t , und hielt den Ehrenmann fest. Was eine vorlorne Schildwache nicht machen kann! Hier fand mich der Prediger gewiegter als bei seiner Abhandlung. Er wollte heim; ich war in meinem Element. Endlich jammerte mich sein, ich löste die Schildwache ab.
Anlangend den Druck, fing der Prediger, sobald er Luft hatte, an, und dankte dem Himmel, dass er aus den Händen des Kriegsknechts war, der ihm Werbegeld aufdringen wollen, anlangend den Druck, wiederholte er, ohne weiter eine Begierde zu äussern, die Bleifeder meines Vaters auszufordern, so sei er nicht kostbar, allein rein. – Ein gutes Wort muss eine gute Stätte finden. – Der gute Prediger, der sich aus so manchem von mir verlornen Wort überzeugt hatte, dass mein Vater mit seiner Abhandlung nicht zufrieden sein würde, ging ganz betrübt von meinem Vater, wie der Jüngling von Christo, der alles gehalten hatte von seiner Jugend an; denn wahrlich! der Prediger war so wenig entschlossen seine Noten zu streichen und den gelehrten Wust, wie dieser Jüngling sein Hab und Gut zu verkaufen und es den Armen preiszugeben. So wirst du einen Schatz im Himmel haben, sagte Christus zum Jüngling. Wer opfert ihm aber eisenschwere Gelehrsamkeit, welche doch Motten und Rost fressen, darnach Diebe graben und sie stehlen?
Vom Kriegsdienst ist vorderhand zwischen uns beiden, nach diesem Ritt, keine Sylbe weiter vorgefallen.
Wir fingen nach einer geraumen Zeit sehr regelmässig, weil die Sünde wider den heiligen Geist uns darauf gebracht hatte im Gespräch, von der heiligen Regel an, die man in Ehren halten müsste, wenn sonst gleich alles über und über ginge.
Alles in der natur sucht sich an etwas zu halten. Der Verstand an der Regel, die er als Gottes Bild ehrt, und wahrlich sie ist Gottes Bild. Sie ist nicht Buchstab, sie ist Geist von Geist. Meine Mutter würde sagen: Diese Regel streichen, heisst: wider besser Wissen und Gewissen handeln und wandeln. Wehe dem Menschen, durch welchen Aergerniss wider diesen heiligen Geist kommt! es wäre besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist. Diess ist das eigentliche Verbrechen der beleidigten göttlichen Majestät, nicht aber das, was Stadt-, Land- und Kaiserrecht so nennt.
Wollte Gott! setzt' ich hinzu, Ihr Werk würde diesem Aergerniss steuern und wehren! Man kann nicht wissen, antwortete der Prediger.
Was würde' aus uns werden ohne Regel? Da würde' all' Augenblick einer seinen Zauberstock aufheben, und das Volk würde' ihm dienen. Warum überzeugen wir uns jetzt nicht von Zaubereien? Weil wir der Regel den Boden ausstossen würden, da würde sie denn liegen in ihren Ruinen. Regeln sind das Salz d e r Erden, wenn aber das Salz dumm wird, womit will man salzen? Erzähl' ein Wunder von heute und gestern oder ehegestern, wo findest du Glauben, und warum dieser Unglaube? Hat denn Treu' und Glauben aufgehört auf Erden? Nicht also, wohlmeinender Zeterrufer! Die natur nahm ihren Anfang durch ein Wunder. Wunder genug! Jetzt ist alles ohne Sprung. Die Sphärenmusik ist ein einfaches Lied und keine Ode. Es geht natürlich zu, heisst: es versteht sich alles von selbst, die allerortodoxesten, wundervollsten Geistlichen selbst haben den Wundern Ziel und Mass setzen müssen. Bis dahin, und weiter nicht, sollten die Ausnahmen von der Regel stattfinden und die Wundergaben im Schwange gehen. – Die alten Propheten sind tot; die neueren haben kein Creditiv vorzeigen können; obgleich meine Mutter jederzeit über die wenige Aufmunterung für die jungen Propheten die Achseln zog. Wenn wir keine jungen Propheten leiden, werden wir auch keine alten ziehen. Jung gewohnt, setzt sie hinzu, alt getan.
Sie verstand indessen durch einen Propheten nur einen Superintendenten, der ein paar Zoll höher wäre (im Kunstwort; mehr hatte), als der regierende Herr in Curland.
Wie kommt's aber, dass alles die Ohren spitzt, wenn vom Wunderbaren die rede' ist? Das kommt, weil der Verstand steif und fest auf seine Regel hält und den Feind kennen lernen will, der diese seine Beste einzunehmen droht. Das kommt, weil der Verstand sein Richteramt beweisen und Urtel und Recht eröffnen will wider den, der die Grenzen zu verletzen droht. Das kommt auch, würde meine Mutter sagen, "d u r c h A d a m s F a l l u n d M i s s e t h a t ." Wahrlich! der Mensch ist sehr zum Fall geneigt; wer steht, mag wohl zusehen, dass er nicht falle. Wir nähren all' eine paradiesische Schlange im Busen. Der Mensch hat zuweilen einen schrecklichen Hang zum Aufruhr.
Alles diess, und noch mehr von der nämlichen Manier, brachte den Prediger nicht weiter auf meines Vaters Bleifeder, wiewohl er noch öfter als zuvor an reinen Druck und an weisses Papier dachte. Kostbar sei er nicht, nur rein.
So viel weiss ich, dass ich meine Zeit in L – nach den akademischen Wünschen gut angewendet habe. Gott segnete auch meine Studia, Teorie und Praxis! Ich habe viel, viel an dem grab meiner Mine gelernt, wo am Kopfende Grün hervorschoss. Wir werden wiederkommen, rief ich zuweilen aus, und Gretchen faltete die hände, wir werden wieder kommen gegen Zion mit Jauchzen, ewige Freude wird