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, oder Gottes Gärtnierer, in dem Sinn, wie der Prediger des Orts Gottes Diener ist, begegnen würde. Ich war verbunden, ihm Minens Grabmal zurück zu treuen Händen zu liefern, und mich mit ihm, neben dem Dank für dieses Begräbniss der Einbildung, auf eine wirklich fühlbare Art abzufinden, des Canons ungerechnet, den ich ihm, so oft ich ihm begegnet, abzutragen für Pflicht gehalten. Ich klopfte an sein Fenster. Gleich, war seine Antwort, und da stand er auch mit seinem Spiess in der Hand, den er lächelnd ansah, nachdem er mich gewahr ward. Er war es nicht gewohnt, dass ich ihn auf diese Art aufrief; sich zu begegnen war eingeführt. Hier, fing ich an, lieber Freund, gebe ich diess Grab, frei von aller Einbildung, die bis jetzt darauf haftete, zurück. Die Gebeine des guten Paares, das in dieser Welt, des Ja und Amens unerachtet, nicht zusammenkommen konnte, das an der Liebe starbmögen wohl ruhen! Ich ziehe mit meiner toten von dannen, die diess Grab, so lange ich sie hier beigesetzt, nicht beunruhigt hat. Mein Begräbniss war geistig gerichtet. Da wollt' ich wetten, sagte der Todtengräber und stützte sich auf seinen Spiess, diesem Paar wird es ein Vergnügen gewesen sein, ein ander Paar guter Freunde bei sich zu sehen! Die Gesellschaft kann auch den toten nicht unangenehm sein. Von jeher sind Kirchhöfe gewesen. Hier fiel mir die Sterbensmetode des Grafen ein, die auch auf Gesellschaft hinausging. Von der Erde, womit der liebe Gott von Anfang, da er Himmel und Erde schuf, diese Kugel bestreute, so wie meine Hausmutter alle Sonntage unsere Prunkstube, wird wohl schwerlich viel mehr übrig sein. In dieser Anfangsrede war freilich kein pulverisirtes Gebein; allein unsere j e t z i g e sind wir selbst, bis auf die Seele! – – Nach diesen Betrachtungen, welche der Todtengräber in beliebter Kürze und Einfalt, auf seinen Spiess gelehnt, nicht ohne Bewegung der hände, bald zur Rechten, bald zur Linken, hielt, und worin ich seinen hochgebornen Meister in Lebensgrösse fand, berichtigte ich ihm meine Schuld, und er kam zur Nutzanwendung seiner angefangenen heiligen Rede, die zwar seinem Text nicht angemessen war, die indessen aus gutem Herzen quoll. Vor allen Dingen, fing er an, schenke Ihnen der liebe Gott Glück und Segen und ein langes Leben! Bei Ihnen verliert der Todtengräber nichts bei lebendigem leib; wenn ich aber bitten darf, begraben Sie Ihre Einbildung auf diesem schönen Kirchhofe, wo es Ihnen gefallen hat. Jeder Platz soll Ihnen gehören, den herrnhutschen grünen Einschluss nicht ausgeschlossen. Es ist keine Schwester, der Sie hier im Geist ein Grabmal errichtet! Ich weiss, was Schwester sagen will. Die begräbt man ohne Einbildung, und, wenn ich's selbst nicht wüsste, mein Weib weiss mehr als das. Da stirbt keins vom königlichen haus, was ihr nicht voraus gemeldet wird. wunderbar verkehrt sie im Schlaf mit den Geistern. Das Paar, das unter den zusammengewachsenen Bäumen schläft, ist hier mit dem Herzen zusammengewachsen. Sie lässt auf diess Paar nichts kommen. Sie, mein Herr, haben eine Braut verloren. Ja, sagt' ich, meine Mine! – Den Namen wusst' ich nicht, erwiderte er. – Geister haben keinen. Minens Geist, Freund, heisst Mine, fiel ich ein. – Einbildung, und diese Einbildung, wenn ich bitten darf, begraben Sie sie. Es ist Raum in der Herberge. Das Grab haben Sie reichlich bezahlt! Ich will es eigenhändig machen. Sie sind jung, und wissen nicht, was solch eingebildetes Wesen für Folgen hat. Seit einiger Zeit war mein Vorsatz, Sie aufzusuchen und Ihnen diese Lehre zu wiederholen, die ich Ihnen beim Mietskontrakt nicht verhielt. konnte' ich aber so grob sein, und Sie aus der Miete setzen, ehe Sie sie mir selbst aufzukündigen genehm finden würden? Heute alles, wie gerufen. – Der Todtengräber belegte seine Ermahnung mit einer geschichte, die vor kurzem ihre Endschaft erreicht hatte. Es verdross mich, dass so etwas auf dem Rossgärtschen Kirchhofe geblieben, ohne dass ich in meinem Quartier der Stadt davon eine Todtenglocke gehört.

Was liegt nicht alles auf den Kirchhöfen begraben! In grossen Städten ist Vergnügen der Inhalt. Das Wort Tod ist hier so contreband, als das unhallische Salz in Preussen. Hier ist diese geschichte, womit ich diesen Kirchhof schliesse, so wie ich ihn mit einer geschichte meinen Lesern öffnete. zuvor eine Todtengräberbemerkung, die meinen Lesern nichts neues ist, dass mehr Leute an der Liebe sterben, als an den Blattern. Die Schuld hiervon gehört auf die Rechnung des Zwangs, den man den Menschen auflegt. Man hat so viel über die Klöster geschrien; allein wahrlich jeder Staat macht recht geflissentlich ein grosses Kloster aus sich! –

Die geschichte.

Ein Eigentümer von einigen Hufen Acker und einem kleinen artigen Häuschen, hatte einen Sohn und eine Tochter. Eltern und Kinder lebten in so glücklicher Ruhe, dass der Pastor loci selbst zu sagen pflegte, es wäre ein patriarchalisches Leben, das sie führten. Der Sohn kam ins Jahr, in dem sein Vater geheiratet hatte. Diess fiel dem Alten an seines Sohnes Geburtstage ein, und er forderte ihn selbst auf, an diess heilige Werk der natur zu denken. Der Sohn hatte schon daran gedacht, und entdeckte dem Vater seine