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nicht. Wir sind Helden, Freunde, weil wir fliehen, weil wir uns verbergen tief im Gesträuch. Je tiefer, desto heldenmütiger!

Ist Luise nicht eine Heldin, weil sie betrübt ist bis in den Tod, weil sie ihre stimme verloren hat? Und was weiss sie? Weiss sie mehr, als dass ihr Geliebter im feld ist? Weiss sie seinen Tod? Weiss sie die Losung: Kreuz, Grab, Tod!

Luise! sie ist es, Freunde. O wäre es ihr Geist, dann wären F r a n z und L u i s e doch bei einander! Wie hat ihr Gesang sich verändert! Hätte ich sie nicht gesehen, durch das Gehör hätte sie niemand gekannt, der singen kann, niemand, der nur singen hören kann. Luise! Luise! Seufzt ihren Namen, Freunde, seufzt inwärts; so wie der Seufzer aus dem Herzen kommt, stosst ihn ins Herzsie könnte uns sonst merken und wir wären verloren. – Auf unserer Stirn würde sie lesen, was sie nicht wissen soll. Wir wären ihre Mörder. Die geheimen Worte: K r e u z , G r a b , T o d sind uns angeschrieben an der Stirn einmal, zweimal, dreimal, überall. – Stecket die Köpfe ins Gebüsch! J ü n g l i n g , du hast noch zu wenig Kreuz gehabt, du verstehst nicht Seufzer zu dämpfen, lerne es von uns, du wirst es benutzen. Freunde, wenn euch die hände zittern und die Füsse auch, schlagt sie ins Kreuz, damit einer den andern halte und Luise nichts merke! – Ins Kreuz, Freunde!

Wo bist du, F r a n z ? Wo bist du hin, Falscher? Du liebst den Krieg mehr als mich, den Tod mehr als das Leben! Wo bist du? – Du hast deine Geliebte verlassen, die nach dir zielte, wie ein Jäger nach wildnach dir sang, wie die Vögel im Frühling nach einander singen, bis sie sich gefunden haben. Wo sind deine Schwüre, deine Verwünschungen, Unglücklicher? Was hat der Krieg, das dich reizen konnte, da du mich hattest? Dein Leben gehört Gott, dir und mir, oder besser, Gott, mir und dir, und keinem von uns dreien gibst du es; du bringst es dem Vaterland! Kennst du diess Ungeheuer? Ich kenne es nicht, ich mag es nicht, ich will es nicht kennen, dieses blutdürstige Tier, das seinen Weg mit Menschenleichen pflastert, um weich zu treten, und an verwüsteten Feldern und an ausgebrannten Wäldern seine Luft sieht, das jedes Grab hasst, weil es lebt. – Vaterland, wie hässlich bist du! – Auch meinen Geliebten hast du auf deiner Seele, wenn du eine Seele hast. Vaterland, du wohnst in einer Mördergrube! Franz, wie konntest du dich verleiten lassen? E h r e ? Was ist Ehre? Weisst du es? Ich weiss es nicht. – – Wer uns in die Augen ehrt, ehrt uns der? Und wer's tut, wenn wir nicht dabei sind, ehrt uns der? Weiss dieser Fels, wenn ich sage: ein schöner Fels, und richtet sich die abgehauene Tanne in die Höhe, wenn ich sage: ein trefflicher Baum? hören wir, wenn wir gestorben sind? Und was ist die Ehre, wenn wir nicht hören können? Du hast falsch Geld eingewechselt, Franz; schäme dich, dass du gestorben bist! Doch bist du tot, Franz? Rede doch, ich ringe meine hände, ich halte sie gegen Himmel, ichwas weiss ich, was ich tue. – So rede doch, Franz, bist du tot? lebst du? Verzeihe einem weib, dass sie nicht männlich denkt. Du hattest zwei hände, eine für mich, eine für deine Pflicht. Es war Pflicht, dass du in den Krieg gingst; du hattest dein Wort eher der Fahne als mir gegeben. Verzeihe mir, Franz. Ich sah dein l i n k e s Auge in Tränen, da du Abschied nahmst; im r e c h t e n war Mut. Eine Hand war stark, die andere sank. O Franz, Franz! wenn wir uns doch eher gekannt hätten! – Vielleicht hättest du dich mit keiner andern Pflicht vermählt, als mit der, mich zu lieben. – Die schöne Pflicht! – Ist sie nicht schön? Traurig schön! O wenn du leben möchtest, dochdu lebst nicht, du bist tot! tot! tot! Ich sah dich kämpfen, du edler Kämpfer, ich sah dich mit vielen zugleich anbinden. Ich sah dich kriegen, edler Krieger, ich sah dich den g a n z treffen, der dich h a l b traf, den stürzen, der nach dir schlugich sah Blut und Schweiss, beides edel zusammenrinnen und vor deiner Stirn stehen, und da der Zufluss zu stark war, es von deinen Wangen herabtauenich sah, o Gott! ich sah dich die Knie steifen, die schon zu sinken anfingen! Wie bleich, welche Blutdürre auf deinen Wangen! wie welk! Tod, da liegt er! Das dachte ich wohl, ich dachte es, Geliebter, dass du sterben würdest. – Schreckliche Ahnung! doch war es bloss Ahnung? Es war ein Zeichen vom Himmel;