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Todtentanz, zum Grabesgang auf. Viel Einheit der Zeit, alles starb in Zeit von drei Jahren. – Ich kann eben nicht sagen, dass in diesem Trauerspiel griechischer Geschmack herrschte, indessen war viel Manns- und Vaterwärme da, viel Empfindung. Es waren zwei Türstücke, das eine stellte G e n e s i n , das andere A p o c a l y p s i n vor. G e n e s i s war in Gestalt eines Menschen, A p o c a l y p s i s wie ein Engel gekleidet. In jenem sah man die Worte: Es wardin diesem das Offenbarungs-Johannis-Wort: Amen!

Die Seligen waren alle wie Geister gekleidet. Sie hatten weisse Kleider. Sie waren mit Körperchen umschlagen, mit einem leichten Gewande, mit dem Sterbehemde. Die Gesichter kenntlich, aber himmlisch. Wenn die jungen Grafen und der Bräutigam nicht Hutkränze von weissen Federn auf ihren fliegenden Haaren gehabt, und ganz unvermerkt das gräfliche Wappen nebst der Perlenkrone an ihrer Seite hervorgeschimmert hätte, so würden die Geister mehr Geister gewesen sein. Jetzt waren es gräfliche Geister. Andere Welt! wenn du Fürsten, Grafen, Freiherren, Ritter, Bürger und Bauern hast! sind sie auch nur durch ein Wappen unterschieden, wie wenig bist du dann, andere Welt! wie wenig! – Alles handelte in diesem Familienstück. – O, der unseligen Wappen und der weissen Federbüsche! und der gräflichen Krone!

Die Gräfin Mutter hatte sieben Weinreben in der Hand, die alle sieben weinten, so dass die Tränen zusehends herabträufelten; drunter gingen Vergissmeinnicht auf.

Zwei Söhne hatten Grabschaufeln in der Rechten, standen an einem aufgemachten Bette, wie der Graf es nannte, an einem fertigen grab, und besahen die Erde und sich, als wenn man sein Porträt und sich collationirt, um beizuzeichnen: concordare cum suo originali testor. Man sah, dass sie sich sagten: Staub von unserm Staub! Zwei Gräfinnen, unschuldig wie Engel, bis auf die verfluchten Wappen. Wozu doch die Wappen? Zwei Gräfinnen, wirkliche Engel, gossen jede eine Schale auf die aufgeworfene, zur Saat Gottes vorbereitete Erde.

Meine Mutter hatte das Taufwasser nicht feierlicher ausgiessen können, als diese Engel die Schalen.

Die beiden Bräute mit herabhängenden, halbverwelkten Kränzen, Hand in Hand. Der eine Bräutigam den rechten Arm in der linken Handso aufgestützt sieht er starr auf einen Fleck im blossen Kopf, wie der Graf sagte, das ist, auf nackte Erde. Wohin der blick nur reichen kann, ist die Stelle kahl, ohne grün und gelb. – Der andere neigte sich sanft zur Erde, die er küsst. Die Bewegung jenes Römers, da er seinem vaterland einen Kuss gab, ist nichts dagegen.

Der Sohn und seine Braut, oder Federn und Wappen, hielten eine mit Blumen durchflochtene Schnur. Sie zogen jedes sein Ende mit Macht, und siehe da, sie reisst und beide sind im Sinken. – Zwei Tauben fliegen mit Oelzweigen über der ganzen Gesellschaft. Und nun noch ein Engel ohne Sterbehemde, ohne schlafrocksmässig um den Geist hängendes, fliegendes Körperchen, ein Engel in einer noch angemessenern Uniform, in einem so Original-Engelgewandealles englisch an ihm; wie schön er in die Höhe sieht! wie schön! Es war der jüngste, der Benjamin unter seinen Brüdern. Wenn ich doch diese Uniform beschreiben könnte! – – – Schade! er hat ein Ordensbändchen, worauf das luterische Wort sieht: Vivit. Freilich mehr als pro gloria et patria.

Allein ein Ordensengel! O des Ordens, der Wappen, der Federbüsche!

Das zweite Zimmer, mit dem Accent; ich gesteh' es, ich hätt' es für mein Leben gern.

Lauter sterbende Köpfe! Noch ist's Zeit zurückzutreten, gnädige Frauallein die letzte Zeit war diese heilige Schwelle betretenich stehe nicht für ihn. – Man sieht es Ew. Gnaden anSie erliegen! ohne Umstände ein polnischer Abschied, ober ein deutscher, wie Sie befehlen!

Ha! das war ein Odemzug! Das Beharren bis ans Ende ist nicht jedermanns Ding. – Viel Vergnügen auf der Redonte. – Da sind freilich andere Gesichter! Narrenkappen wie man sie will. Als Schäferin also? – – – Und diese Köpfe? O Freunde, wie wert, wie wert zu sehen! Es sind Gestorbene, die eben kalt geworden, eben. – Alle ganz pünktlich, richtig nach dem Lebennach dem tod, würde' ich sagen, nach ihrem Sonnenuntergang! – Selig, selig, selig, sagte der Graf, sind die toten, die im Herrn sterben. Sie ruhen von ihrer Arbeit, ihre Werke folgen ihnen nach. – Wir falteten alle drei die hände! Es war erwecklich anzusehen. – Sie sind, fing der Graf etwas zu gesucht an, diese toten hier, sind nach dem Ausgang der Seele durchs rote Meer, wie diese schon Canaans Turmspitzen sah, gemalt. Wenn die Seele, fuhr er fort, von ihrem vieljährigen Freunde Abschied nimmt, verehrt sie ihm noch ein kleines Andenken. Eine goldne Tabatiere mit ihrem Bilde. Sie wirst noch Strahlen auf ihn, die so aus den Gesichtszügen des Gestorbenen herausleuchten, wie das Antlitz des Moses, obgleich er schon vom Donner- und Blitzberge war. Der Mensch dort, der, so lange die Seele in ihm lebte, schwebte und war, sich