. Am neunten Sonntage nach Trinitatis wird von dem ungerechten Haushalter gepredigt, am zehnten von Jerusalems Zerstörung. Der Graf ist nie von seinen Haushaltern betrogen.
Wenn er in die Kirche kommt, wird er mit Geläute eingeholt. So wird's klingen, sagte der Graf, wenn Sie mich werden heimführen a u s d i e s e m E l e n d . Kyrie eleison.
Zu seinen Kirchenabgaben, wozu auch das Predigtamt gehört, hält er seine besondere Sonn- und Festtage. Er berichtigte sie doppelt, nur nicht wenn Quatember rot im Kalender steht, sondern z.B. am sechzehnten Sonntage nach Trinitatis, wo man der witwe Sohn aus Nain trägt; am ersten Sonntage nach Trinitatis, wo vom reichen Mann und armen Lazarus gepredigt wird. Solche Evangelien muss man eindrücklich machen, sagte der Graf.
Am siebenundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis, wo, wie er sagt, die christliche Illumination vorkommt (das Evangelium handelt von den fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen), schenkt der Graf zehn Kirchenlichter, die bei der Communion (nach der Gewohnheit in Preussen) brennen.
An seinem Geburtstage legt' er sich zwei Stunden in seinen Sarg, welcher, wie meinen geneigten Lesern bekannt ist, in der Hauscapelle steht – und zwar im Sterbehemde. Geduld, Standhaftigkeit, sagt' er einstmals zum Der Graf war sehr glücklich im Raten. Er setzte Die Welt, sagte der Graf, ist ein Garten in Norden, Nichts konnte' ihn mehr ärgern, als wenn sich der Der Graf sah entweder gegen Himmel oder auf die
Patengeschenke gab er nicht eher, als bis der Pate zum erstenmal zur Communion ging. Ein schwarzes Kleid war das geweihte Geschenk.
Seine Bücher waren schwarz eingebunden. Silberne Griffe, sagt' er, das heisst: der T i t e l war mit versilberten Buchstaben eingestochen.
Wenn man fällt, besieht man die Stelle, wo man gefallen ist. Der Geist wird sich gewiss von seinem Lebensreisegefährten nicht sogleich trennen. Er wird sehen, wo er gefallen ist. Wer mit den Seinigen noch länger zusammen zu bleiben Luft und Liebe hat, gehe auf die Kirchhöfe, wo sie hingelegt sind. Ich habe den Einfluss der Meinigen lang in meiner Seele empfunden, und noch empfind' ich ihn.
Wenn man erzählt: die und der ist tot, frägt der Hörer: Ist sie? ist er tot? Warum frägt der Hörer also?
Wenn der Graf communicirte, hatte' er einen roten Mantel über das schwarze Kleid. In seinen Tischtüchern, Servietten war Name und Wappen schwarz eingenäht.
Ich kann, sagte der Graf, im dreissigsten und vierzigsten Jahre mit vieler Zuverlässigkeit wissen, ob man siebenzig oder achtzig Jahre alt werden soll. Ein Glücks- oder Unglücksfall ist schuld daran, wenn man es nicht wird.
Melancholische Leute (diese Anmerkung machten wir beide, der Prediger und ich) sind sehr zur Dichtkunst aufgelegt. Vielleicht besteht die Melancholie im Dichten.
Am neuen Jahrstage würde' es schwer sein angemessen zu predigen, wenn nicht die Worte drin vorkämen: d a a c h t T a g e um waren. Also von der Zeit. – O du liebe Zeit! exklamiren einige Leute im Sprüchwort. In der Entfernung ist sonst alles klein, nur die Zeit nicht.
Der Graf setzte einem seiner Paten, der nur sieben Wochen gelebt hatte, selbst eigenhändig die Grabschrift: Aus einem Mutterschooss in den andern.
Der Schlaf war eher in der Welt, als der Tod. Das Vorbild eher, als die Erfüllung.
Auch du wirst sterben, das war des Grafen Condolenz, wenn man wirklich trauerte um einen toten.
Gehst du aus der Welt, wenn du stirbst? Deine Seele entschwebt nur den Dünsten dieser Erde! Ewiger Geist der Liebe weht im Atem der natur; wo der webt, ist Leben!
Was mir der Prediger vom Leichenanzuge im Namen des Grafen sagte, gefiel mir nicht. Ich stimme mit ihm nicht ein. Warum bekleiden wir denn einen nackten Körper selbst im grab? Wollen wir etwa den Würmern etwas zu verbeissen geben, ehe sie an uns kommen? Dem Menschen gefällt nichts, was ein Bedürfniss verrät. Wir sind in Gesellschaft gewohnt, unsere Bedürfnisse zu verhehlen. Wir verehren Leute, die sich mit Wenigem behelfen, wenn nicht Geldgeiz die Wage hält. – Man glaubt, sie sind schon gestorben und auferstanden. Sie sind schon Vollendete.
Wer in einer grossen stube schläft, sagte der Graf, bedenkt nicht, wie klein der Sarg ist.
Von unserem Körper heisst's im tod: Lazarus, unser Freund, schläft, und es wird besser mit ihm!
Wer viel Leib hat, von dem könnte man eben so gut "entleiben" sagen, als nur von dem, der viele Seele hat, "entseelen" gesagt werden sollte.
Es ging alles schwarz beim Grafen. Herr v. W – würde mit seinen Freudenfesten eben so wenig, als mit seiner drei Viertel-, Halb- und Viertel-Trauer, bei ihm Glück gemacht haben. Der Graf kam nicht aus der Verwunderung heraus, dass ich nur einen schwarzen Flor um den Arm trug.
Seine Bettdecken waren alle schwarz.
Es ist ein falsches Mitleid, was die Menschen von den Todtenbetten zurückhält, sagte der Graf. Böhmische Steine, anstatt Diamanten – Glanzgold.
Der Graf liebte viel Lichter. Er schlief gerade auf dem rücken, nie lag er auf einer Seite. Im Sarge,