sagt' er, liegt alles auf dem rücken.
Die Jugend ist witzig wegen der Plane, die sie sich macht, um die Frage zu beantworten: Was werden wir essen? was werden wir trinken? womit werden wir uns kleiden? Dem Alter schmeckt das Leben am besten. Je weniger Wein im Keller, desto besser schmeckt er.
Der Tod hat grosse Leute bei Büchern getroffen. Man wollte vielleicht des Todes Bitterkeit mit papierner Unsterblichkeit verjagen. – Vielleicht liegt eine Fassung darin, sich nicht in seinen Cirkeln stören zu lassen. – Ich, sagte der Graf, halt' es für Furchtsamkeit.
Oft dachte der Graf an einen seiner besten Untertanen, der beim Ungewitter unter einen Baum geflohen und hier erschlagen worden. Auch der Baum war zu Boden geschlagen! Da ist ja M i c h e l schon eingesargt, sagte der Graf, als er diesen Fall hörte, und ordnete an, dass dieser Baum zum Sarge gebraucht werden sollte.
Bis zum letzten Seufzer, sagt man. Warum nicht bis zum letzten Lächeln? Weil das Leben ein Jammertal ist; und doch kommt der letzte Augenblick, die letzte Stunde, sehr oft, wie der Geist des Herrn, im sanften Winde. – Da sieht vielleicht die Seele den Engel, der sie aus Sodom führen will. Stehe auf, hebe dein Bett auf, und gehe heim!
Ein b ö s e r s c h n e l l e r Tod ist ein guter Mann, und ein böses Weib.
Der Tod ist nicht Gottes peinliche Halsgerichtsordnung. Gemeinhin sprechen wir uns selbst das Todesurtel. Die Art des Todes gründet sich auf die Art unseres Lebens, wenn diese Todesart nicht schon eine Erbsünde ist. Der stirbt an Zangenrissen, an Stichen; der wird verbrannt und stirbt am hitzigen Fieber; der wird gehangen und stirbt am Schlagfluss. Wir sitzen alle auf den Tod.
Wo die Praxis nicht der Teorie vorgeht, da verdient sie kaum den Namen.
Jeder Schwindsüchtige, der unter meiner Aufsicht gestorben, hat den Wunsch geäussert, einen hohen Sarg zu haben! So sind die Menschen!
Der Graf hielt Ahnungen für Warnungen guter uns verwandter Geister, für Orangenblüten, die wir noch aus dem Paradiese gebracht.
Sein Trost war der Tod! Ich, sagt er, bin nicht für leidige Tröster. Gemeinhin ist der Trost ein beglaubtes zeugnis, dass wir mit leiden. Wir wollen uns überreden, der Tröster nehme einen teil Leiden auf sich. Wir wollen gewiss sein, dass niemand froh und glücklich in der Welt sein könne.
Kunstrichter, die ihr diesen hochgebornen Mann angreifen wollt, lasst ihn, wenn ich bitten darf – und ist es möglich, erlaubt mir die Frage: ob euch vindicta Lycurgi bekannt sei? Ein Studiosus wie ihr, hatte dem Lykurgus ein Fenster eingeschlagen, oder, weil euch vielleicht die Lykurgische geschichte nicht beiwohnen dürfte, es war das Auge selbst, das er ihm ausschlug. Das Criminalgericht beschloss in diesem besonderen Casualvorfalle, den Jüngling dem Lykurgus zur Strafe zu übergeben. Was eröffnete Lykurgus für eine Sentenz? Schickt' er ihn in die Festung, oder ins Irrenhaus? Nein, die Hand, sagt' er zum Augenräuber! Studiosus gab sie, wie natürlich, Sr. Magnificenz mit Zittern und mit Beben, und Lykurgus? gab ihm die seinige und so gingen sie Hand in Hand – in Lykurgus Haus, wo er ihn unterrichtete, nicht, wie arme Sünder, ehe sie hingerichtet werden, den schlachtcalecutschen Hähnen gleich, mit Katechismuslehren gefüttert und gemästet werden, sondern in Lebensregeln, und da der junge Mensch Candidat worden war, stellte er ihn vor das Criminalgericht und fragte dienstlich an: ob sie mit diesem in Rechtskraft übergegangenen Urtel zufrieden wären? Kunstrichter, der Graf bietet dir auch die Hand dar, um dich sterben zu lehren. Bedenke das Ende, so wirst du dem Grafen kein auge ausschlagen.
Gretchen empfing mich so froh, so guttätig, dass wir uns beide hände reichten. Zwar weiss ich es nicht mit vollständiger Gewissheit; indessen kommt es mir so vor, dass wir uns auch herzlich geküsst haben! Ein unschuldiger Kuss! Wär' er wiederholt worden, hätt' ich ihn vielleicht nicht vergessen; alsdann wär er aber auch schon vom verbotenen Baume gewesen.
Auf Gretchens Gesicht lag noch viel Schmerz; indessen waren es bloss Narben, welche nur bei Veränderung des Wetters die vorige Wunde ins Gedächtniss bringen.
Ich fing an mein Haus in L – zu bestellen: ich hatte viel zu bestellen! So gern ich gleich noch bei Minchens Grab geblieben wäre, so wollt' und konnte' ich doch nicht füglich länger weilen. – Ein ganzes Tagewerk war, die Abhandlung von der Sünde wider den heiligen Geist von Anfang bis ans selige Ende zu hören; das Register bloss ausgeschlossen. Der Prediger hielt Komma, Kolon, Semikolon, Ausrufungszeichen (deren viel vorkamen), Fragzeichen, und wie sie weiter lauten, diese himmlischen Zeichen, wie meine Mutter sie benamt. Ich werde mir vorstellen, fuhr der Prediger fort, als ob Sie mein Bruder wären, und nun brach er mit der Zueignungsschrift los, und tat wörtlich so, als ob ich der königliche Rat wäre. Ich wollt' Ihnen, sagt' er beim Anfang der Vorlesung, keinen unbeseelten Odem mitgeben, keinen toten Körper, sondern ihm vielmehr einen lebendigen Odem einblasen und sie Ihnen empatisch vorlesen. Er hielt Wort. Ausdruck, nicht Eindruck, machte diese Abhandlung