Zwanzig, die euch ein Verschwender von eurem Hundert in seinem Concurs darreichte. – Braucht ihr mehr, um gern zu sterben?
Suche, Freund, ein gut Gewissen zu behalten, beides gegen Gott und den Menschen, und wahrlich, ich sage dir, du wirft selig sterben, auch ruhig, wenn dir das Leben es zulässt; es wird wohl so gut sein. – Ein gut Gewissen ist ein probates, schlafbeförderndes Mittel. Das Gegenwärtige hat seinen unläugbaren Reiz, denn es ist etwas Gewisses. Da aber das unsichere Gegenwärtige kaum der Rede wert ist, was tut denn die Gewissheit dazu? Die Alten brauchten den Tod zur Aufmunterung. Es sollte noch auf allen Grabmälern stehen: Sei getrost, Wanderer, geniesse das Leben, denn es ist kurz! Wer den Tod zuerst als ein hässliches Gerippe vorstellte, war gewiss ein junger Maler, der seine Geliebte verloren hatte. Die Griechen malten ihn als einen Engel, und wahrlich, er ist ein Engel, ein Bote Gottes zur Ablösung. Der Tod ist die grösste Gabe des Höchsten; den Seinen schenkt er den Tod. Jene fromme Mutter, die ihre beiden Söhne, vor einen Wagen gespannt, in den Tempel zogen, bat die Götter, diese fromme Handlung mit der besten Gabe zu lohnen; den Morgen fand man beide im Bette in den Tod eingeschlafen. Tod und Schlaf sind Kinder von zwei Vätern und einer guten Mutter. Ist es nicht gut, dass die Fesseln sich abnutzen und wir endlich aufhören, Rudersklaven zu sein? Der Tod ist der letzte Auftritt in der Reihe der Stufen; wir sind schon bis auf den letzten Tritt tot, ehe wir sterben.
Die Liebe duldet alles, allein sie hofft auch alles. Wie wohl wird uns sein, wenn wir unter dem Lindenschatten des Tages Last und Hitze vergessen und uns von der Arbeit erholen werden; wie wohl, wenn wir von den Ungerechtigkeiten der Welt noch ans Tal Josaphat die Appellation einlegen und sie geltend machen! Was der Tod dir rät, ist wohlgeraten. Der Leichenstein ist der wahre Stein des Weisen. Auch die sehnsucht nach dem ewigen Leben wird befriedigt werden. Unser Heisshunger nach Existenz ist Gottes Hauch – sei getrost. Ja, wenn die Ursachen keine Wirkungen und die Wirkungen keine Folgen hätten, ja, wenn! Ja, wenn das Leben dir nicht so viel Vordersätze darreichte, aus denen du den unläugbaren Schluss zu ziehen im stand wärest von einem unsterblichen Leben, das dort dein sein wird, ja, wenn!
Wir werden leben, wir werden wiederkommen und zum tod sagen: Tod, wo ist dein Stachel? Das Principium des Lebens, ist es nicht die Seele? Der Körper, die Materie, ist tot, und sollte diess Lebensprincipium nicht ohne die Materie besser, gemächlicher, als mit ihr sein und leben können? Was ist Gott, was seine Welt; was sind wir, was das Gewissen in uns, wenn die Zeit Summa Summarum unseres Seins ist? Wer will nicht mehr, als er kann? Wer wünscht nicht, wer hofft nicht? Die Essenz des Lebens ist Wunsch und Hoffnung. Wir ehren jeden Mann, der so wenig Bedürfnisse hat, und halten den Genuss, die ganze Sinnlichkeit für etwas, das unschicklich ist. Unsere Talente selbst, was lässt sich nicht von ihnen erwarten? Was ist nicht schon erfunden, und das Reich der Möglichkeit, wer kennt seine Grenzen? Ich erstaune, wenn ich die geschichte mir über tausend Jahre denke. Sollte uns Gott geschaffen haben, um unserer zu spotten? Monarchen, und auch Salomons unter ihnen, brauchen lustige Räte. Wie? das höchste Wesen sollte Menschen zu solch einer Absicht – oder im Zorn sollte Gott den Menschen gemacht haben, wie einige Gottschänder gewähnt? Und was ist selbst leichter zu denken, dass wir bleiben oder dass wir aufhören werden? Wer ist, der sich nicht nach Unsterblichkeit sehnt? Und diese sehnsucht sollte wie Spreu zerstreut werden? Die meisten unserer Brüder sterben gemeinhin in Fragezeichen, einige in Verwunderungszeichen, viele in Komma; wer stirbt im Punktum? Und sollte der Mensch seinem Oberherrn trotzen können, sollte er, wenn es ihn gut dünkt, in der Welt Brand stiften, alle Kinder, die jährig und drunter sind, in Betlehem morden lassen und sodann flüchtigen Fuss setzen können, ohne dass ihm Steckbriefe nachgesandt werden können, ohne dass er einzuholen und zu bestrafen ist? Ist Tugend und Laster ein und dasselbe Ding, und soll die Tat im Stillen, die Gott nachahmt, unerkannt und unbelohnt bleiben? Wo dann die Bewegungsgründe zu diesen göttlichen Taten? Und wann würde ich aufhören zu fragen, wenn der Tod ewiger Tod, ewige Verdammniss zur Vernichtung wäre? Zwar, wenn wir erwägen, wie der Mensch auf die Welt kommt, sieht es doch fast so aus, als ob man Menschen säen könnte. Wie der Hausvater sich Federvieh schafft, so der Monarch Untertanen; jener legt Eier unter die Henne, dieser schliesst seine Wolken auf, lässt Freiheit und Ueberfluss in seinen Staaten regnen, und siehe da, es wird! Ist aber dieser gang der natur, so unbedeutend er anscheinet, nicht eben darum göttlich? Der Mensch kann alles und kann nichts. Die natur sängt im Kleinen an, allein wie weit ins Grosse geht sie! sie springt nicht, sie geht mit bedächtigem Schritte. Was sind wir, wenn wir auf die Welt kommen, und was, wenn wir hinausgehen, und