, vor dem Baum der erkenntnis Gutes und Böses, als eine rechtskräftige Sentenz erschallen hört, geht in den ganzen Körper über, in die ewigen Elemente desselben, wie ein Blitz oder Sonnenstrahl, nach dem es k o m m oder g e h heisst und bleibt.
Wenn ich, sagte der Graf, dessen Einbildungskraft im Adlerfluge war, den Augenblick hinmalen lassen könnte, wenn ein Mensch stirbt, was würde' ich drum geben! Diesen Augenblick zu observiren, kostet Mühe und Erfahrung, und doch glaube' ich am Ende, hab' ich nur fünf im eigentlichsten Sinne sterben gesehen; ich hoff's zu sieben zu bringen. Ein heftiger Ruck – bei allen Fünfen; bei einem unter den Fünfen war der Tod ein wirklicher Einschlaf. Diese Fünfe hängen wir, nicht wahr, etwas zu sehr im Dunklen? Ich liebe einen gewissen Schatten auf diesen Gesichtern, den ich zum teil erkünsteln muss. Die Fensterladen auf! – – Da der, der ist's, von dem ich sprach! Wahr! ich fand es, ich fand noch Seele, aber eben abschiednehmend, und so lieblich, als sagte sie: lebe wohl, lieber Junge, Leib! lebe wohl! Ich werde dich noch oft auf dem Kirchhofe besuchen, wo man dich hinbringt; wenn es angeht, will ich sehen, wo du bleibst, auch wenn sich Staub von Staub losreisst. – Sei gutes Muts! Gott vermag alles! So lange du in seiner Welt bist, sind wir zusammen! Weine doch nicht! Armer Junge, könnt' ich dich doch trösten! Armer lieber, geliebter Erdenkloss, könnt' ich doch! O könnt' ich! Beten kann ich, will ich. Lass ihn, o du Seele aller Seelen, Geist aller Geister, lass ihn nicht versinken in des Todes letzter Not, erbarm dich sein! – Ein teil Leben, wenn es ginge, wie gern gäb' ich es hin für dich, lieber Getreuer! – und ihr, Elemente! ihr ewigen Stücke am Körperteil des Menschen, ihr Vorsteher des Körpers, nehmt euch der unedlen Stücke an, wenn sie gleich nicht von Familie sind, schämt euch ihrer nicht. – O der guten abschiednehmenden Seele!
Gott, was für Schmerz auf zwei Gesichtern!
Warum verstellest du deine Geberde? könnte man zu allen beiden sagen. Der zur Linken scheint sich zu fassen, oder fassen zu wollen. Es ist Alexander, da er krank war und den Arzneibecher von General-Feldmedico Philippus entgegennahm. Eben ein Brief von Parmenio. Er nahm den Becher und trank, und gab dem Doktor Philipp den Brief, der ihn las. Fast so, sagte der Graf. Nicht völlig, sagt' ich, denn ich kannte den Alexander auf ein Haar, und besser als unser Hochgeborner Herr, obgleich er Graf war. Aber da! mein Gott, welche Verzogenheit, Carrikatur, als wär's kein Menschenkopf. Der Graf erzählte mir zu meiner allergrössten Verwunderung, dass diess ein Plötzlichgestorbener sei. Mein Gott! rief ich aus, wie sehnlich hab' ich mir, bis ich diese Verzerrung sah, einen guten schnellen Tod gewünscht! Vielleicht, fuhr ich fort, war diess ein böser, schneller Tod, von dem es in unserer Litanei heisst:
Für einen bösen schnellen Tod
Behüt' uns, lieber Herr Gott.
Ich glaube' es nicht, erwiderte der Graf, allein über den schnellen Tod, mein Freund, wie viel zu sagen! Ich habe Ursache zu denken, fuhr der Graf fort, dass jeder Mensch gleich viel Todesnot ausstehe. Todesangst und Not ist zweierlei. Die Angst ist zufällig; nachdem der Mann, nachdem die Angst. Die Not ist wesentlich. – Aber, wandt' ich ein, sollte Mine so wie ist wahrlich so nicht gestorben! Recht, sagte der Graf, sie hat die Todesnot, mit einem Stoff wasser gemischt, getrunken. Dieser auf einmal! Aesop nahm den grössten Korb zu tragen; allein es waren Lebensmittel darin, und eben dadurch war der Korb ihm am Ende am leichtesten. Mein Gott, was gibts für schmerzhafte Krankheiten und Vorfälle in dieser bösgewordenen gefallenen Welt! Alles tote, die Schrift nennt sie tot, und sie sind es im eigentlichen Sinne; wenn aber der Mensch, der nie gestorben, auf einmal recht und eigentlich stirbt, auf einmal weg soll, im Augenblick, aus dem land der Lebendigen; – Seele und Leib so bekannt mit einander; er eben in der Ausführung von vier Planen, wovon immer einer den andern deckt: o Freund! so was pflegt in einen Schrei – auszuarten! Und dieser hier ist eben im Schrei! Ich hab' ihn nicht observirt. Es ist ein grosses Präsent von einem Freunde, der mir aber auf Treu und Glauben diess Stück gegeben hat, und mich dünkt, es sei ein Stück auf Treu und Glauben. – – – Und dieser verhangene Kopf? (Es war einer aus den Fünfen.) Freund, sagte der Graf, der Maler T i m a n t h malte I p h i g e n i e n s , der Tochter Agamemnons, Aufopferung und teilnehmende Personen, die jeden rührten, der sie sah. Timant brachte alles zum Vorschein, alles, alles vom Schmerz, was auf der Stirn dem Trone des Schmerzes, im auge' und im gesicht nur Raum hat, was man nur vom Schmerze weiss