etwas offen. Die Augen waren von andern zugedrückt; allein die Türen wollten nicht zuhalten, sie waren eingetrocknet. Die Christen hatten alle das Haupt geneigt. Sie hatten, das sah man ihnen an, schon das Seelentestament deponirt: Vater, ich befehle meinen Geist in deine hände, nimm meinen Geist a u f ! und nach diesem Testamente neigten sie ihr Haupt und verschieden. Die Erde ist des Herrn! Nimm, liebe Mutter, diesen Leib, den du neu gebären sollst – ich fürchte nicht deinen verschlossenen Leib – ich weiss, an welchen ich glaube, und bin gewiss, dass er diese Beilage bewahren werde, bis zu meinem Geburtstage, bis an jenen Tag –
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Der eine Mann da, sollt' ich mich irren, wenn ich behaupte, dass etwas Zweifel in ihm läge? Eine edle Unruhe – – bald hätt' ich sokratische gesagt; allein sie war lange noch nicht sokratisch. Es war eine christliche. – Baal, erhöre uns, hätte dieser Mann nimmer und in Ewigkeit gerufen! – Heute im Paradiese – heute noch? Wo liegt es? Gott von Angesicht zu Angesicht sehen? Ein Geist den andern? Ewige Seligkeit! e w i g e ! in einem weg, ohne dass uns die Zeit, hätt' ich bald gesagt, ohne dass uns die Ewigkeit (das, glaube' ich, kann ich auch nicht sagen) lang wird. – Auferstehung der toten, des in alle Welt zerstreuten Leibes? Dergleichen Fragzeichen schien der Mann auf dem gesicht zu haben, und auch sein Nachbar, auch der hier, auch jener dort, o! der an der Tür am deutlichsten: das ganze Gesicht ein Fragzeichen! allein bei alle dem, mit einer Art von Vertraulichkeit gegen Gott. Nicht Dummdreistigkeit, nicht Christenstolz, wie die Feinde der christlichen Religion es zu benennen belieben, sondern kindliche Zudringlichkeit, höchstens Vorschnelligkeit, höchstens Kinderfrage. Sind Kinderfragen Zweifel? Sind es Knoten, die der Deist heroisch, statt zu lösen, entzwei haut? Werdet wie die Kinder! Wer kann das genug lehren und lernen, und beim Kapitel der Rücksicht, o! mein Gott, welche richtige Rechnung! Wie stimmig die Balance! keine Schuld im Rückstande, nichts zum Uebertragen, alles t h u t w i e o b e n . Alles rein abgeschlossen! ohne Bruch, ohne –
Der Kalte da! die wenigsten Zweifel! im linken Auge ein halbes Aber, kaum halb, das rechte glaubt – beide christlich neugierig; ist das Wunder? Aber wie ruhig wegen des vollbrachten Lebens! Der Deist, wenn er's recht, wenn er's genau nimmt, bankerottirt, und sein Tod ist ein Prangertod, ein Spektakeltod, als Christ? Alles bezahlt! Sollte denn der Christ stärker in seinen Tugenden, fester in seinen Gesinnungen sein? Sollte! Halt! gelehrter Frager, der Christ ist überall kindlicher. Er tut nichts aus Stolz oder eitler Ehre. Gott ist Vater, er ist ein kleines Kind, das wo einmal in's Licht greift und sich verbrennt, das – –
Wer, Freunde, ist der Engelreine, der nichts auf seinem Herzen und Gewissen hätte? Solch ein Paar Gottes-Menschen, als wir beim Grafen erblickt, finden sich, glaube' ich, nicht in vielen Jahren. Wir haben sie aber rühmlichst abgehandelt; indessen haben auch sie gewiss ein Pröbchen ausgehangen. Der Mensch, wenn er alles getan hat, hat er alles gedacht? Und bleibt er nicht ein unnützer Knecht? Und wer macht das Blutrote schneeweiss und das Rosinfarbne wie Wolle? Ich glaube nicht, dass Gott der Herr unmittelbar beleidigt werden könne! Und die crimina laesae majestatis divinae sind, wie schon bemerkt worden, so was Menschlichgesagtes, als Gottes Hand, Gottes Fuss, Gottes Auge. Wer von Gottes Mund spricht, tut etwas sehr Gewöhnliches; wer aber nur die Hälfte von Gottes Nase spräche, und von seiner Stirn und von seinen Beinen, würde Gott danken können, wenn man ihn nicht für eine Art von Gotteslästerer hielte. Warum das?
Gott, der nicht zu sehen ist, wird nur in unsern Brüdern beleidigt, die zu sehen sind, und in uns selbst, die wir auch sein Odem sind. Hier indessen, welch ein Feld zu Verbrechen! – Wir wollen annehmen, dass Selbstsünden auch Selbststrafen nach sich zögen (Sünde, den Tod); ist es aber darum gut gemacht? Wäre diess, so wäre jeder Selbstmörder selig, ohne Streitschrift, weil er das Leben eingebüsst hat; nicht also? Wer sich zum Arbeiter im göttlichen Weinberge, zur Weltarbeit untauglich macht, wer nicht treu und fleissig mit den Gaben umgeht, die er empfangen hat, verdient nicht allein keinen Taglohn und Armut und Mangel, sondern er hat auch mit seinen Sünden noch andere Strafen verdient. – Und wer ist so unschuldig, dass er seinen Bruder nicht mit Gedanken, Geberden, Worten und Werken beleidigt hätte?
Schön, Freunde! wenn ihr das Seine dem gebt, dem ihr's genommen, dem Nachbar sein Weizenland, und der armen Priesterwittwe ihren Kohlgarten. Schön, wenn ihr dem die landüblichen Zinsen wegen des entbehrten Niessbrauchs ersetzet, dem ihr den Niessbrauch seines Ackers entzogen. Habt ihr aber auch die drei Lebensjahre erstattet, welche ihr diesem Armen durch eure Kränkungen entzoget? Die Sonne, die auf dieses Land sah? Den Regen, der darauf fiel? –