um in eine andere himmlische wohnung einzuziehen, wie aus der Pacht ins Eigentum. So verwandeln sich vor unsern Augen unzählige Dinge. – Der Geist ist der eigentliche Mensch; dieser Jünger Christi stirbt nicht. Der Pfeil des Todes trifft nur den Leib. Sobald es zum Sterben geht, beruht alles auf der Einbildung derer, so nicht sterben und sterben sehen. Seht ihr denn d e n G e i s t , ihr Händeringer? Er ist in Gottes Hand, und keine Qual rührt ihn an, und warum sollte der Geist um diesen Leib und diess Gebein zittern und zagen? Warum sollte er beim Leichenbegängniss im ersten Paar, wie ein leidtragender Wittwer, gehen. Wie vielmal soll ich den Trost des Christen wiederholen? Auch sein Leib wird nicht untergehen. Pflanze und Tier fordern das zurück, was ihnen zugehört, und was ist denn, was wir ihnen zurückgeben? Ist es nicht Etwas, das uns oft so lästig war? – In der natur ist ein immerwährender Wechsel; allein eine Allwissenheit regiert ihn! Und kommt denn Etwas aus unserem eigentümlichen haus? – Ist die Erde nicht unser Haus? Ob dieses oder jenes Stück von unserem beweglichen Hab und Gut in diesem oder jenem Zimmer steht? Ob unterm Spiegel oder am Kamin? Ob im Saal oder im Nebenzimmer? Und warum sollte ich nicht etwas Abgetragenes gegen etwas Neues hingeben? Eine andere klarheit hat die Sonne, eine andere klarheit hat der Mond. Es wird gesäet verweslich und wird auferstehen unverweslich; es wird gesäet in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit; es wird gesäet in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft; es wird gesäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistiger Leib.
Ist es nun begreiflicher, dass auch der Leib nicht untergehe? Alles, was stirbt, steht auf. nennen wir nicht vielleicht öfters tot, was wir in seiner Entwicklung nicht übersehen? Jene tausendmal tausend Vollendete sehen vielleicht unserer Geburt, unserem Durchdrange durch Tod zum Leben zu und freuen sich, die Taufzeugen bei dem Namen zu sein, der dem Ueberwinder, dem Geprüften, des Heiligsten würdig Befundenen, beigelegt wird.
Geschöpfe, die Gott erkennen, in denen Christus wohnt, können unmöglich auf der ersten Stufe bleiben, auf der Stufe der Kindheit. Dieses Leben ist ein Kinderstand; diese Leiber sind Windeln. Aus Kindern werden Leute. Unsere Seele ist in dieser Welt ein Licht unterm Scheffel. Wir steigen die Stufen, die Jakob im Traume sah, wo die Engel hoch und niedrig standen, und wenn ich gleich nach meinem Abschiede aus dieser Welt ein Engel werde, kann es denn nicht auch hier Klassen der Seligkeit geben. Der Türhüterposten ist hier aber schon eine über alle massen wichtige Herrlichkeit, weil weder Neid noch Eigendünkel mehr ist. In Gottes haus sind viele Wohnungen. Unser Haus ist die Erde; Gottes Haus ist die Welt. Das feste prophetische Wort zeigt uns die andere Welt in Kupferstichen, hie und da illuminirt. Wie kann ein vernünftiger Lehrer anders mit Kindern verfahren? Gastmahl, Paradies, himmlisches Jerusalem, eine schöne Erbschaft, eine Ehrenkrone, ein Siegerkranz, ein Ruhesitz Gottes, eine Festfeier; so wird uns die andere Welt vorgestellt, und wenn wir annehmen, dass wir Gott in seinen Werken näher schauen, dass wir tugendhafter und also auch glücklicher sein werden, was wollen wir denn mehr? Der christliche Himmel besteht in reiner Wahrheit und vollkommener Tugend. Sehen wir gleich hier nur durch einen Spiegel in einen dunkeln Ort, so ist es doch genug zu wissen, dass, wenn gleich unser äusserlicher Mensch verwest, der innerliche jedoch von Tag zu Tage erneuert und stärker wird. Ist denn das nicht Gewährleistung für die andere Welt? Ein ächter Christ ist hier schon im Himmel! Er sieht sich ab- und zunehmen; das Sichtbare, das Zeitliche fällt, das Unsichtbare, das Ewige hebt sich. – Er hat das andere Leben in der Hand – es ist ihm so nahe, als der Leib der Seele. – Warum sollten wir uns bemühen, zu bestimmen, ob aus Steinen Pflanzen, aus Pflanzen Tiere, aus Tieren Menschen, aus Menschen Engel werden? Ob wir in eine Sonne oder in einen Planeten, ob wir in ein Winter- oder Sommerzimmer unseres lieben Gottes dereinst einziehen? Ob wir in unser Sonnensystem oder wo anders hinkommen? Beides, Leben und Tod, ist dem, der alles recht bedenkt, wünschenswert. Gott hat uns in dieser Welt den Weg gebahnt, zu werden, was wir geworden, und in jener wird er, der Herr und Vater über alles, was Kinder heisst im Himmel und auf Erden, uns nicht verlassen!
Diess ist die Zuversicht, die ich durch den habe, der dem tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durchs Evangelium. Wir besitzen des Himmelreichs Schlüssel, zu binden und zu lösen, wo der Philosoph Lücken findet und nicht aus, nicht ein weiss. Ueberhaupt weiss er nichts. Einer ist unter ihnen wider den andern. Der ist ein Plato, der ein Aristoteles, der ein Redner, der ein Sophist. Sophisten sind Taschenspieler und Redner sind Schmeichler. Wahre Weisheit wohnt nicht in geschmückten Gärten von Kunstworten, sondern in dem friedlichen Tale der kindlichen Aufrichtigkeit. – Darum schilt ein Weiser den andern. Sie haben unter sich Katoliken, Protestanten, Muselmänner und Gott weiss, was mehr. Je nachdem jedem der Kopf steht, je nachdem will er es auch