Monarch, und machen sich eine Ehre daraus, es zu sein! Schenken Sie Hansen das Leben, oder nehmen Sie es mir, so und nicht anders ist uns beiden geholfen. – Der König verwandelte die Todesstrafe in eine einjährige Festungsstrafe, und alle Welt sagte, dass dieses ein Salomonisches Urteil wäre. Um solch ein Urtel zu sprechen, wer wünschte nicht König zu sein! Hans wäre gar nicht in der Festung gewesen, wenn nicht Grete seine Strafe mit ihm geteilt hätte. Diess war das einzige, was ihm schwer zu tragen war. Seine Ketten waren ihm nicht lästig. Nach so viel Kummer und Not, ging endlich die Sonne über dieses treue Paar auf. An das Gütchen, in welchem Hans so viele Veranstaltungen in Gedanken getroffen, war nun nicht mehr zu denken. Sie wollten beide weder Land noch Leute dieser Gegend sehen, und entschlossen sich, um sich recht zu verbergen, nach Königsberg zu ziehen. Sie waren eben zum drittenmal aufgeboten, da Hans in ein hitziges Fieber fiel und starb. So entscheidet Gott, der Herr, wenn gleich Könige anders entscheiden. Seine Wege sind nicht unsere Wege, seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken. Grete fiel an Hansens Begräbnisstage in eine solche Schwermut, dass sie jetzt im Irrenhause, wiewohl in einem bessern, als den gewöhnlichen Zimmern, gehalten wird. Gott, was hat Grete verbrochen, dass sie gelacht hat? Sara lachte auch und Gott segnete sie mit dem Sohne Isaak; und Grete? im Irrenhause. Ihre zerrüttete Einbildungskraft lässt sie glauben, Hans sei auf dem Richtplatze aus der Welt gegangen. Sie macht beständig eine Bewegung mit der Hand, als köpfe sie! – H a n s liegt auf dem Rossgärtschen Kirchhose zur linken Hand, am kleinen Ausgange, begraben.
Diese geschichte hab' ich aus einem Aufsatz ge
nommen, den ein armer Candidatus Teologiae zu einem Jahrmarktsliede entworfen, zu singen von einem lahmen Bettler, auf die bekannte Melodie: E s i s t g e w i ss l i c h a n d e r Z e i t . Der Todtengräber, der nun sehr unvollständig diese geschichte erzählte, behändigte mir diesen Entwurf, den ich ausgezogen habe.
Wahrlich, Freund Todtengräber, wer seine Einbildungskraft begraben kann, hat sich leicht gemacht! Wie könnt' ich aber Minens Andenken zurücklassen?
Schlüsslich stiess ich auf drei ausgegangene Bäume, und mein Lehrmeister versicherte mich, dass, nachdem die Familie, die hier ihr Erbbegräbniss gehabt, ausgestorben, sie in einem Herbst alle drei ausgegangen wären. Das ist nichts Neues, setzte der Todtengräber hinzu. Es haben sich viele Hunde um ihren Herrn zu tod gegrämt, und die Stiere, die in dieser geschichte vorkommen, sind ein neuer Beweis, dass die Bäume gewusst, wenn es Zeit zum Ausgehen war. Ich bat den Todtengräber, diese Mordgeschichte dem Grafen zu übersenden, welches er mir aber abschlug. "Ich muss so etwas aufbewahren, um es ihm hier vorzusetzen."
Ich schliesse den Kirchhof, ehe das Stadttor für mich geschlossen wird. Wer mir aber dergleichen Vorgriffe übel nimmt, kann mir mehr übel nehmen, wenn es ihm so beliebt. – So sehr mir diese geschichte auffiel, so war ich doch nicht im stand, Greten im Irrenhause zu besuchen, um ihren schrecklichen Scharfrichterhandgriff zu sehen!
Wenn es ausgemacht ist (und nichts ist gewisser als diess), dass die wahre Philosophie eine Sterbekunft sei, so legt' ich mich mehr auf die Philosophie, als auf irgend etwas. Um reich zu sein, braucht man nicht Geld, nicht Gut, sondern Mässigkeit. Gute Führung beehrt uns, nicht Würde. Wer lang und glücklich leben will, sei sein eigner Herr, im philosophischen Sinn! Wer die Welt verachten will, hab' eine Mine im Himmel! – Mine war der philosophische Text, über den ich studirte. Ueberall war sie. Je mehr ich studirte, je mehr fand ich: Gesunder Verstand sei täglich Brod. Wörterkram, Schnirkelei aber, kopfverderbendes Gebackenes. Wenn mein Vater redete (docirte, wenn man will, denn ich läugn' es nicht, dass der Lehrton ihm wie eine Klett' am Kleide hing), hatte' er jederzeit etwas in der Hand, Messer, Scheere, ein Buch, einen dem Wachslicht abgenommenen Bart, einen Zahnstocher, kurz, ohne was Körperliches war er nicht. Er schwur immer einen k ö r p e r l i c h e n E i d , wenn ich mit Verzeihung der juristischen Genies mich so erklären darf. So was hilft die Sache sinnlich machen. – Er knetete die deutlich zu machende Sache durch, würde' ein anderer gesagt haben; er nicht – ich auch nicht. – Gott der Herr hatte ein Chaos, aus dem er die Welt allmählich herausrief, und wenn ich's recht bedenke, ist was Körperliches vielleicht darum in der Hand gut, um für den Gedanken ein Kleid, für den Geist einen Körper zu finden. Gott ehre mir Leute, die Hand und Mund zugleich bewegen, war, wie wir wissen, meines Vaters Losung. – – Der Kirchhof in L –, der Rossgärtsche Kirchhof in Königsberg, das waren meine Messer, Buch, Scheere, Wachsbart, Zahnstocher.
Die Alten brauchten den Tod, als ein Mittel der Aufmunterung. Ich ahmt' ihnen nach, wiewohl auf andre Weise, die aber nichts zur Sache selbst tut. Hätt' ich,