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Sünder,

Und, wenn zu Haus es wohl gedeiht,

Ein ganzes Häuflein Kinder!

Wie aber Sie? – Halt! us hat e

Achtbarer Herr Präposite

Zu Mosen und Propheten?1

Und bei der zeiten Ach und Weh

Zu Pauken und Trompeten?

* * *

Ein Jüngferchen wird gnäd'ge Frau;

Des Pastors Trinchen kommt zum V.

Auf ungebahntem Wege.

O Wunderworte! braun und blau,

Schlag über alle Schläge!

* * *

Ist Ende gut, ist alles gut!

Das neue Paar zieht wohlgemut

Mit Bibel und mit Degen.

Der Herr Gemahl hat adlich Blut,

Und Sie des Vaters Segen.

O des Hermanns und seiner andern Hand! Meine Mutter, wie wir alle wissen, war keine Freundin ihrer Nebenbuhlerin, und alle Reimlein fein waren ihr ein süsser Geruch. Was würde sie indessen zu diesem Auswuchs gesagt haben? "So wie Christus der Herr unter Mörder kam, so auch oft die Dichtkunst, diese edle Gabe Gottes. Die Sonne geht auf über Fromme und Gottlose, und der Regen fällt über Gerechte und Ungerechte." Sie nannte sonst die Poesie etwas, was der liebe Gott seinen Lieblingen in die Hand stecke, ohne dass es andere merken. – Was kann der Geber dafür, setzte sie aber hinzu, wenn der Schlingel in der nächsten Schenke seine Gabe versäuft? – Doch von allem dem ist schon sonst gepredigt worden.

Hermann – – warum vorderhand von ihm auch nur ein einziges Wort?

Der Ritter erhielt vom Pastor L – so viel als das Haus vermochte. Ein Schelm gibt mehr als er hat. Der Pastor L – tat sich wehe seines hochwohlgebornen Schwiegersohns halber, seine andere Tochter litt Not dabei; sie starb im Hospital. Unser Ritter hatte nie gelegenheit gehabt, Debet und Credit in seiner eigenen Angelegenheit abzuschliessen, indessen verstand er doch zu übersehen, dass die Mitgabe nicht hochadelich zugeschnitten wäre. Er entschloss sich also zum Incognito, wo es, wenn nur eine reiche Weste hervorsticht, aufs Kleid nicht ankommt. Der Ritter beschonte seinen adelichen Namen und legte sich wohlbedächtig einen unadelichen bei. Das junge Paar lebt' also in bürgerlichen Ueberkleidern in – – einem preussischen Städtchen, und verzehrte bei einer friedlichen Ehe alles, was es hatte. Die Ritterin fand Ursache, ihren Gemahl für ein gut Spiel in der Hand zu halten, wobei es zwar noch immer auf den Spieler ankommt; da sie indessen des Dafürhaltens war, dass sie sich schon in die Zeit zu schicken im stand sein würde, so lebte sie sorgenlos froh, das heisst seliglich. – In dieser glücklichen Periode hatte sie keine Kinder. Die Anzeige, dass ihr Vorrat zum Ende ginge, bracht' ein Nordwind zuwege, der lange anhielt, wie die Nordwinde gewöhnlich zu tun pflegen. Was war zu tun? Unser Ehepaar entschloss sich zur Hauptstadt, und nach mancherlei Hin- und Her- und Ueberlegen wollte der Ritter französischer Sprach- oder Tanz- oder Fechtmeister werden, obgleich er sich schliesslich als Sprach- und Tanzmeister bei der Universität Königsberg für Geld und gute Worte eintragen liess. Es waren ihm Kleinigkeiten, dass er so wenig tanzen konnte als parliren. Im Fechten war er zwar in naturalibus; indessen hätt' er doch eher als Fechtmeister als wie ein andrer Meister die Zunft gewinnen können. Er war indessen wegen einer natürlichen Herzlosigkeit auf diese edle Kunst gar nicht fundirt. Der Teufel, glaubt' er, könnte sein Spiel haben, wie er's oft hat. – Da unser Krippenritter ein Mann war, der sich in allem, selbst bei einer Ohrfeige, wie uns bekannt ist, zu finden wusste, so half er sich aus und brachte es dahin, dass er in beiden schönen Wissenschaften, denen er den Eid der Treue abgelegt, das Gewöhnliche leistete. Vom Französischen haben meine Leser am Wörtchen rendez-vous eine probe, das er sogar auf seine Frau fortgepflanzt hatte.

Unser Meister zweier brodgebenden Künste hatte ein Gedächtniss, das er auf curische Manier ein Pferdsgedächtniss hiess, und was brauchte er mehr, als ein Lexikon, wozu er in kurzem Rat schaffte. Nun war er fürs Haus ausstaffirt. Die Kunst verrät den Meister nicht. Er hatte gelehrt und gelernt, den Acker cultivirt und sogleich Samen auf den Boden gestreut. Doppelte Schnur reisst nicht. Diese Metode erforderte Fleiss und Häuslichkeit, und das ist der Grund und Boden einer glücklichen Ehe, worüber unsere Ritterin, nachdem sich der Nord gelegt hatte, nicht klagen konnte. "Jetzt, da ich weniger Brod hatte, erhielt ich mehr Zähne und mehr Magen. Ich schenkte meinem mann einen Sohn und eine Tochter." Unser Meister musste bei seinem sauren Wein der Sprach- und Tanzkunst verschiedene Kränze aushängen. Er zog die studirende Jugend mit Rat und Tat an sich. Die Tat bestand in Cautionen, die er für seine Leute, vom Professor an bis zur Wäscherin, einlegte. Man nahm ihn überall, seiner Frau und Kindes halber, als Bürgen an. Der Hauptkranz, den er aushing, war sein Incognito. Er zeigte zuweilen den Schimmer seiner Weste und bedeckte sogleich wieder diesen Sonnenglanz durch die Verfinsterung seines Bürgerrocks. Man wird selten einen Sprach- und Tanzmeister finden, der nicht Menschenblut auf sich sitzen hat, und so hatte auch unser Sprach- und Tanzmeister e i n e n Gewissen im Duell erstochen, um mit Blut seine Frau zu lösen. Für einen Mann, der Sprach- und Tanzmeister zusammen in einer person war,