heisst: wir leben, und wir leben, das heisst: wir essen und trinken. – Die liebe Seele ist beim Leben nur, so zu sagen, zu gast – in der andern, oder in der Seelenwelt – soll der Leib der Seele Kostgänger werden; denn wie man liest, so wird unser Leib was Extrafeines sein. So ein Unterschied, wie zwischen H i r t ' s L i s e und der G r ä f i n F r i e d e r i k c h e n – ihr kennt beide, meine Lieben. Mir ist bange, wenn ich die Gräfin Friederikchen ansehe, dass mein blick ihr einen Fleck machen wird, so fein ist sie; man hat nicht das Herz sie anzusehen.
Wenn wir auf diese Welt kommen, heisst es, wie vor Tische:
"Aller Augen warten auf dich, Herr, du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit, du tust deine milde Hand auf und sättigest alles, was lebet, mit Wohlgefallen."
Die jungen Raben sperren den Mund gegen Himmel auf, als hochgähnten sie, und schreien den lieben Gott an, wie unverschämte Bettler uns. Kleine Kinder, das hab' ich an meinem Caspar gesehen, der sich wieder erholt hat und dick und fett ist – ja, ich wollte von kleinen Kindern sagen – die sehen nicht gegen Himmel – ich dachte schon, das käme wegen der Erbsünde und weil wir uns dem lieben Gott entwöhnt haben; allein ich besinne mich wieder – denn nicht wahr? alles was saugt, sieht auf die Mutter, und sein blick kommt erst durch Umwege zum lieben Gott. – Wer in die Höhe steht, ist gleich ein paar Zoll grösser. Das wissen die Werber wohl, die uns Angst und Furcht genug einjagen. – Ist aber je ein Rabe, wenn ihn gleich seine Eltern nach Rabenart behandeln, Hungers gestorben? Habt ihr je so was von der kleinsten Mücke gehört? Ich nicht. Und doch sagt man von Menschen, dass sie im eigentlichen Brodverstande Hungers gestorben sind. Dass sich Gott über solche Bengel erbarme, die nicht wert waren junge Raben zu sein! – S e y d i h r n i c h t m e h r , d e n n s i e ? hätte man auf das Grab dieser Verhungerten schreiben und ein Nest voll junger Raben, eben im Gebet begriffen, aushauen sollen. Sterben wir, liebe getreue Nachbaren und desgleichen, sterben wir, so heisst es, als wenn wir vom Tisch aufstehen und das T i s c h t u c h , bald hätt' ich L e i c h e n t u c h gesagt, zusammenlegen:
Wir danken Gott für seine Gaben,
Die wir von ihm empfangen haben,
Und bitten Gott, unsern lieben Herrn,
Er woll' uns allzeit mehr bescher'n.
Er speis' uns stets mit seinem Wort,
Damit wir satt werden hier und dort.
Ach lieber Gott, du wollst uns geben
Nach dieser Welt das ewige Leben.
Kann ein besseres T o d t e n - oder B e g r ä b n i ss l i e d sein? sten Paar mit dem hochgebornen Herrn ging, mag wohl wissen, wie's in Curland bei Begräbnissen gehalten wird; von unserer Manier weiss er keinen Teelöffel aufzuwaschen, das ist ein Löffelchen wie mein kleiner Finger. – Der Jüngling würde mich sonst ersucht haben, ein Wort aufs Grab zu sprechen, das mir immer zusteht, wenn die Leiche nicht ins Gewölbe kommt, sondern in die Kirchhofserde. – – Ich sag' es nicht des Gewinnstes wegen, denn seine Schöne (Ende gut, alles gut, sonst wäre noch mancherlei und manches davon zu sagen, dass er sich ihr und sie sich ihm verpfändet hatten; mein Sohn sollt' es nicht versuchen! doch sie ist tot), seine Schöne, seine verstorbene Wilhelmine ist eines Geistlichen Tochter und er Predigers Sohn; wie ich, wiewohl alles nur durchs Schlüsselloch, gehört habe. Eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus. Ich hätte keinen Dreier genommen, ob ich gleich es eben jetzt zum Fuder Holz nötig habe. – Doch wenn ihr Nahrung und Kleider habt (an Holz ist nicht gedacht, wie es denn auch unser Glaubensvater Luter bei der vierten Bitte, Gott weiss, warum, ausgelassen hat), so lasset euch begnügen.
Was ich also heute rede, das rede' ich von Herzen; denn ich hab' es oft und viel bemerkt, dass meine Grabreden oder Leichenabdankungen nicht ohne Segen geblieben.
Gott verzeih' mir die Sünde! Manchmal dachte' ich, wenn ihr alle aufs Grab weintet, so, dass die Tränen ordentlich drauf zu kennen waren, der selige Mensch werde bald aufgehen – und ich hätte die Ehre gehabt, diese Pflanze Gottes auf seinem (nämlich Gottes) Acker zu begrüssen.
Wenn man recht herzlich weint, hat man nicht Zeit, an einen Schwamm zu denken; und es ist wahrlich ein schöner Anblick, so natürlich weg weinen zu sehen. – Aber wieder auf das Leben und die Mahlzeit zu kommen.
Kennt ihr, lieben getreuen Nachbaren und dessgleichen, kennt ihr was Angenehmeres als eine gute Mahlzeit? – Ich glaube, es tut den Engelchen leid, wenn sie uns essen sehen, dass sie es nicht auch können. – Der liebe Gott hat uns alle, nach dieser