1778_Hippel_037_256.txt

Ich glaube, am Ende sehen sich die Studenten alle gleich, und doch

Herzlich geliebte Nachbarn! wenn man auch einen hoffnungsvollen Jüngling zum Sohn hat, der auf Pfingsten predigen wird, ist's doch ein elend jämmerlich Ding um aller Menschen Leben. Auch die Vornehmen haben nicht alle Tage Rebhühner. Ich ass ehegestern ein halbes beim gnädigen Herrn v. – – auf dem Gebetsverhör; allein, unter uns gesagt, es war ein wenig alt. So ist's mit dem Leben, wenn auch Rebhühner aufgetragen werden. Wer eine witwe mit Geld heiratet, isst ein altes Rebhuhn, und wer zu Ehren kommt, isst ein altes Rebhuhn, und gesetzt, die Rebhühner sind frisch, und gesetzt, sie wären auch ein Alltagsgericht, was hilft's? Die Kinder Israel wurden des Manna's überdrüssig, wie es Leute gibt, die des preussischen Manna's, der Schwadengrütze, müde werden können. Das Manna, es sei das israelitische oder das preussische, in Ehrenallein wer es dazu hat, dass er alle Tage Haselhühner essen kann, dem müssen sie wie unser einem die grauen Erbsen werden.

Man sagt, wenn es am besten schmeckt, soll man aufhören, und wahrlich, so ist's mit dem Leben. Beim Leibgericht verdirbt man sich am ersten den Magen. – Die Leibgerichte der Vornehmen könnte man am füglichsten nennen: d e r T o d i n T ö p f e n , und von den ausgewachsenen Bäuchen der Landpfleger heisst es: ü b e r t ü n c h t e G r ä b e r . Habt ihr schon, meine Lieben, einen dicken Bauer, einen dicken Organisten und einen dicken Schneider gesehen? In unserm und den drei uns benachbarten Kirchspielen ist keiner aufzutreiben, und überhaupt ist so was ein seltener Vogelallein bei uns, die zu Pharaonis magern Kühen gehören, sitzt das Uebel wo anders. – Wo sitzt es immer bei Reichen oder Armen, Vornehmen oder Geringen? – Wir füttern alle durch die Bank den Tod, Selten ist eine Hochzeit, wo nicht was Trauriges Wenn es nicht schmeckt, sieht man gern ein VierL u f t und e i n B l i c k i n d e n M o n d ist das wenigste. – Wer recht müd' ist, liebe Nachbarn, legt sich lieber, als dass er essen und trinken sollte. Der hört die Kugel nicht, den sie trifft, der sieht den Blitz nicht, den er erschiesst. Ich glaube, es hat noch kein Mensch recht gewusst, wenn er stürbe. – Weg sind wir! Der Tod ist, die Sache beim Licht genommen, eben so ein Werk der lieben, gütigen natur, als das Leben, und der Schlaf eben so gut als das Essen. – Wer nicht schlafen kann, kann auch nicht essen; allein wenn es möglich wäre, dass jemand immer schlafen könnte, so würde' er nicht essen dürfen.

Wollt ihr die Sache ins Feine haben, denkt euch die Jugend als Frühstück, die Jünglingsjahre als Mittags-, bis männlichen als Vesperkost, das Alter als Abendbrod. – Da liesse sich viel, b e s o n d e r s b e i m M i t t a g , anbringen; allein denkt der Sache selber nachund fasse jeder in seinen Busen, wo ich das meiste, was ich gesagt, herausgenommen.

Lasst uns, lieben Freunde, nicht zu viel essen, damit wir sanft schlafen können. Man sitzt höchstens eine Stunde am Tische; wer schläft aber nicht gern seine sieben Stunden?

Manche Blüte, die schon angesetzt hat, fällt ab, weil ein böser Junge, indem er nach einem Vogel wirft, die kernfrische Blüte trifft. Viele vergeuden ihre Jugendkräfte und sind Lebensdurchbringer. – – Wie der Baum fällt, so bleibt er auch liegen. Sorgt nicht für den andern Morgen, sonst verliert ihr den heutigen und den folgenden Tag, und wer weiss, ist nicht der Tag, da ihr am meisten für den folgenden sorgtet, euer jüngster, euer letzter Tag!

Hiermit verlassen wir dieses Grab. Gewiss, Freunde, ein denkwürdiges Grab! – Fliege vorbei, du Geier und Habicht, und wenn du in diese kalte Gegend (wo der Dr. Luter gewiss an Holz in der vierten Bitte gedacht hätte, wenn er in L – Organist gewesen), wenn, sag' ich, du in diese kalte Gegend dich verirren solltest, auch du, Adlerund all' ihr unheiligen Vögelallein ihr heiligen, Nachtigall, Lerche und Schwalbe, setzt euch auf diess Grab, wär's auch nur, weil Christenleute Minen das Geleit gegeben und an ihre Brust geschlagen und gebetet:

Was ich gelebt hab', decke zu,

Was ich noch leben soll, regiere du.

Man fängt die Grabschriften mit W a n d e r e r an, warum aber nicht mit R e i t e r ? – Reiter so gut als Wanderer, und auch du selbst, der du mit S e c h s e n f ä h r s t – hier ruht ein Mädchen aus fremden Landen, sie fand hier den Tod, auch du wirst ihm nicht entwandern, entreiten, entfahren. – Ihr habt alle e i n e n Wegalle z u m grab! eine gesegnete Mahlzeit. Schliesslich