liebe Todfeindschaft. Wohlbedächtig verschwieg der Herr Ehekläger die Ohr –, die er vor der Ehe aus guter Hand erhalten, allein er erwähnte, wie oft er notgedrungen gewesen, Hand an sein Weib zu legen und sie sich von Leib und Seele zu halten, wenn sie als eine Furie Feuer gespien. – Er hatte wirklich, unfehlbar dem Beirat des Klägers, Richters und Henkers zur gehorsamsten Folge, ihr das erste Liebesband, die Ohrfeige, mit vielen wucherlichen Zinsen erstattet. Die Sentenz war in den besten Händen. Der schielende Bube setzte sich auf den Richtstuhl an der Stätte, die da heisst Hochpflaster, ja wohl Hochpflaster, auf hebräisch aber Gabbata. Sie wurden geschieden, und da es keiner Auseinandersetzung sowohl wegen Kinder als Vermögens bedurfte, weil nichts von beidem da war, so wurden der Beklagten in der Sentenz ihre Bosheiten und Herzenstücke aufs nachdrücklichste verwiesen und sie zwar für diesesmal und, wie es hiess, vorzüglich um den Namen ihres gewesenen Mannes zu schonen, von einer öffentlichen Gefängnissstrafe befreit, indessen fürs künftige angewiesen, sich eines christlichen, eingezogenen Lebenswandels zu befleissigen. – – O du sanftes Kopfkissen im Sterben! – S o l l i c h a p p e l l i r e n ? fragte der Advokat, und eine Träne fiel ihm auf die Abschrift, die er in Händen hielt. (Er war nur im ersten Jahr in der Praxis.) Nein, sagte sie, Sie nicht, ich werde appelliren, ich, und sah gegen Himmel. Wenn der arme Schelm von Advokaten doch ein anderes Handwerk gewählt hätte! Ich habe nichts, sagte die Curländerin, was ich Ihnen anbieten kann, als hier diese Bibel von meinem Vater (sie hatte silberne Clausuren –). Wäre sie nicht in Silber, wie willkommen sollte sie mir aus Ihren Händen sein, erwiderte der Advokat. Nun hatte die Curländerin nichts, was einen Rückblick nach Sodom veranlassen können, wenn sie auch Madam Lot gewesen wäre. Sie war sicher, dass sie keine Salzsäule werden würde. Der Weg nach der heiligen Geistgasse, den sie dreimal auf- und abging, war ihr letzter in Königsberg. Sie weinte bei diesem Auf- und Abgang dankbare Tränen, die besten, die man weinen kann, und nun? wohin Gott wollte! M i n e ging in ein Land, das Gott ihr zeigen würde. – Die C u r l ä n d e r i n hatte, wie sie sagte, zum Glück etwas aus dem guttätigen Wörterbuch gelernt und wollte mit ihrer Wissenschaft wuchern. Nicht auf die Saat, sondern aufs Gedeihen kommt's an. Ich für mein teil, sagte der Graf, würde meine Kinder eher von Ihnen als von einer Französin, die nur eben geraden Weges von Paris kommt, im Französischen unterrichten lassen, wenn ich Kinder hätte, fügte er nach einer Weile hinzu, und das so gerührt, dass – Er selbst weinte nicht. Indessen war der Geist bei unserer Curländerin willig, das Fleisch aber schwach; sie erreichte mit genauer Not ein Wirtshaus, wo man sich bloss des Lagers wegen das letzte Bischen Sachen zueignete, das sie mittrug. Man nahm sogar ein Bündel französischer Vocabeln, die sie sich als ein Viaticum ausgeschrieben hatte, weil sie in Goldpapier genäht waren, in Zahlung. Die Sentenzen und andere Papiere ohne Goldpapier liess man ihr. O die Unglückliche! Sie verlor mit den Vocabeln auch die Herzhaftigkeit, in der Sprache Unterricht zu geben. Hand an sich zu legen, wer kann das? Die Hungersnot, dachte ich, wird ohne dein Zutun dich erlösen, und ärgerte mich, dass mich nicht hungerte. – Solch ein Hungerswunsch ist das schrecklichste, was man sich denken kann. Die Todesfurcht ist natürlich, und mich dünkt, man sei immer übler dran, wenn man den Tod wünscht als wenn man ihn fürchtet. Da traf sie einen Menschen, der nicht Oel, nicht Wein in ihre Wunden goss, sondern sie zum Grafen brachte, und da der Graf auf eine Kleinigkeit zur Erkenntlichkeit es nicht ansah, wenn die Todescandidaten, wie er sich auszudrücken pflegte, des Sterbens wert waren, so machte dieser Priester und Levite (ein Samariter war er nicht) keine unrichtige Speculation. Nun sind wir an Ort und Stelle.
Das war in kurzem der Lebenslauf der Antagonistin meiner Mutter. Ich konnte dem Grafen noch verschiedene Auskünfte zu diesen Erzählungen zureichen, und das war ihm ein Fund, den er zu schätzen wusste. Die Curländerin bat mich, nach Curland zu schreiben, wenn sie gestorben sein würde.
Gott kann Ihnen helfen, fiel ich ein.
Durch Tod oder Leben! fuhr der Graf fort; denn wenn er gleich keinem die Sterbestunde anzeigte, so war er doch sehr entfernt, bei seinen Patienten den Worten Tod und Grab auszuweichen. Man muss, wenn man frisch, gesund und stark ist, auf Tod und Leben gefasst sein, fuhr er fort, und wenn man krank darnieder liegt, allein auf den Tod. Wenn die alten hochadelichen Häuser die schon gestorbene, verschiedene Hand der Curländerin jetzt gesehen, die sie ihr zu einer Zeit rund abvotirten, obgleich andere mehr bewanderte hochadeliche Herrschaften sie ihr gnädigst liessen, wahrlich, sie hätten ihr Urteil revocirt. Mit den Urteilen!
Die arme Unglückliche konnte' ihr Gesicht nicht von mir wenden. Gewiss, sagte der Graf zu mir, ist sie Ihrem Vater, dem Sie sehr ähnlich sein müssen, guter gewesen,