, wie's schien, stellenweise. – Er war eine lebendige Seele worden.
Vater und Mutter, obgleich beide auch bei dieser gelegenheit so taten, als der Hausvater beim heutigen Namenstage, konnten doch eine gewisse Freude von lichterloh brennender goldener Weste nicht bergen, welche sie über diese Augenvertraulichkeit (es war mehr als Augenumgang) verspürten.
Wenn ich den Junker Gottard nicht als einen so jagdgerechten Jäger und einen, der mehr als eine schmucke Trine und schmucke Amalia zu lieben verstünde, gekannt, würde ich ihn stehenden Fusses gewarnt haben; allein jetzt, dachte ich, wird sich alles geben.
Da fand ich ein Glas voll Rosen, zwar ausserhalb der Jahreszeit, wie alles am Hof und in der Stadt ist, doch anziehend. Vier Rosen waren aufgeblüht und eine Knospe. Gott verzeih mir meine schweren Sünden, dass mir in einem Musikzimmer, bei so viel Glanz und Lichtern nur Mine einfiel. – Der gräfliche Todtengräber liebt auch viele Lichter, und man sage, was man will, Lichter (die Menge tut nichts dagegen) haben etwas Melancholisches, etwas von Mondschein bei sich. – Eine heilige! – meine heilige! – mein Schutzgeist – wie in diesem Saal der Eitelkeit? – Wie stimmt Himml und Erde, Seligkeit und Weltfreude! Doch, war es nicht bei einer Rosenknospe, ihrem Ebenbild?
Da war diess Knöspchen unter ihren aufgeblühtern Schwestern. Es schien gerungen zu haben, sich herauszuhelfen, allein vergebens. Bleich, abgezehrt begab es sich in die liebe Geduld; es spürte wohl, dass es nie zum Aufbruch kommen würde. Gott, dachte ich und sah gegen Himmel! Eine Platzträne fiel aus meinem zum Himmel andringenden Auge, das ich über diesen Rosenbusch hielt. – Diese Träne entblätterte die Knospe. – Ob so oder anders. Die Blätter fielen auseinander und ich – – Wer so stirbt, der stirbt wohl.
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Ich ging oder lief wie es kam wieder in die Stunden. Meine Abwesenheit war mir nicht nachteilig – ich half mir selbst nach, und da ich mit dem besten meiner Beigänger oder Beiläufer collationirte, fand ich hier und da eine andere Ader! Auch gut, dachte ich. Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Man muss dass Pfund, das uns der Herr anvertraut hat, nicht ins Schweisstuch vergraben, sondern es anlegen, damit es Früchte bringe zu seiner Zeit.
Mein Vater pflegte zu sagen: alle Philosophie will den Menschen still machen. Erinnerst du dich nicht an schöne Abende, wo sich kein Blättchen am Baume bewegt, wo die ganze natur, wenn ich so sagen soll, beim lieben Gott in der Kirche ist und I h n , nur Ihn anhört und die Sphärenorgel, wo auch ein Lied: Freu dich sehr, o meine Seele, und v e r g i ss a l l ' A n g s t u n d Q u a l gespielt wird; allein wahrlich von anderm Inhalt und wahrlich auch in andrer Melodie als es deine Mutter singt. Wahrlich, die Philosophie will uns in Stille bringen! Es soll sich kein Blättchen an uns bewegen, kein Vergnügen, kein Schmerz soll bis zu unserer Seele eindringen, es sei denn der Schmerz, der Seligkeit wirkt, der Schmerz wegen verletzter Pflicht. Nicht jeder Schmerz ist Traurigkeit; nur alsdann wird er's, wenn er bis zum Gemüte kommt. Nicht jede Ruh' ist Fröhlichkeit; sie wird es nur, wenn wir das Vermögen besitzen, alle Vorfälle unseres Lebens aus dem Gesichtspunkte zu betrachten, der uns auf irgend eine Art an dem unangenehmen Vorfall ein Vergnügen verschafft, eine sonnbeschienene Stelle zeigt. – Wir sind leidend bei Affekten, schickt sich das für uns? Schickt sich passiv zu sein für Männer? Man verachtet jeden Menschen, wenn er in Affekt ist, Weiber weniger, denn sie sind zum Leiden gemacht. Woher die Verachtung? Weil die Menschheit herabgesetzt ist und die Tierheit auf dem Trone sitzt und tyrannisirt. Wohl, recht tyrannisirt. Beim Affekt tritt die dumme Figur ein: Pars pro toto. Der teil ist so gross als das Ganze. Ein teil der Bedürfnisse überwiegt Summa Summarum aller Bedürfnisse. Eine Neigung überwiegt die Sammlung aller Neigungen. Es ist ein Monstrum, ein Mannskopf und Kindsfuss oder umgekehrt. Neigung ist schon Schwachheit; indessen behält sie noch immer eine klarheit, allein im Affekt, wo bist du Sonne geblieben? Der Tag ist schier dahin.
Alle Tiere sind des Vergnügens und Schmerzes, nicht aber der Freude und Traurigkeit fähig; denn diese entstehen nur alsdann, wenn wir von dem Hügel unseres jetzigen Zustandes unsern ganzen Zustand überschauen. So weit reicht das Auge des Tieres nicht, wär's auch ein Elephant. Der Mensch ist Tier, wenn er ergötzt wird, wenn er Schmerz empfindet, kann es ihm wohl verdacht werden? Nur ausserordentlich freudig, ausserordentlich traurig zu sein, ist ihm unanständig.
Der Eifer für des Herrn Haus, der edle Zorn für die Rechte der Weisheit, die Entzückung über das Glück der Menschheit kleiden einen Menschen, weil sie den Menschen dahin leiten, wo kein Affekt mehr sein wird. Diess Reich Gottes (mein Vater nannte Reich Gottes was zwar hinein gehört, allein es eben nicht ist, pars pro toto) wird schon in dieser Welt kommen, kann kommen; allein dort ist's gewiss, darum ewige Ruhe! Die Sünde ist der Menschen Verderben, und das Verderben ist die Quelle aller das