Herzog Friedrich Casimir) zugestanden worden. Ich kann nicht sagen, dass mein Vater eine vorzügliche Neigung gegen mein Vaterland hatte; und wenn ich einem Erdbeschreiber hiedurch irgend einen Gefallen zu erzeigen wüsste, was könnt' ich nicht für ein Breites und Langes über die drei Namen Curland, Lettland und Semgallen an ihn endossiren? welches aber alles zu keiner Lobrede auf Curland dienen würde. So viel ist gewiss, dass mein Vater niemals zugeben wollte, dass Curland vom Flusse C h r o n u s herkäme, wodurch die Memel angedeutet würde; obgleich ihm solches sehr wahrscheinlich vorbuchstabirt wurde. Die Curländer, sagte man, wohnten um den Chronus, sie wollten ihr Land von Preussen unterscheiden, und bearbeiteten und drechselten so lange die Buchstaben und Sylben, bis endlich, so wie in der heiligen Schrift, herauskam, was zu suchen war. Es ist viel von G o t t e s W o r t z u s a g e n , sagte mein Vater. Ein guter Freund von C u r l a n d und von m e i n e m V a t e r spielte eine andere Karte aus, "so stammt es von Cur oder Cursemme, welches so viel als ein Land, das an der See liegt, andeutet," allein er gewann sein Spiel nicht. Nichts sagte mein Vater. Der gute Freund fuhr fort: "vom kleinen Könige Curo? von den Curaten oder von den Curiaten? oder" – "Nichts, alles nichts – Es würde nicht verlohnen, diese Fibel über den Namen von Curland weitläuftiger zu machen, und sie wegen Lettland und Semgallen, über welche Namen mein Vater eben so wenig nachgebend war, mit Anhang und Zugabe zu verstärken. Mein Vater hatte, nach dem Ausdrucke eines Weisen des Altertums, zwei vaterland, eines, wo er geboren war, und eines, wo er lebte, eines der natur und eines des Schicksals, und man traf bei ihm, was man gewöhnlich zu treffen pflegt, dass man das Vaterland der Geburt dem andern, oder die Mutter dem Vater vorziehet. Wenn der gute Freund am Ende zum Unwillen überging, wurde mein Vater ein Philosoph. Zum Curländer konnten ihn weder gute noch böse Gerüchte bringen.
So wollen Sie denn, fing der Freund an, nachdem mein Vater mit vieler Gelehrsamkeit die Geburt und Abkunft der Namen Curland, Lettland und Semgallen bestritten hatte, so wollen Sie denn den Herzogtümern Curland und Semgallen die ehrlichen Namen absprechen?
Lieber curischer Freund, antwortete mein Vater, unbiegsam wie der curische Käse, doch auch so dicht und fest wie er. Niemand kommt aus seinem vaterland. Seitdem die neue Welt entdeckt worden, ist sie ein teil von unserm Geburtsorte. Bin ich im Gefängnisse, beim Gastmahl, am hof, in der Stadt, auf dem land, in Mitau, im – – Pastorat, ich bin beständig zu haus. Ein Tor sagt, dass er vertrieben sei, ein Weiser hat nur eine Reise unternommen, wenn er im Exilium ist. Oft ist man in seinem vaterland ein Sklave und im Exilio in Freiheit. Kann man denn mehr als leben und sterben, man sei in R o m oder in T u n i s ! T r i s t i a und B r i e f e aus P o n t o sind Räusche eines Dichters. Ein Weiser kann selbst A c h nur halb aussprechen, wenn er leidet; obschon das Wort nur drittalb Buchstaben, und wenn man ganz ehrlich sein will, kaum eine ordentliche Sylbe im Vermögen hat. Wer sich angewöhnt hat, bloss zu essen was sättiget, und bloss zu trinken was den Durst stillet, findet überall eine offene Tafel. Wo mir wohl ist, da ist mein Vaterland, und der Gerechte ist auch im tod getrost. Wer aus A t h e n ist, weiss nicht, von wannen er kommt, und wohin er fährt. Der Weise ist aus der Welt –"
Auf die Frage: Was für ein Landsmann? antwortet Diogenes für mich: κοσμοπολιτης; die Sonne,
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Freund! ist die Fahne, der wir geschworen haben. Die Erde ist unser aller Mutter. Saure Grütze und Bierkäse, ein paar curische Original-Essen, sind, wie Pfirsichen und Melonen, eine Gabe Gottes. Wer's mit Danksagung empfähet, ist ein Weiser. Auch in Curland gibts Knochen, die Mark haben. Gott ist überall, er, der nicht Lust hat an Cavallerie oder Stärke des Rosses, noch Wohlgefallen an Infanterie und jemandes Beinen, sieht nur auf die, die seinen Namen fürchten und auf seine Güte hoffen. Heute ist ein Land frei und morgen liegt's einem Tyrannen zu Füssen, der seine Hand ins warme Blut des Erstgebornen, eines Verteidigers seines freien Vaterlandes, eintaucht, um das schreckliche Jahr, da die Freiheit unterging, am aristokratischen Altar, am Ratstisch anzuzeichnen. Freund! was meinen Sie, wenn wir je solche Blutzahlen sehen sollten? Lassen Sie alles ruhig im Vaterlands sein; ein Prophet gilt doch nicht, wo er geboren ist. Wie ging's dem A r i s t i d e s , dem E p a m i n o n d a s ? In der Fremde sein, heisst in die Hand Gottes fallen; in seinem vaterland ist man, wenn's hoch kommt, in der Hand der Menschen, gemeinhin in der Hand seiner Feinde