast allen gut; darum lassen sich die Menschen fast alle im Lächeln malen."