. Die einzige Rolle, die der Mittelmässigkeit angemessen ist, ist fröhlich und guter Dinge sein. Seht euch um! Alle mittelmässige Leute sind es von Herzensgrunde. Sie haben nicht umsonst Verstand. Wer kann nicht Vögel leiden, die lustigen Tierchen auf Gottes Erdboden? Der Professor Grossvater erzählte, einen Tauben gekannt zu haben, der sich Vögel gehalten bloss des Springens wegen!
– Meine Mutter würde freilich das S i n g e n vom S p r i n g e n nicht scheiden, da es die natur zusammengefügt hat; was konnte aber der Taube dafür, dass seine Ohren verschlossen waren?
Man lasse die Menschen bei ihrer Lustigkeit, der ersten Tränen unbeschadet, womit wir alle das Taufwasser verstärkt haben und des ältesten biblischen buches unerachtet, welches ein Trauerspiel ist. – Liessen sich doch die Stoiker selbst zu öffentlichen Bedienungen brauchen, da gibt's genug zu lachen. Und Epikur! war er nicht ein allerliebster Weiser? Warum sollten wir den Menschen nicht zugestehen zu hüpfen, wenn sie nur nicht luftspringen; und ihr grundgelehrte Herren selbst, die ihr darauf bedacht seid, alles trokken zu sagen, allem ein Ansehen beizulegen, ein gewisses Ceremoniel einzuführen, wobei sich jeder gerade halten, ein steifes Kleid anlegen und im blossen kopf gehen muss – wenn ihr doch den Versuch machen möchtet, auf alle diese steife Etikette Verzicht zu tun. Sagt eure Wahrheiten immerhin trocken, gebt uns kalte Küche, nur schreibt uns die Bratenkur nicht vor, wenn wir gesund sind. Tut nicht so ernstaft, wo zu lachen ist. Hängt euch nicht eine Reverende von Worten um, wo es auf Sachen ankommt. Ich weiss, Kleider machen Leute, allein nicht unter Männern, denen das Denken obliegt. Warum das ermüdende Ceremoniel, das, sobald es aus eurem Tempel ins Freie gebracht wird, lächerlich ist? Gehört denn dazu soviel Kunst zu sagen: wir wissen nichts! und das ist doch das Ende aller eurer Kunst. Wahrlich eine menschliche Kunst, die aber natürlich vorgetragen werden muss, wenn sie Frucht bringen soll in Geduld. Was ist denn positiv, so wie ihr es nehmt, hochgelahrte Herren? Das Format des Positiven ist Duodez. Warum doch alle die Formalien, wo es auf J a und N e i n ankommt? So sei eure Rede! Was darüber ist, sagt, ist es nicht vom Uebel? Wir leben nicht mehr im alten Bunde, sondern in der christlichen Freiheit, wo das Ceremonialgesetz, Gott sei gedankt! abgestellt ist; warum wollt ihr solch einen Kopfzwang, solche Daumenschrauben einführen? Gesteht aufrichtig, legt ihr es nicht recht geflissentlich darauf an, das Allerleichteste schwer zu machen, das Lichte zu verfinstern und euch vom Leben zu entfernen? Hat denn diese Welt nicht Mühseligkeiten genug und ihr wollt sie noch mit mehr Drangsalen belästigen? Seht! Ich vergelte nicht Böses mit Bösem, nicht Kunstwort mit Kunstwort, ich begegne nicht trocknen Wahrheiten mit trocknen Einfällen, obgleich trockne Wahrheiten und trockne Einfälle Gevattersleute sind und in canonischer Verbindung stehen. Wie kann ich euch aber retten, wenn sich dergleichen trockne Einfällisten wirklich fänden, die euch über kurz oder lang darstellten, wie ihr seid? – Um des armen Menschengeschlechts willen bitte' ich euch, lasst ab vom Ziegelstreichen und von egyptischer Dienstbarkeit und vom Morde der geistvollen Knäblein, und wollt und könnt ihr nicht? Es wird ein Moses kommen, der uns nach C a n a a n führt, wo Milch und Honig fleusst.
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Dass das Studiren tröste, hab' ich erfahren. Der einzige Trost in der Welt, wenn ja die Welt Trost hat, liegt in den Wissenschaften. Selbst die Unvollkommenheit unseres Wissens ist tröstlich; die edle Art uns zu zerstreuen, die den Wissenschaften eigen ist, hat weder die Welt noch etwas, das in der Welt ist! – Die Wissenschaften allein können zerstreuen! – In ihnen liegt Lehr- und Trostamt eines guten, eines heiligen Geistes, den der Vater in unsern letzten Tagen gesendet hat, denen zur Stärke, welche ob dem Jammer, ob dem Elend dieser im Argen liegenden Welt darnieder liegen! Wir haben die natur, die Freiheit verlassen und uns selbst in die Festung gebracht. Die Wissenschaften sind da, um uns wenigstens in der Festung eine gute Aussicht zu verschaffen, um uns die Zeit zu vertreiben.
Studiren ist eine Art von Geisterseherei, eine Empfindung höherer Kräfte, ein Vorschmack des himmels! – Die Alten, welche die Ideen der andern Welt nur für schöne Träume hielten, wussten nicht, wie dieser Trost eigentlich mit den Wissenschaften verbunden war, wo er eigentlich zu haus gehöre?
Uebrigens hängt diess Leben an einem seidenen Faden. Wir leben nur einmal, wir haben nur eine Seele zu verlieren. Ein Mensch, der im Himmel, das heisst überall, nur im Planeten Erde nicht zu haus gehört, sollte aus Paris, London, Rom, Aten sein? Unser Wandel ist im Himmel. Wir wollen Herzhaftigkeit haben aus Gottes Welt, aus uns selbst zu sein.
Den Menschen kennen lernen heisst: den besten teil der Wissenschaften gewählt haben. Das soll nicht von uns genommen werden! Wenn uns alles verlässt, behalten wir uns doch!
Ich werde noch gelegenheit haben, von meinem akademischen Lebenslauf ein Wörtchen zu geben. Will man diess Wörtchen in Rücksicht, dass das Studiren eine Art von Geisterseherei ist, so übersetzen: ich werde einen Geist erscheinen lassen! Auch gut! Einen guten