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hätte es wohl unsere Curländerin sehen können? Verliebte haben mit guten Seelen eine gewisse denkart gemein; jene lieben alles, diese halten alles für ihres Gleichen. Die Geschenke, womit die Base der Notleidenden auf eine so gute Art zuvorkam, machten sie blind, wie doch Geschenke sogar die Weisen blind machen und die Sachen der Gerechten verkehren. Der Knoten war geschürzt, und der Buhler fand sich eines Tages bei Frau Basen ein, und von stunde' an, so oft die Curländerin zur Base ging. In geraumer Zeit sah sie das Netz nicht, das zu ihrem Fang ausgebreitet war. Einst aber küsste dieser Buhler die Kinder der Curländerin so verliebt, dass die Wangen der Mutter aus Scham glühten. Vielleicht wär' es ihr weniger bedenklich vorgekommen, wenn er nicht noch obenein die Kinder diessmal, da er küsste, so reichlich beschenkt hätte, dass die Curländerin ganz deutlich sah, worauf es herausging. Die Sache kam dem fünften Akt immer näher, und Frau Base deckte jetzt so wenig ihre schwarzen Flecken, dass sie über und über kohlschwarz erschien. Sie brachte, um recht ordentlich und bedächtig zu Werke zu schreiten, ein Pakt in Vorschlag. Die Curländerin, die ihr Herz ehemals in ihren Händen getragen, schloss und verriegelte es jetzt, brach mit Frau Basen, sandte die Geschenke zurück, welche die Kinder erhalten. Die mit buhlerischen Küssen befleckten Kinder wusch die Mutter mit frischem wasser aus dem Brunnen vor ihrem Fenster. Die Kleinen weinten über ihren Verlust, allein ihre Mutter tröstete sie mit süssen Worten. Das arme Weib wusste nicht, was man vorhatte. Man drohte, da Bitte nicht helfen wollte. Es enträtselte sich, dass Frau Base nur die Geschenke spedirt hätte, die jetzt zurückgefordert wurden. In welcher Seelennot sah sich die Curländerin. Sie rang die hände, entdeckte sich ihrem mann, der zum erstenmal im Jahr (es war im November) lachte; allein er lachte so, dass noch nie so schrecklich gelacht ist, seitdem der Teufel lachte, da Adam und Eva so dummköpfig fielen. Der Satan war lichterloh in ihn gefahren. Sie sprach Leute an, allein vergebens. Sie hatte von einem r e i c h e n M a n n e gehört, von dem man sagte, dass er zuweilen einen guten Augenblick hätte. Sie ging, fand ihn beschäftigt; er nahm sich Zeit, sie anzuhören. Sie musste ihm ihre ganze geschichte erzählen. Da sie am Ende war, fragte er sie mit einer Gelassenheit, die mit dem lachen ihres Mannes sehr nahe verwandt war, ob sie hypotekarische Sicherheit hätte? Nein, antwortete sie. Nun, jede Not findet ihren Trost, fuhr der reiche Mann fort, so werden Sie einen Biedermann finden, der Bürgschaft für Sie leistet. Die Curländerin bat ihn, dieser Biedermann selbst zu werden; allein er erklärte ihr nach Rechtsgrundsätzen, wie er bei sich selbst nicht Bürge sehen könnte. Ich führte die grosse Bürgschaft an, sagte die Curländerin, die Gott sich selbst geleistet hatteallein er meinte, diese Sache wäre zu heilig, um sie auf irdisches Geld und Gut zu deuten. – Schliesslich gab er ihr das Geleite bis zur letzten Stufe und befahl sie Gott. Eben dachte' ich, fuhr die Curländerin fort, wenn Gott die Menschen auch nach Hypotek fragen, wenn er mit ihnen verfahren sollte, wie sie unter sichals ich ohnmächtig hinsank, und noch jetzt nicht weiss, wie ich in ein Haus in der h e i l i g e n G e i s t s t r a ss e gebracht worden. Sie fand sich, da sie erwachte, in den Händen einer alten Frau und eines jungen Mannes. Diess brachte sie zum Schrei, denn sie stellte sich die Base und ihren Vetter vor; allein sie erfuhr, dass es Schwiegermutter und Schwiegersohn waren. Sie war in ihrer Erzählung noch nicht bei der Hypotek, als diese Mutter und Sohn sich ansahen und den blick schnell abbrachen. Ein blick, sagte die Curländerin, der mir wie ein Sonnenstrahl tief in die Seele schien. – Die Tochter der Alten, die Güte selbst. – Die guten Leute liessen die Kinder der Curländerin holen und gaben ihnen zwei Tage zu essen und zwei Nächte Betten zu schlafen. Dieser Schlaf war mir ein Vorschmack des Todesschlafs, so süss, sagte die Curländerin. Nun kam sie in ihr häusliches Elend, allein sie fand ihren Mann nicht mehr; sein Auszug hatte keine Stunde erfordert. Ein jämmerliches Bett, mehr war nichts nehmenswert, und eben diess fehlende Bett zeigte seine Entfernung an. Sie warf sich auf die wüste Stätte, wo sein Bett gestanden, nieder und wollte beten, da ihre Tür aufging und eine weibliche Gestalt erschien. So trug der Engel dem Elisa Essen, wie diese Gestalt ein im weissen Tuche verknüpftesWer? Wie? Wo? Weg war die Trägerin. Die Beterin lösete auf, fand das Geld für den Bösewicht und noch darüber. – Da blinkerte der blick vor ihren Augen, der ihr in der heiligen Geiststrasse in die Seele strahlte. – Diesen Abend dankte sie Gott, den folgenden wollte sie ihren Errettern in der heiligen Geiststrasse danken, allein sie fand niemand im haus. Die Nachbarn versicherten, dass die gewesenen Einwohner über Land gezogen, wohin, wüssten sie nicht. Sie haben's im Himmel zu gut, liebe Freundin. (Bald hätte der Graf Schwester gesagt, das war