und umschreiben sollte, würde' ich zu langweilig werden. Ein guter schneller Tod, ist er nicht der beste? Ich behalte mir vor, auf drei (auch eine heilige Zahl, eben so gut wie die sieben, vielleicht eine, die mir nach dem Ausdruck meiner Mutter am Herzen liegt, so wie meinem Vater die Zahl neun) Zimmer einen Accent zu legen und eile zur Kapelle. – Es führte ein finsterer gang dahin; so wie oft ein schlechtes Geläute zu einer schön gebauten Kirche einladet, sagte der Graf. Es konnten nur zwei gehen, so eng war der gang, um den schmalen Weg zu parodiren. Von beiden Seiten kamen Aerme heraus, auf welchen, obgleich es hoch Tag war, dennoch Lichter brannten oder brennen mussten; denn hier war es ewig Nacht. Die Aerme schienen (so besonders waren sie) schnell herauszuwachsen, um den Wanderern auf dem finstern Wege zu leuchten! – Auf einer Seite waren sechs Lichter, auf der andern fünfe. Warum das? dafür konnte der Graf nicht, dass die eine Abteilung der Spruchstelle: Dein Wort ist meiner Füsse Leuchte, sechs, und die andere: Ein Licht auf meinem Wege, ganz richtig berechnet, fünf und nicht weniger Wörter hatte. über jedem Lichte stand ein Wort, schön wie eine Dedication. würde' er mit dem Worte U n d auch einen Arm verehrt haben, so wären beide Seiten gleich gewesen. Das arme Wörtlein U n d , ich hätt' es nicht verstossen, wenn ich der Graf gewesen wäre. Es ist gemeinhin ein menschliches, liebes, guterziges Wort, und ist seinen Arm wert. Der Graf aber sprach ihm die Göttlichkeit ab; wenn Gott spricht, ist's ohne U n d . In der Kapelle selbst hing ein Crucifix und der Schächer, den Christus ins Paradies mitnahm. Der sterbende Simeon, mit einer Friedensmiene im Gesicht, die entgegenrief: H e r r , n u n l ä s s e s t d u d e i n e n D i e n e r i n F r i e d e n f a h r e n . Einige Apostel als Märtyrer sterbend. In ihren Gesichtern lagen die Worte: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; ob wir leben oder sterben, sind wir des Herrn. Hier stand auch in einem Behältniss, von einem eisernen Gegitter eingeschlossen, des Grafen Sarg. Rührend war es mir anzuhören, dass er alle Vierteljahr einmal drin schlief. Ich habe mich mit meinem haus, sagt' er, so bekannt gemacht, dass ich alles im Griff habe. – Die erste Zeit schwitzt' ich, als hätt' ich Bezoarpulver eingenommen; jetzt schlaf' ich, ohne einen einzigen Schweisstropfen, ruhig und sanft. Der Tod wird mir, das hoff' ich, nicht unbereitet kommen. Der Wappenzierrat war mir bei diesem Sarge unausstehlich. Es waren drei bemalte Pfeiler in der Kapelle, Weisheit, Stärke, Schönheit, Glaube, Liebe, Hoffnung! drei Grazien – drei Frauenzimmer, sagte d e r G r a f und ich: "Die Tugend selbst ist ein Frauenzimmer, das Laster ist eine Mannsperson." Ei! schrie der Graf, ei! der Prediger. Ich hatte Mühe die guten Herren zu überzeugen, dass mein Vater wohl wüsste, was er spräche. Man muss nur alles nehmen, wie es von Gott und Rechtswegen zu nehmen ist. Der Buchstab' ist tot, allein der Sinn ist lebendig. Ich blieb bei Würden und Ehren, und das E i war vertilgt bis auf den letzten Buchstaben, welches um so leichter geschehen konnte, da es nur aus zweien besteht. Sonst versteht jeder, was Glaube, Liebe, Hoffnung sei, oder eigentlicher, wie sie gemalt werden; indessen hatte der Graf seinen eigenen Glauben, seine eigene Liebe, seine eigene Hoffnung.
Der Glaube war ein Mädchen, das mit der rechten Hand gegen Himmel mit einem Crucifix den Weg wies, in der linken Hand einen Kelch hatte, woraus es trank; mit dem einen Auge liess es die Bitterkeit des Tranks merken, mit dem andern aber himmelan, als säh' es den himmlischen V a t e r – auf dem haupt eine Krone mit Lorbeeren durchflochten. Es lag auf den Knien, das gute Kind. Oben standen die Worte: Ich glaube, Herr! hilf meinem Unglauben! G l a u b e war gross geschrieben und es war auch nötig, denn wer hätte sonst wohl wissen können, dass diess der Glaube sei? Es tut mir ordentlich leid, dass ich vergessen habe, mit welchem Auge der Glaube gegen Himmel und mit welchem er in den Kelch der Bitterkeit sah, als wollt' er die Tropfen auszählen. Kannst du sie zählen, hiess es zu Abraham, da ihm die Milchstrasse am Himmel gewiesen und die Versicherung in forma probante behändigt ward: also soll auch dein Same sein.
Die Liebe war eine junge, liebenswürdige Mutter (das schönste in der natur), ein Kind an ihrer Brust, eins lag ihr auf der Schulter und küsste sie mit Inbrunst. Noch war ein Kind, dem sie drohend ihre rechte Hand reichte. O wie drohte sie! Allerliebst. Oben stand:
Stärker als der Tod!
Die Liebe ist sehr beschäftigt! sagte der Graf. Sie hat alle hände voll, die wird wohl jeder