zu seiner Zeit. Hast du aber nicht bemerkt, Greger, die Blätter sträuben sich lange und trotzen dem Herbste, fällt aber das erste gelbe Blatt, fallen ihm mehrere nach, bis der Baum nackt und bloss steht. – Ich bin bereit, mein Weib ist bereit. O wären wir die ersten, die nach diesem gelben Blatte fielen! Ruhe wohl, Jakob, du bist, so klein du warest, eines christlichen Begräbnisses wert und eines Leichenschmauses. Fromm wollen wir reden, Nachbar, und das letzte Glas wollen wir trinken auf ein seliges Ende.
* * *
Tanne, warum so stolz unter deines Gleichen? Warum Meuterei wider die königliche Familie der Eiche? Ich, dein Landsmann, aus Norden gebürtig, wie du, finde keine Hoheit an dir von Fuss bis zur Scheitel. Wenn sanfte Winde dich und alles, was um dich ist, mit einer verstehbaren Sprache beleben, rausche mir zu, was dein Vorzug ist, damit ich's durch den Wiederhall deinen Nachbaren, wer sie auch sind, verkündige, auf dass sie dich ehren, wie die königliche Eiche geehrt wird, und wenn du es verdienst, noch mehr. Sieh an die majestätische, dreihundertjährige Eiche, die die geschichte des ganzen Waldes weiss, da steht sie unerschüttert, trotzt den Stürmen aller Weltgegenden, trotzt allem – nur Gottes Donner nicht; wenn du dich vor jedem Winde bückest und dich windest, kriechst und wie ein Hofmann schmeichelst, damit jeder Wind dich nicht aushebe und deine Wurzel aufdecke allen, die vorübergehen. G r ü n bist du im Winter, wenn die Eiche, von ihrem königlichen Schmuck entkleidet, nach Art wahrer Grösse sich nichts vor ihren Untertanen herausnimmt. Ist aber das Kleid wahre Hoheit? Wo ist dein Wert, wenn auf einem einzigen Eichenblatte sich ganze Geschlechter niederlassen, und du Nadeln statt Blätter zählest? Sieh nicht verächtlich, Tanne, auf die tief unten grünende Waldblume, die, wenn sie im Frühling aufgeht und ringsumher im nackten wald alles öde und leer findet, sich erst im Tau badet, um desto heller und klarer zu dir hinauf zu blicken und das erste B a u m g r ü n zu sehen. Neige dich zu dieser aufgehenden Waldblume, Tanne, die du dich vor jedem nur rauschenden Winde so tief beugest, blicke her auf die Eiche, die keinem Untertan, der zu ihr flieht, Schutz und Schirm versagt, und wenn der in die Höhe strebende Baum von Buben gebrochen wird und sich zu ihr wendet, ihm einen Ast reicht, damit er den Streich verwachse, den der Bube an ihm vollführte.
* * *
Schmetterling, Schmetterling, setze dich! – Sieh den Sperling, der auf dich lauert und seinen Schnabel wetzt, um dich als einen Braten zu essen und Salat von dem Blättchen, wo du sitzest, dazu zu picken. Schmetterling, Schmetterling, setze dich! Ich will dir nicht einen Flügel ausreissen oder einen Fuss, oder dich ängstigen, Närrchen; nein, du bist klein wie ich. G e r g , mein grösserer Bruder, fängt sich grössere Vögel, und er geht nicht mit ihnen um, wie ich mit dir umgehen werde. – Weisst du, was ich will? Ich will dich ein wenig ansehen, schönes Jungferchen, nicht lange. – Ich weiss, du lebst nur kurz, armes Vögelchen, künftigen Sommer bist du nicht mehr, und ich bin schon sieben Sommer alt. – Ich will dich nicht vom Leben aufhalten, armes Vögelchen, aber besehen will ich dich, dein niedliches Köpfchen und dem schlankes Leibchen, und deine Spitzenflügelchen, das will ich besehen, und damit du keine Zeit verlierst, werde ich dir ein Blättchen vorhalten, damit du während der Zeit essen kannst. Schmetterling, Schmetterling, setze dich! Närrchen, ich meine es gut mit dir! Schmetterling, Schmetterling, setze dich!
* * *
Es war einmal ein Edelmann, der ritt stets einen Fuchs; der Edelmann war so falsch wie der Fuchs, und der Fuchs wie der Edelmann. Ein schändlich Paar! Zwar war der Fuchs ein schönes Tier, der Edelmann nicht minder, doch einer schlug so aus wie der andere, und beide waren beschlagen, der eine mit Bosheit, der andere mit Eisen; beide schlugen und trafen Menschen. Der Fuchs hatte einen seltenen Kopf, einen Hals zum Malen, und einen Fuss, gewiss einen niedlichen Fuss! Sein Schweif hing herrlich herab, zum Schrecken aller Bremsen und Fliegen, die er nicht verjagte, sondern auf der Stelle todtschlug. Auf seinem rücken war ein Bremsenkirchhof. O des prächtigen Schweifs! Der Edelmann, gewachsen wie eine Birke, hoch und gerade, sein Gesicht braun wie eine Eichel, wenn sie rein und reif ist, und seine Hand noch brauner; nichts an ihm verunglückt, kein Fleck, nichts Schiefes an ihm, wie ein ausgewachsener Halm im Kleinen, war er im Grossen gerad bis auf sein Seitenhaar, das kraus lag in natürlichen Locken. Man glaubte, die liebe natur hätt' es mit ihnen zu einem Knoten angelegt und sie wären im Zuziehen gestört worden.
Sein Auge meld'te jedem an,
Es sei der Mann ein Edelmann.
Nur die Augenbraunen waren wild gewachsen, sehr wild! Da lag das Böse vom Edelmann; denn wenn er gleich schön von aussen war, so hatte er doch einen innerlichen Schaden. Sein Herz war eine Mördergrube, und von aussen stand