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empfunden, mit dem rechten Arm ihren Kopf gestützt, und sich Gott ergeben, wo

Eben öffneten mir diese Erinnerungen Tür und Tor. – Nur ein Wort, nur ein Sterbenswort von Minen, fing ich an, wie glücklich hätt' es mich gemacht! und der Prediger, "was den Druck betrifft," er tat, als ob es eine Antwort auf unser Seelenringen wäre; "was den Druck betrifft: er sei nicht kostbar, allein rein, so wie jeder Anzug. Eine gute Wäsche ist bei mir mehr als Gold- und Silberbesatz. In dem Stück bin ich sehr für die Engländer und Holländer. Fast scheint es, saubere Wäsche und gut Papier wären nicht so weit auseinander. Beide Nationen, saubere Wäsche und sauber Papier. Ist das Papier gut, ist viel gut."

Dergleichen Eingriffe waren was Gewöhnliches, und damit meine Leser den Haupteingriff überstehen und einmal wissen, woran sie sind: der Eingang des Werks war ein Sündenverzeichniss von Saul und David. Dieser raubte dem Urias das Leben, weil er eine schöne Frau hatte; jener war gegen die Feinde Israels mehr schonend, als er sollte. Heutzutage würde man sagen, er war menschlicherund Saul empfand den B i n d - , David den L ö s e s c h l ü s s e l . –

Meine Leser werden den Uebergang zum T h e m a ohne meine Handleitung finden. Die Sünde i n o d e r w i d e r d e n h e i l i g e n G e i s t ward wie gewöhnlich in der Art behandelt, dass der erste teil die unrechten Begriffe entielt, welche man sich gewöhnlich von der Sünde wider den heiligen Geist mache. Unter diesen unrechten Begriffen kamen freilich einige vor, auf die kein Mensch eher als unser guter Schriftsteller gekommen. Er brachte darauf, weil er recht auf Irrwege studirt hatte. Der zweite teil war der rechte Weg, oder eigentlich der, der ihm gefiel. Ueberall auf Weg' und Abwegen eine Belesenheit, die sich nicht bloss auf die russigen Bücherschränke der Gegend erstreckte, wie der gute Prediger sagtesie ging weiter. – Ich würde zwar (Gott wend' es aber in Gnaden ab) nicht die Sünde quaestionis, allein doch eine wirkliche Sünde begehen, wenn ich meinen Lesern von diesem gewiss bewanderten Werke eine weitläufige Erzählung auslieferte. So viel ist gewiss, dass ich den guten Prediger mit seiner Ausarbeitung ziemlich zweifelhaft machte, indem ich ihm, in beliebter Kürze und Einfalt, meines Vaters Meinung über diesen heiligen Gegenstand eröffnete, der die Sünde wider den heiligen Geist eine Bemühung nannte, das ins Herz geschriebene natürliche Gesetz, die Regel, das göttliche Alphabet auszulöschen. Das Kind mit dem Bade ausgiessen, sagte der Prediger, und legte die drei Finger seiner rechten Hand an seine Stirn und sodann ans Herz, als ob er an beiden Orten anklopfen wollte. Endlich ward ihm aufgetan. Ich würde, fing er an, meine citationseisenschwer beschlagene Abhandlung gern Ihrem Herrn Vater auf eine freundschaftliche Bleifeder übersenden; allein ich fürchte, dass nach diesen grundsätzen wenig von diesem gelehrten Stück zurückkommen möchte. Ich versicherte den guten Prediger, ohne, wie ich bemerkte, ihm ein Compliment zu machen, dass mein Vater keine Bleifeder hätte.

Selten, pflegt' er zu sagen, ist das beständig, was durch ihre Vermittlung an Tageslicht kommt. Schwarze Wäsche und Tafelgedecke verzeichnete meine liebe Mutter mit der Bleifeder, wie es sich eignet und gebührt. Wenn schwarze Wäsche (meine Mutter nannte es schwarzes Zeug) und Tafelgedecke wieder durch wasser gereinigt waren, weg waren auch die Bleifederworte. Das mit Bleifeder beschriebene Papier reibt sich an allem, was ihm nahe kommt, sagte meine Mutter, und sehnt sich recht geflissentlich, von einer solchen Unzierde befreit zu werden, wie ein stolzes Pferd von einem schwachen Reiter. Nennt es Bleistift und nicht FederFeder ist zu schade, fuhr sie fort. – Da also mein Vater, sagt' ich, keine Bleifeder hat, und schwerlich eine von meiner Mutter leihen wird, so bin ich fest überzeugt, dass er Ihre Schrift von der Sünde wider den heiligen Geist ohne Bleifeder lesen werde. Vortrefflich, sagte der gute Schriftsteller; wollte Gott! es wären keine Bleifedern in der Welt, und unsere Kritikaster bedächten: wer die Bleifeder nimmt, wird durch die Bleifeder umkommen; richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet. kommt denn, fragte der Prediger, kommt denn alles bei Ihrem lieben Vater ungeschlagen davon, was er hört und liest? Seine Art ist, erwiderte ich, ohne Bleifederstrich, ohne Beziehung auf es sei gehörtes oder gelesenes Wort, ein Wort zu seiner Zeit nicht schriftlich, auch nicht einst mündlich, anzubringen, sondern mündlich, zu verlieren. Zuweilen scheint es, fuhr ich fort, dass das, was er sagt, so passe, wie die Faust aufs Auge; indessen war mir oft ein solch verlornes Wort ein Wort des Lebens zum Leben. – Dem Prediger gab das verlorne Wort gelegenheit, von der verlornen Schildwache zu reden, und da liess ich ihn sobald nicht los. – Er war ein kleiner Politikus, las die Zeitungen, wusste alle preussische Regimenter namentlich und ihre Uniform; das war aber auch alles! An mir fand er einen andern Mann; ich sprach vom g r o ss e n und k l e i n e n D i e n s