Flut des Bluts, was will sie? Solch ein Seelenschauder, Todesvorschmack, wozu? Es ist wahr, es geht durchaus und durchall; allein ich, hoffe ich, werde's vollenden. Was ist der Tod? Selige Geister unserer Vorfahren, die ihr vor uns waret und mit eben der Neugierde, wie wir, euch nach Nachrichten aus der andern Welt sehntet, sagt uns, gebt uns ein Zeichen: was ist der Tod? hebt euer Incognito, bittet Gott um diese erlaubnis. Wir haben nicht Mosen und die Propheten, die wir hören können; wir wünschten, dass einer von den toten aufstände. O du, mein eben entschlafener Freund, wache auf, der du schläfst, stehe auf von den toten, entdecke mir, wie dir war, wie dir ist, womit du dich beschäftigst. Der Christ ist musikalisch in der andern Welt, der Muselmann wollüstig lüstern, wir sind drüben so einfältig, als man nur einfältig sein kann. Wie? frage ich, nicht: ob? ist meine Frage; doch auch diese Frage und alle meine heiligen Fragstücke sind wilde Reben der Wissbegierde, sind vorschnelle Sprösslinge meiner Einbildungskraft, welche die Vernunft, wo nicht gänzlich wegzuschneiden, so doch zu verkürzen verbunden ist. Freunde, lasst uns in die hände Gottes fallen! Warum sorgt ihr für euer künftiges Schicksal? Gott, euer himmlischer Vater weiss, was ihr bedürfet. Ob Leben oder Tod, ob Tag oder Nacht, sorget nicht. Ist es nicht genug, dass jeder Tag seine eigene Plage habe? Es wird alles gut werden. Leben ist eure Sache, Sterben gleichfalls, was drüber ist, bleibt über euch, Freunde. Was euch nicht angeht, davon lasst euren Vorwitz. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, das ist das Grundgesetz in Gottes Staat, und das andere wird euch von selbst zufallen. Lasst alles gehen, wie Gott will, lasst die vier Winde über euern Staub sich in Anspruch nehmen, lasst die vier Gegenden darum streiten, lasst den eichenen Sarg euer Fleisch an Dauer übertreffen, was kümmern euch solche Kleinigkeiten. Wir, die wir nicht in die Sonne sehen können, wollen Gott sehen; wir, die wir den Mond nicht bespannen können, wollen Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit behügeln und begrenzen, wir, die wir die Fixsterne nicht zu zählen verstehen (Mensch, kannst du sie zählen?), wollen die Ewigkeit messen und eine Schlaguhr für sie meistern!
Wer kennt den morgenden Tag? Und doch will man einen Kalender über Ewigkeiten schreiben? Der Anfang und das Ende dieser Welt sind uns Geheimnisse und wir glauben einen Massstab für die Himmel der Himmel zu besitzen. Hat der Christ einen nähern Weg als wir? Gut für ihn! Unsere Bahn ist die Landstrasse, diese Bahn ist plan und natürlich. Im Glauben kommen wir mit dem Christen überein, als wenn wir unter einem Mutterherzen gelegen hätten, nur sein Glaube hat ein ander Feld, als der werte unsrige. Wir wollen so leben, als könnten wir eine andere Welt sinnlich machen, so fingersinnlich, als dass zweimal zwei vier ist, als wären wir wie die Christen bis in den Himmel entzückt gewesen. Denn fragt euch selbst, Freunde, wenn auch euer Mut an der andern Welt zweifelt, um eure Kunst in Zweifeln zu zeigen; als ob's Kunst zu zweifeln wäre? Was sagt euch euer Herz? – Will ich denn, dass ihr einen Riss von der Stadt Gottes, vom himmlischen Jerusalem entwerfen sollt? Es ist mir genug, wenn ihr nur alle menschenmögliche Wahrscheinlichkeit für die andere Welt findet.
So gut leben, dass, wenn eine andere Welt, schön wie die Sonne, aufgeht, unser Bürgerrecht in derselben gewisser, wie Brief und Siegel ist, das heisst mit andern Worten: der andern Welt würdig sein. – Je besser der Acker, desto mehr Unkraut. – Vorwitz ist unechtes Kind des menschlichen Verstandes, eine Anlage zur Vorschnelligkeit, eine Krankheit des Scharfsinns, ein helles Glöckchen in der Torheitskappe. Wir wollen uns entschliessen, wie einer unserer Vorfahren, zu bekennen, d a ss w i r n i c h t s w i s s e n , dass wir hier und da Wahrscheinlichkeiten haben; allein im Tun komm' uns niemand zuvor. Weder Wagehälse, noch Wageköpfe taugen viel.
Der Ausdruck: seine Seele in Händen tragen, heisst, wenn ihn die Philosophen brauchen, so viel, als gute Gestus machen. Wir wollen uns weniger um das F ü r und W i d e r , diese oder jene Meinung bekümmern, als bereit sein, es komme, was nur wolle, dass Oel in unserer Lampe sei. Gott wird uns richten, nicht nach unserm Wissen, sondern nach unserm Tun, je nachdem wir die Winke befolgt, die uns zum Guten aufforderten, je nachdem wir die Keime gepflegt, die er in uns gepflanzt hat, je nachdem wir nicht, wider unser Gewissen, die Leute mit allerlei Schwindelei der Lehre hinter das Licht geführt. – Weg mit Sophisterei, weg aber auch mit dem Dichterlaub, das höchstens vor dem brennenden Sonnenstrahl und einem Regenschauer sichert. Ein starkzweigiger Stamm soll aus uns werden, der dem auswurzelnden Organ stattlichen Widerstand leistet, dessen zur Erde sich neigende Aeste Wurzel fassen und der ein Abraham, ein Stammvater eines ganzen heiligen Hains wird. – Wissen macht schwach, Tun stärkt, festigt und gründet