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stand dicht am Sarge:

Gehabt euch wohl, ihr meine Freund',

Die ihr aus Liebe um mich weint. – –

Die ganze Gemeinde antwortete mit dem lied:

Nun lasst uns den Leib begraben.

und so ging es durchs ganze Lied hindurch. Es waren zwei G e h a b t e u c h w o h l S ä n g e r und zwei G e h a b t e u c h w o h l S ä n g e r i n n e n in der L – Gemeinde, die bei dieser Ceremonie weiss gekleidet waren, ein Alter, eine Alte, ein Jüngling, ein Mädchen. der Prediger, nachdem wir Minen in ihre Schlafkammer begleitet hatten, die Art billigen werden, einen toten redend einzuführen und ihm Abschiedsworte in den Mund zu legen; wenn wir aber hoffen, dass die Seele in Gottes Hand sei und lebe, warum nicht?

So viel weiss ich, dass mich dieser Ueberfall anfangs erschüttert, nachher sanft bewegt hat.

Die Strophe:

Mein Elend, wie auch mein Beschwerd',

Wird nun verscharrt mit kühler Erd'.

was für Tränen hat sie mir gekostet! – Am meisten rührten mich folgende Stellen:

In dieser Welt war Angst und Not,

Bekümmerniss, zuletzt der Tod.

Nun aber schwindet alles Leid,

Und folget drauf die Ewigkeit.

So lasset mich in stolzer Ruh',

Und geht nach eurer wohnung zu.

Bedenkt, wie bald euch Gottes Hand

Versetzen kann in diesen Stand.

Und dann die letzten Worte:

Ich scheide, lebet alle wohl,

Seid hoffnungs-, liebe-, glaubensvoll;

So kommt er selig in das Grab.

Was mich, versunken in Empfindungen, bei der Es war die Gewohnheit in L –, dass die Kirche nie

Der ewig reiche Gott

Woll' nun bei unserm Leben

Ein immer fröhlich Herz

Und edlen Frieden geben,

Und uns in seiner Gnad'

Erhalten fort und fort,

Und uns aus a l l e r N o t h

Erlösen h i e r und d o r t . Amen! Amen!

Die Leiche ward ohne Gesang von den Alten hinE r d e u n d w i r s t z u E r d e w e r d e n ! Das lag darin.

Der Pastor sprach die Kollekte nach der ersten Schaufel Erde, und den Beschluss machte das Lied:

O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen,

Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen.

Ihr seid entgangen

Aller Not, die uns noch hält gefangen.

Und nach diesem lied gingen wir u n s e r e r W o h n u n g zu. Der Graf und ich waren beim Hingang ein Paar, beim Rückwege schloss sich der Prediger uns an. Ich bückte mich tief gegen den Haufen Begleiter und Begleiterinnen. – Jedes, das mich ansahe, bedauerte meinen Verlust und schien es zu empfinden, was ich verloren hatte, ohne dass es jemand, ausser dem Pfarrhause, e i g e n t l i c h wusste.

Der Graf wollte mir seine E i n r i c h t u n g (wie er bemerkte, mich zu zerstreuen) noch näher eröffnen, und fing schon an, dass sein Bette wie ein Gewölbe gestaltet und dass in den Zimmern, die er selbst unmittelbar inne hätte, U r n e n und S ä r g e der Zierrat wären; allein ich weiss selbst nicht, wie er auf einmal auf die u n v e r b r e n n l i c h e L a m p e , das ewige G r a b e s f e u e r , fiel. Er versicherte mich, dass er schon sehr lange auf diese Art Lampen gedacht hätte, welche man zuweilen in den alten Gräbern angetrofIch kann es nicht läugnen, dass mir der Umstand morgen dir.

Nach unserm Hingange hatte der Organist eine Rede aus dem hut gelesen; ich habe nichts verloren, dass ich sie nicht aus seinem mund empfangen, denn ich war an diesem Tage nicht zum hören aufgelegt. So wie ich sie meinen Lesern mitteile, erhielt ich sie vom Verfasser noch den nämlichen Abend. Er ass den Abend mit uns beim Prediger, und wir wurden, der bittern Stellen unerachtet, wie er selbst sagte, H e r z e n s f r e u n d e . Aus Erkenntlichkeit will ich diese Abdankung zur Beilage B. erheben.

Beilage B.

Abdankung des Organisten in L –.

Ich möchte was drum geben,

So wenig es auch ist,

Denn dass ich blutwenig habe, ist euch bekannt.

Allerseits nach Tugend und Alter lieb

und werte Nachbaren!

Und wenn man mir noch obenein die Leichenabdankungen entzieht, wie es heute (unter uns gesagt) schier den Anfang genommen, so werde' ich wohl am Ende gar nichts drum geben können.

Und doch möchte' ich was drum geben, wenn ich fein der Erste gewesen, welcher das menschliche Leben mit einer M a h l z e i t verglichen hätte.

Gelt, es ist ein schmackhafter Vergleich?

Indessen haben ausser mir schon andere kluge Leute diesen gesunden Einfall gehabt und wohl gewusst, was gut schmecke; denn in Wahrheit, es ist der natürlichste Gedanke, den ein Mensch, wenn er nämlich einen gesunden Magen im leib hat, nur haben kann. Wir essen und trinken, das