merken, worauf es bei diesem Ehrenmann ankäme, und nachdem ich mich seiner Gebühren halber erkundigt, und ihm noch einmal so viel in die Hand gesteckt hatte, als ein wirkliches Grab galt, weil ich ein idealisches Grab bei ihm bestellte, so fand er weniger Bedenklichkeit bei meiner Sache, und liess es mir selbst über, ein Plätzchen für meine Phantasie auszusuchen. Er fragte mich zum Beschluss, wie alt ich wäre, und schüttelte, da ich ihm antwortete, den Kopf. Ich fragte ihn zur Wiedervergeltung, wie lange er beim Grafen v. – gedient hätte, und schüttelte, da er mir antwortete: sieben Jahr! auch den Kopf.
Wir hatten, glaube' ich, beide gleich Ursache zum Schütteln.
Ich suchte hin und her eine Stelle für mich zum Monument und sah endlich einen Baum, den ein anderer nicht bloss angefasst hatte; er hatte sich hinangewunden. Der Todtengräber, der seine Amtspflicht vollbracht hatte, und mit seiner Stange nach haus zu gehen im Begriff war, sah sich zum Glück noch einmal um. Ich winkte ihm nicht, allein er sah die Frage im Auge und kam.
I c h . Diese Bäume –
E r . Von selbst zusammen.
I c h . Selbst?
E r . Ohne Menschenhände.
I c h . Und begraben?
E r . Ein junges P a a r .
I c h . Paar?
E r . Wie ich sage. Schade, dass Ihr Verlust eine Schwester ist, sonst eine Stelle für Sie, wie gewonnen.
I c h . Wer zuerst?
E r . Sie.
I c h . Gott!
E r . Es war ein Mädchen, das Liebe hatte bei Jung und Alt. Die Eltern, wie's doch immer so geht, wollten sie zwingen, und sie wollte sich nicht zwingen lassen. Sie liebte einen jungen Menschen, dessen Vater das ist, was ihr Vater ist. Kein Fingerbreit mehr oder weniger. Die Eltern wollten höher mit ihr hinaus; endlich sahen sie, es ginge nicht, denn das Mädchen grämte sich zusehends. In der Gemeinde kenne ich meine Kundleute auf's Haar. Da sollten wohl zehn eingeschnürte verheimlichte Schwangerschaften der Hebamme des Kreises eher entgehen, als mir eines, das an Grabes Bord ist, obgleich ich auch mich auf die gesegneten Umstände und Leibeserlösung, wiewohl nur nach Augenmass, verstehe. Ein Auge ist bei unser einem die andere Hand. – Diessmal glaubte ich schon, mich zu irren. Ich irrte mich wirklich; die Eltern sagten endlich ja zur Heirat und alles sagte ja. Das Mädchen erholte sich zusehends. Verlobungen kommen unser einem selten zu Ohren. Die Leute halten mich für ein Stück vom tod, für einen Verwandten des Todes, und wollen mit dem tod bei dergleichen gelegenheit nichts zu tun haben, obgleich der Tod immer hinterm stuhl steht, es sei bei einer Verlobung oder sonst. Es ist, dünkt mich, zu sehen, dass ich so gut lebendig bin, wie einer, und wenn der Tod bedenkt, dass unser einer ihm gewiss ist, und dass er ihn aus der ersten Hand hat, so geht er lieber auf die Jagd, als dass er nach dem Haushahn greift.
I c h . Das Mädchen, Freund, das Mädchen erholte sich –
E r . Ja wohl erholte es sich. Ist die Verlobung nicht vorgefallen, so hatte sie doch vorfallen sollen. Es war alles: Ja und Amen, und da starb es wie eine Knospe Rosenrot, und nun ging's ans Heulen und Zähnklappen.
I c h . Und er? er?
E r . Er? weiss Gott wie's war, er ist am tod gestorben. Es hat ihm so wenig gefehlt, wie Ihnen und mir. Sie starben einander so nach, wie Blitz und Donner. So was hat man bei Menschen Gedenken nicht erfahren! Die Nachbaren und dessgleichen sagten nun freilich wohl, dass der liebe Gott an ihnen ein Exempel statuirt, weil sie doch vom verbotenen Baum essen und den lieben Eltern der Braut ungehorsam werden wollten. Sie meinten es gut mit ihr und dachten höher mit ihr hinaus.
I c h . Ach Freund! Sie ist höher hinaus, wie wir alle!
E r . Ja, wenn Sie's so nehmen, habe ich nichts dawider. Sonst pflegt's zu heissen: wer den Eltern nicht folgt, der folgt dem Kalbfell. Hier ging sie einen andern Weg und er folgte.
(Das Sprüchwort: wer den Eltern nicht folgt, folgt der Trommel, fiel mir so auf, dass ich aus der Weise kam; indessen erholte ich mich nach einer kleinen Weile und lenkte das Gespräch zurück auf i h n und sie.)
I c h . Aber diese Bäume?
E r . Ein lebendiger Leichenstein, zum Zeichen der fröhlichen Auferstehung gesetzt. Ihr setzten seine Eltern diesen lebendigen Leichenstein, ihm die Mutter der Seligen, mit Zuziehung der Kirchhofsobrigkeit.
I c h . Mit bebender Hand.
E r . Kann nicht sagen; was man setzt, muss mit Herz und Hand gesetzt werden, sonst geht's auch so fort. – – Ohne mich kann kein Grab gegraben und kein Baum gepflanzt werden. Auf diesem Acker bin ich, ohne Ruhm zu melden, Gottes Gärtnierer, so wie der Herr Pfarrer sein Diener ist in der Kirche. – Die Mutter der Seligen hatte den Glauben, dass diess