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C l i t u s , damit es meine Leser nur ja wissen, ist auch nicht in unserm Kirchdorfe erstochen, vielmehr ist er noch jetzt am Leben und sitzt auf dem väterlichen Acker. Er hat mir nicht das Leben gerettet, auch ist seine Schwester nicht meine Amme gewesen. Diess Trauerspiel ward also als ein Lustspiel vorgestellt, wie man es mit den meisten Trauerspielen machen kann. I nunc ad Philippum et Parmenionem et Attalum, wurde nüchtern gesagt, und blieben daher die Busstage aus, vielmehr wurde ein allgemeines Gelächter, weil Clitus so frisch und gesund seiner Wege ging, wie unsere Schauspieler, wenn sie erstochen, erschossen und mit Gift vergeben sind. S e n e c a , das fällt mir eben ein, hätte sich die Todesart wählen sollen, im Trauerspiele am fünften Akt zu sterben. Es wäre seinem Leben und seinen Schriften angemessener gewesen, und leichter muss es auch sein, als wenn man sich alle Adern öffnen lässt.

Die schönen Redeübungen, doch nur von Alexanders Seite, womit der beredte Curtius seine Leute ausstaffirt, konnte ich auf ein Haar. Benjamin hielt alles, was er hielt, aus oben angezeigten wichtigen Gründen in curischer Sprache; ich habe dem Q. Curtius Rufus eben den christlichen Namen Voltaire beigelegt, um diesem letzten mit Ehren grau gewordenen Dichter und Geschichtschreiber, Comödien- und Tragödiensteller, den ich von person kenne, vorzüglich wegen seiner geschichte bei dieser gelegenheit ein Compliment zu machen.

Dieser g r o ss e Mann trägt's auch am K n o p f l o c h e , und wenn er als Geschichtschreiber auftischen lässt, fehlt's an gesundem, unverfäschtem Weine. Gebackenes die Menge. Da heute eben sein Geburtstag ist, hoffe ich von ihm, wegen dieses kleinen Andenkens, T o l e r a n z , und von meinen Lesern Verzeihung!

Es ist schon gesagt, dass die Nüchternheit bei unserm Alexanderspiel beobachtet wurde; indessen tranken wir wasser aus dem hut, wenn's in der Rolle vorkam, dass getrunken werden sollte; und der Hut stellte des Herkules Becher sehr gut vor. Ich konnte also nicht durch das Gift des Weins ums Leben kommen, sondern lebte den Curtius einigemale durch und durch.

Ich zog mit wenigen Jungen oder P f e f f e r k ö r n e r n dem Benjamin Darius und seinem M o h n s a m e n auf den Hals.

Wir lieferten alle Schlachten, die Alexander geliefert hat.

Bei Issus in Cilicien, welches über Feld lag, verlor Benjamin Darius eine Menge volkes, und ich bekam seine Frau Mutter Majestät, seine Frau Gemahlin Majestät und seine Kinder königliche Hoheiten zu Kriegsgefangenen. Die königliche Frau Mutter stellte, auf Befehl meines Vaters, unsere alte Köchin vor, und meine Mutter sagte: "kann sie nicht lieber die Potiphar machen?" Benjamins Schwester war die älteste Prinzessin Tochter, und des Ritter Jachnis Frau und Tochter stellten die königliche Frau Gemahlin und Tochter vor. Wegen des Prinzen waren wir nicht verlegen, denn hierzu hatten wir viele Jungen im dorf. Mit der Schlacht bei Arbela hatte die persische Monarchie ein Ende.

Der Tod des Darius ward nicht vorgestellt, weil Benjamin über den Tod nicht spassen wollte, und aus Todesangst sehr leicht untern Händen bleiben können. Es fehlte uns auch eine Kleinigkeit, die goldnen Ketten. Wenn alle Schlachten zu Ende waren, fingen wir sie von Anfang an, obgleich, wenn wir an die Gefangennehmung der königlichen Familie kamen, wegen der königlichen Frau Mutter der Verdruss unvermeidlich war. Meine Mutter beklagte sich über die Köchin, dass sie wenigstens drei Tage bei dieser königlichen gelegenheit den Gehorsam aufsagte und vorzüglich alles v e r s a l z e . Desto besser, sagte ich, sie macht ihrer Stelle Ehre. Die Frau Potiphar würde sie besser machen, antwortete sie, und ich brachte ihr das Salzfass, ging mit ihr in die Speisekammer, ass unterm Eier-Monument ein Stück Schinken, und die Köchin blieb die königliche Frau Mutter.

Die Jungen im dorf nannten diese feierlichen Tage T a l k e n , allein ich brachte diesen unheiligen Namen ab und pflanzte so viel Griechisch im ganzen dorf, dass derjenige, welcher der lettischen Sprache die Ehre tat, sie aus meiner Welt zu beurteilen, die griechische Sprache für Mutter, Schwester, Tochter oder was weiss ich für was für eine nahe Blutsverwandtin von der lettischen halten musste.

Die königlichen Gefangenen waren bei mir so gut als beim Alexander aufbewahrt. Ich war eben so wie Er justus hostis und misericors victor. Die königliche Frau Gemahlin würde auch schwerlich jemanden, wenn gleich er sie nicht so gut als Alexander und ich besessen, in Versuchung geführt haben, da sie bei den Blattern um ein königliches Auge gekommen war.

Nach dieser Anzeige darf ich auch nicht bemerken, dass die dreihundert sechzig Pellices (Kebsweiber) nicht angebracht werden konnten; wie denn auch desshalb nicht zu behaupten war, Pellices CCC et LV totidem quod Darii fuerant, regiam implebant. Denn Benjamin wusste in diesem Stücke eben so wenig wie ich, was gut oder böse sei. Ich vermied mitin den Vorwurf des Lagers: d a ss i c h m e h r v e r l o r e n a l s g e w o n n e n h ä t t e , und dass, obgleich ich den Darius überwunden, ich doch von ihm in diesem Stücke