nach Stand und Würden höchst und hochzuehrenden Zuhörer zielen? Freilich, erwiderte der Graf, wo Feuer ist, da raucht es auch. Meine Prediger, fuhr er fort, hab' ich so ziemlich ins Geleise bei Leichenpredigten gebracht, indessen raucht es doch noch. Conferatur: S i e h e , ich komme bald, behalte was du hast, dass niemand deine Krone n e h m e . Da war noch viel zu sagen, und doch war es aus dem Herzen. Wenn er aber empfängt, wenn er concipirt, o dann beisst der Rauch in die Augen! Willst du denn was Besseres sagen, als du kannst? Das war eine weise Lehre eines weisen Mannes, die er einem Jünglinge gab, der sich über den Eingang seiner Rede den Kopf zerbrach. Ein Redner, sagte m e i n V a t e r , ist ein Mann, der mehr von einer Sache sagen will, als er von ihr weiss; ein Avantürier, der sich über seinen Stand kleidet, ein Petitmaitre, der zum verschimmelten Brod frische Butter gibt. – Er machte einen Unterschied zwischen Redner und Prediger. Mit Feierlichkeit von einer Sache sprechen, nannt' er predigen, und in diesem Sinn war er Prediger überall. Aber die Redner, sie machen einen grossen Schuh auf einen kleinen Fuss. Schuster nicht übern Leisten, sagte der Maler zum Recensenten, der sich, wie gewöhnlich, mehr herausnahm und herausliess, als er verstand. Dem Redner könnte man zurufen: Redner, nicht übern Fuss! – – D u r c h R e d e n s i n d mehr Länder erobert, Festungen e i n g e n o m m e n , a l s d u r c h W a f f e n ; allein wie gewonnen, so zerronnen, würde meine Mutter sagen.
Der Graf teilte mir sein System über die Leichenandachten, wie er sie nannte, mit. Die Worte: Leichenpredigt und Leichenrede, gefielen ihm nicht. Bei den Aegyptern konnte man nicht alle toten ohne Unterschied loben, es musste per judicata feststehen; der Todtenfiscus trat auf und ward gehört. Man erkannte auf Beweis salva reprobatione, und ehrliches Begräbniss und Leichenpredigt hing von diesem Urteil ab. Der König hatte vor dem geringsten seiner Kammerlakaien keinen Vorzug; im Leben sah man ihn durch die Finger an, um den Staat zu schonen, nach seinem tod, fiat citatio. Er so gut Staub, Erd' und Asche als ein anderer, und warum jetzt eine andere Procedur? Wie oft würde' es jetzt von bepredigten und beredeten Leichen heissen: Lasst die toten die toten begraben. –
Ich höre gern Leichenpredigten, setzte der Graf hinzu; allein in meinem Sinne sind es nicht Leichenpredigten, wenn es nämlich nicht Lügenpredigten sein sollen. (O wenn meine Mutter doch diesen letzten Gedanken von Lügen- und Leichenpredigten gehört hätte!) Kupfernes Geld, kupferne Seelmessen, fuhr der Graf fort. Weh' über diese Aergernisse! Da heisst es denn: E r h a t t e n i c h t s M e n s c h l i c h e s a n s i c h , a l s d a ss e r s t a r b , oder wie von jener Madam: S i e b e t r ü b t e i h r e n Herrn nur ein einzigmal, nämlich d a s i e s t a r b ! Wer ist da mehr tot, fragte der Graf, die Leiche oder der Redner? Rauch über Rauch! Etwas Rauch schadet nicht. Opferrauch, fiel ich ein, Blumenrauch, der gegen Himmel steigt, wenn es hübsch warm ist. Und das ist eine inwendige Wärme, die alles Lebendige hat; Kälte ist Tod, Wärme Leben, innerliche Hitze ist Krankheit oder Anfang dazu. Wer anstecken will, muss selbst feurig sein. Ein Redner will sein Auditorium anstecken, mitin muss er im Feuer sein. Ein Brand raucht zu sehr; allein eine durch und durch glühende Kohle, das ist das Bild eines Redners! – Da war es ausgeläutet. Wir waren feuerempfänglich, das heisst: warm. Noch einen Klöppelanschlag. Vom g o t t g l ä u b i g e n zum w a h r e n C h r i s t e n ist es kaum ein Sabbaterweg weit, hab' ich sehr viele Leute (versteht sich, christliche) sagen gehört.
Plato würde zuverlässig Superintendent geworden sein, wenn er das Glück gehabt, in christlichen zeiten geboren zu werden, und Sokrates irgendwo Rector an einer Domschule.
Der Graf sagte zu mir: Freund, v o n u n t e n a u f . Ein feiner Knabe; Oelzweige um sein Haupt – freie Stellung. Nichts, auch kein paar Handschuh in den Händen; allein um ihn ein weisses, weites Gewand, bald hätt' ich's Chorhemde genannt, wenn ich hier ein christliches Wort fliegen lassen könnte.
Das Jahr hat Monate, der monat Wochen, die Woche Tage, der Tag Tageszeiten; Morgen und Abend ist überall. Was Anfang hat, muss sich auch enden; der Mensch wird geboren und stirbt, beides, wenn sein Stündlein vorhanden ist; er wächst hin und zurück, er sinkt, wird hinfällig mit dem ersten Tage, da er zu wachsen aufhörte. Seht die Tage, wie sie abund