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, so mit ihm aus einem Gesangbuch sangen, in einer Bibel lasen, auch die wie e r . Was trauerst du, arme witwe, um den einzigen Sohn? Mein Meister spricht: w e i n e n i c h t ! Zwar erweckt er nicht mehr einzeln die toten, denn auch die Erweckten sind wieder gestorben, oder was sind sie? Wahrlich, doppelter Tod wäre eine Ungerechtigkeit. witwe, warum die tiefen Tränen? Zwar wird er nicht zu dir kommen, aber du zu ihm. Weine nicht, ruft dir der Herr zu, dessen Herz auf den Grund bewegt war, und auch vor Schmerz, vor Mitleid überging. So können nur trauern, die keine Hoffnungen haben. Ist's nicht gut, dass ein Weltknoten nach dem andern gelöset wird, und dass ihr Bekannte in der Stadt Gottes habt, welches euch gut und wahrlich besser, als ein Freund am hof ist? Die Zeit tröstet den Weisen. Beweise, christliches Weib, dass du auf die Zeit nicht warten darfst und auf die Stunde, wenn es ihr gelegen ist. Die Ewigkeit sei dein Trost, die auf der Stelle lindert, verbindet, heilt! Es gibt ein allgemeines Ziel, spricht Sirach, hundert Jahre; allein diess ist ein apokryphisches Ziel. Moses verkündigt fein canonisch: Unser Leben währet siebzig Jahre, wenn's hoch kommt sind's achtzig, wenn es köstlich gewesen ist's Mühe und Arbeit gewesen, denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Der Christ sucht dieses Ziel nicht zu verrücken, er wälzt den Grabes-Grenzstein nicht weiter, übt sich, indem er den Lüsten und Begierden abstirbt, im Sterben, und was kann ihn scheiden von der Liebe Gottes?

Was braucht aber der Christ von den göttlichen Absichten zu erklügeln? Er weiss, dass der Herr alles wohl mache, und das ist genug.

Wenn andere leben, um nach dem tod einen Leichenstein zu verdienen, auf dem Leben und Taten eingeätzet sind, welchen ein gedungener Haufen Leichenbegleiter für Geld und gute Worte mit feilen Tränen taufte, hat der Christ nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. – Sein Name und Wappen, wenn er sie aushauen lässt, sollen nur bloss, auch nach seinem tod, ein gutes Beispiel stiften.

(Bei dieser Stelle sagte mir der Graf ins Ohr: Wenn ich meine Krone im Wappen sehe, denke ich an die himmlische und an die Perlen, deren auch in der hohen Offenbarung gedacht wird.) Der Mensch ist ein Hieroglyph der ganzen natur; wer es zu erklären und aufzulösen versteht, hat den Schlüssel zur natur. Der Leib gehört hiezu eben so, wie die Seele. Glaubt mir, Freunde, er muss was zu verbeissen haben, wenn die Seele im Fluge ist, und wenn es uns recht gut bekommen soll, muss unsere Mahlzeit geistig gewürzt sein. Den Menschen ganz zu erklären, dazu gehört mehr, als wir diesseits des Grabes vermögen. Der Christ kommt bei dieser Auslegung noch am nächsten. – Er versteht das Menschenhieroglyph, so wie die Kinder ein Buch aus den Bildern. Das Grab hat nur auf die Schlacken Anspruch. Das Feine des Körpers wird auferstehen; das ist eine Wahrheit zum Wärmen, wenn alles an uns kalt wird. Gottes Weisheit handelt überall im Verborgenen: in Gräbern nur wird sie gerechtfertigt. In diess Auge, das im tod verlöscht, wird wieder Licht geschlagen werden. Heilig, selig ist der elektrische Funke, der in diese Finsterniss gesprüht werden wird! Diess Leben ohne den Herrn ist ein Fischzug Petri, der die ganze Nacht arbeitete und nichts fing, und nur, wie er auf seines Meisters Befehl das Netz auswarf, mehr zog, als das Netz halten konnte. Wenn auch beim Christen zuweilen das Netz reisst, was ist's gegen den Segen, der von Fischen gezogen wird? Heil dem Christen! Sein Leib ist im Dienste der Seele, die Seele im Dienste des Geistes, der Geist im Dienste Gottes.

Heil dem Christen, denn er hat über sich einen gnädigen Gott, in sich ein stilles Gewissen, unter sich einen ihn befriedigenden Erdbodenwenn gleich die Aepfelbäume nicht so gut wie im Paradiese fortgehenhinter sich eine glücklich zurückgelegte Bahn, den Trostspruch: Sohn, Tochter, dir sind deine Sünden vergeben, stehe auf und wandle!

Vor sich einen seligen Tod und eine fröhliche Auferstehung, einen Richter, der wohl weiss, wie es einem Menschen zu Mute ist, der auch lebte und starb!

Das verlohnte also wohl, dass Engel der Erde gratulirten: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!

Wollt ihr mehr? O ihr Kleingläubigen? Wohlan, ich will euch die Furcht des Herrn lehren, den eigentlichen Anfang der Weisheit. Lasst uns von den letzten Dingen anheben. Letzt und Erst ist nur, nachdem man es nimmt.

Was du säest, Freund, wird nicht lebendig, es sterbe denn. Ist dein Leib nicht ein blosses Saatkorn, das ausgesäet ist? Ist der Mensch hier mehr, als Fayence, und soll er dort nicht sein ein Gefäss zu Ehren? – Gott weckt alle Frühjahre tote auf, und jeder Augenblick ist eine Auferstehung. In jedem feld sind Schaaren Evangelisten, die uns die Lehre der Wiedergeburt, des Wiederlebens alles Fleisches, das wie Heu ist, verkündigen. Wir ziehen aus diesem leib,