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vom Auditorio. Dieser spricht von der Mutter Gottes, der Jungfrau Maria, der grundgütigen natur und von guten Werken, predigt viel Gesetz, allein kein Evangelium. Jener ist der Meinung, der Mensch könne sich nicht besser machen, als er ist. Seine Neigungen sind nicht Vorschriften, die er sich selbst gegeben, sondern steinerne Gesetztafeln, die man zwar zerbrechen kann; wer aber, fragen diese guten Herren, wer kann ein Gebot der Neigung ausradiren? Es ist ja ein Stein. D i e s e r ist sinnlich, J e n e r geistig; D i e s e r ein Kopfhänger, J e n e r fröhlich und guter Dinge; D e r zweifelt über alles, auch selbst, dass er zweifelt, D i e s e r tut so grundgelehrt auf seine Worte, dass man wirklich glauben sollte, er wüsste Etwas. Ein Einfall, sagt er, ist ein einziger Fall, den auch ein blosser Witzling haben kann. Mir stehen Principien, das heisst, eine Sammlung aller Fälle zu. – Gut, aber wo sind denn deine Principien, in so weit sie wirklich weise und selig machen? Die Philosophen sind Rätselaufgeber, sie lehren Rätsel und lehren sie rätselhaft. Eine Volksphilosophie müsste so kurz ausfallen, wie Luters kleiner Catechismus. Ist denn die Wahrheit nicht nackt, und wenn einige der Alten für Dunkelheiten waren, mussten sie es nicht wegen der Unvernunft des volkes sein? Jetzt aber, ihr Weisen, da ihr selbst nicht läugnen könnet, Weisheit aus dem Volk und aus dem Volksbuch, aus der Bibel, geschöpft zu haben, warum gebt ihr nicht verständlich wieder, was ihr verständlich empfinget, und was ist's denn, was euch selbst zusteht? Der Christ weiss, an wen er glaubt. Von diesem Glauben des Christen hat der Nichtchrist keine Vorstellung. Es ist ein lebendiger, ein wissender Glaube. Gott sandte uns nicht ein Buch herab, voll Worte und Meinungen, fein sauber geschrieben. Unsere Vorfahren waren Geisterseher, allein wir? wir sahen Christum, den Anfänger und Vollender unsers Glaubens. Hier ist Sache, Tat, Begebenheit, Wahrheit. Er war zwar Mensch, allein Gottmensch; man sah ihn, und wir sehen ihn noch in begebenheiten mancherlei Art; sein Geist blieb bei uns. – Christus liess sich nicht malen, denn da hätte man nur eine Stellung von ihm gehabt, sondern er ward geboren, lebte, lehrte, starb. – Er lehrte durch Taten, er lebte durch Lehren. – Was von seinem Leben geschrieben worden, ist auch Leben. Einfalt ist die Art, womit alles behandelt wird; allein Einfalt ist die ächte Tochter alles Guten, alles wahren, alles Vollkommenen. – Wo ich göttlichen Finger sehe, warum will ich denn da noch meine Hand auch in die Nägelmale legen um sagen zu können: Mein Herr und mein Gott! Empfindest du nicht in jedem deiner Schicksale (o Mensch, gib auf dich Acht!) Gottes Wege? Fühlst du nicht, dass, so wie Gott Einer ist, er dich auch so leite und führe, als ob du der einzige wärest, den er zu leiten und zu führen hätte; und warum willst du denn ein Zeichen am Himmel, um zum Dank, zum Lob, Lob sei Gott! ohn' Ende aufgefordert zu werden? Lasst uns Hand ans Werk legen, und wir werden finden, ob die christliche Lehre von Gott sei, oder ob die Bibel so von ihr selbst rede? Von dem Weltweisen heisst es, wie vom reichen mann: Er starb und ward begraben. Die Herren Recensenten hielten ihm Reden und Predigten, die Dichter fangen, und doch ward er begraben. Vom Christen kann man wie vom Lazarus sagen: Er starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schooss!

Was habt ihr denn für einen Beweis? rufen uns die W e i s e n zu. Verzeiht, ihr Herren, Gott allein ist w e i s e ! Was aber unsern Beweis betrifft, so führen wir ihn menschlich. Unser Beweis ist vernünftige, lautere Milch und Erfahrung.

Wie ist der Mensch auf Gott, Geist und Ewigkeit gekommen, wenn sie nicht wären? Der Mensch ist gross und klein; er zähmt Löwen, verkauft Wallfische und wird von einer Schlange getödtet.

Zweifler! i c h s o l l b e w e i s e n , d a ss e i n G o t t s e y ? Beweise mir erst, dass er nicht ist. Wie kann man Tatsachen beweisen? Wie kann ein Sohn beweisen, dass Dieser oder Jener sein Vater ist?

Es geht in der Welt über und über, und wie könnte das, wenn Gott, der Herr derselben, König w ä r e ? Ei, Lieber, wenn Gott sein Bild dem Menschen anhing, wenn er ihm Verstand und Willen gab, wer hat Schuld an dieser Unordnung?

Jeder Mensch hat so etwas bei sich, was Ja oder Nein bei allen Dingen sagt, sie mögen Wissen oder Tun, Rat oder Tat betreffen. Es gibt so gut ein Verstandes- als ein Willensgewissen. Ist euch das zu hoch? euch zu hoch, die ihr den gang Gottes in der natur, das Kommen einer jeden Pflanze in ihrem sanften Tritt beschleicht? Ihr solltet euer eigenes Erdreich nicht kennen?

Es gibt baare Kenntnisse und Kenntnisse auf Verfalltage. Das Christentum hat von