1778_Hippel_037_296.txt

's nicht, das ist nicht feil in der Welt, du allein haft es zu verkaufen. bleibe im land. Fasse in deinen eigenen Busen. Nähre dich redlich. Sieh, deinem leiblichen Bruder wird die Zeit lang. Der Tor, sagst du, ohne zu bedenken, dass jener es in der Schlafmütze und du in Reisekleidern bist. – Die meisten Menschen sehen ein, dass sie sich ums Leben betrügen, drum setzt sich jeder sein Ziel. Wenn ich dahin komme, will ich Halt machen! Allein, du Kornjude, heute wird man deine Seele von dir fordern und wer wird das Korn mahlen, das du aufgemessen hast? Er ist in der Lehre geblieben, sagt man von einem Menschen, der als Hauptmann stirbt und Feldherr werden sollte. Sind wir nicht alle nur Hauptleute, wenn gleich nicht von Capernaum? Wie kannst du mit deinem Leben so schalten? wie einen geliehenen Ring verschenken? Dem staat, das heisst, dem fürstlichen Schatz und deinem grünen Netze von Beutel, die Erstlinge geben und Spreu für dich behalten? Kann man denn, wenn man alt ist, wieder in Mutterleib gehen und geboren werden? Jeder Tag beim Menschen könnte ein Ganzes sein, ein Leben in compendio. Wer nie solche ganz ausgeschlagene Tage, solche Lebenstage gehabt, ist ein elender Mensch; wer wird ihn erlösen von dem leib dieses Todes? Wir legen uns unter drei und vier Schlösser. Die Perlen für die Säue, die Diamanten in ein Kästchen. Du lebst kurz, Mensch; allein ist ein kleiner Mensch nicht ein ganzer Mensch? Wer an die Weisheit kommt, hat seinen Lauf vollendet; wer tugendhaft ist, ist alt, ohne graue Haare. Unser Leben währt siebenzig Jahre; wenn's hoch kommt, sind's achzig Jahre; der Tugendhafte lebt drüber. Ein Tag ist bei Gott tausend Jahr und beim klugen Menschen wenigstens ein monat; je klüger, desto zeitsparsamer. Zwischen Pflanzen-, Tierund Menschenleben, welch ein Unterschied! Dieser hat sein ganzes Leben verspielt, jener hat zwölf Procent in gutem, gangbarem, kassenmässigem und auf keinem Abschlage stehendem Gelde gezogen; der hat den H o m e r gelesen, dieser da weiss die Kometen auf Secunden zu berechnen, die Gottlob! mit der Erde jetzt gute Freunde sind und so freundlich zu uns kommen, als kämen sie zum Gevatterstande. Nur wenige haben zu dieser ihrer Zeit bedacht, was zu ihrem Frieden dient, und sich die fragen woher? und wohin? aufgeworfen. Das Leben ist eine geschichte, wobei man nicht nach der Länge, sondern nur frägt: wie sie ausgefallen? Wie lange wir leben, steht nicht in unsern Kräften, wohl aber, ob wir gut leben. Mensch, klage nicht über Lebenskürze, schicke dich in die Zeit, mache Pläne über deine Tage, und wenn du dein Leben zu Ende gelebt hast, wahrlich, so kannst du ruhig sterben. Und warum wünschest du denn länger zu leben? Sei weise, das heisst, halte deine Zeit fest; ist sie indess mehr als eine ungetreue Schöne? Sie drückt dir die Hand und lächelt dem Nachbar zu. Der Tod nimmt von jeder Minute die Hälfte, von jedem Atemzug zieht er seinen teil; wir werden jeden Augenblick schwächer. Jede Minute geht ein teil von dir; diesen Augenblick, sieh, wie das Leben in einem tiefen Seufzer davon geht! Greifst du nach, was ist's? Schatten, weiter nichts. Der grösste Lebensschoner kommt hier nicht ungeschlagen davon. Der Genuss, wie schmeckt er? hast du ihn schon gekostet? Zum wahren, innerlichen Zeugen, dass es mit diesem Leben nicht aus sein könne, ist noch etwas da, das auf die Zunge beisst, das sie kitzelt und das wirklich Geschmack hat: die Hoffnung; und die sollte zu Schanden werden lassen? Glücksgüter sind Zeitverlust, je weniger wir besitzen, desto mehr Zeit haben wir. Jener Weise lachte, und jener Weise weinte; das beste ist, weder lachen noch weinen, den Richtsteig halten und mit ernster Heiterkeit wandeln. Gern leben und gern sterben, heisst: Gott gefallen, denn unser Leben und Tod ist in seiner Hand. Wer nichts mehr zu hoffen hat, stirbt gern, und es käm' auf die probe an, dass uns der Arzt allen Hoffnungsfaden abschnitte, vielleicht würden wir leichter sterben als jetzt, wo sich alles unserer Lebensart oder Lebensgrille bequemt und uns mit Hoffnungen schmeichelt. Wer hat Lust, die probe auszuhalten? Die ärzte machen feig; wenn sie nichts täten, als Todesurteile publiciren: du stirbst, d u , auch d u , auch d u , wir würden Helden haben, in jedem Flecken mehr, als Tage im Jahre. Ein Blindgeborner denkt noch sehend zu werden, und welch ein Unglücklicher hofft nicht auf Glück? Wir bringen eine richtige Summe heraus, der Fehler steckt nur in der Rubrik dieses und jenes Lebens; so was allgemeines ist von Gottes Finger in uns hineingeschrieben, wir verstehen nur diese göttliche Schrift nicht recht zu lesen. Ist es ein so gross Wunder über Wunder, dass sich die andächtigen Zuhörer das Leben nahmen, da Hegesias die Mühseligkeiten dieses Lebens beschrieb? Die Freude des Lebens, ist sie mehr, als leidlicher Schmerz, als weinerliche Luft? Wir begrüssen die Welt mit Tränen, und wahrlich: lachen, du bist toll! H e g e s i a s , du hattest halbe Arbeit