mich Raum ist. So bete er, wenn er diess Kreuz sieht, und sanft und selig gehe er dann zur Ruhe. Mond, den frommen Pilger, der nicht mehr die Kirchentürme der benachbarten Stadt erreichen kann, den der Tod auf dem feld überrascht, Mond, diesem Pilger leuchte nach haus, diesem Pilger sei diess Kreuz ein Kirchturm des himmels. Mond, lass es diess jedem Kreuzträger sein und jedem Bösewicht ein Schreckbild, damit er an seine Brust stark klopfe und umkehre und gut werde, und endlich, Mond, wenn unser Land Helden braucht, lass sie von diesem grab ausziehen, und wenn blutdürstige Feinde wie Heuschrecken uns überfallen, dann verhülle dein Haupt und dreimal blitze es um diess Grab. Da sage dann ein Ehrenmann im volk: So wie dieser Blitz, so blinkte mit dem Schwerte, der da oben begraben liegt, da oben, nahe am Himmel; und wie ein kaltes Fieber im Frühling in die Glieder fährt, ehe man es merkt, so fahre Furcht und Schrecken in die Feinde, wenn sie das Grab und das Kreuz darüber im Blitze sehen! Das ist anders als ein M o n d s c h e i n ! Du bist derselbe, wo man steht und geht, weit a u s s e h e n d e r M o n d ! Sei den Freunden des Helden, uns, den edlen Todtengräbern, sei ein Spiegel, in dem wir das Grab und das Ehrenzeichen darüber immer sehen, wir mögen stehen und gehen, wo wir wollen, und auch in deinem letzten Viertel. – Bitte ich zu viel, so denke, wie nahe wir diesem grab verwandt sind. – Auch in deinem letzten Viertel sei diess Grab bis zur Hälfte zu sehen, bis zur Hälfte! – Genug, Freunde; M o n d , K r e u z , G r a b ! das sei unsere Losung, bis auch wir begraben werden im stillen Tal, wie es uns geziemet. Ein kleines Gräblein, das sich nichts über das Tal herausnehmen und kein Hügel sein darf, sei unser Haus. Ein Orden, ein Kreuz gebühret nur Helden. Wenn der Geisterseher, der seelenvertraute Mond, wenn er mit den Gräbern der Helden fertig ist und noch einen blick übrig hat, er wird ungebeten mit ein paar holden Strahlen unsere Gräber beehren, damit ein Minnesänger unser Ruhetal bemerke und, auf unser Grab durch heilige Ahnung gebracht, ein Grablied auf seine Geliebte singe und auf sich selbst eins, weil jene ihm starb.
Dank sei euch, ihr Treuen, ihr Lieben des Helden, die er beschützt hat! Wir haben eine heilige Pflicht erfüllet und Ehre gegeben, dem Ehre gebühret, und einen Helden und einen Berg verbunden. – Gleich mit gleich. – Lasst uns froh heimkehren; denn es lässt nicht, wenn Helden weinen, und wer kann einen Berg mit Tränen im Auge ansehen? wer? Er hat überwunden und ist mit Ehren vom dritten Tod überwunden. Noch eine Pflicht liegt uns ob, diess Grab zu verhehlen seiner Vielgetreuen. Was wir können, kann sie nicht. Sie ist so sehr ein Weib, als er ein Mann war. kommt, Freunde, sie könnte uns überraschen; kommt! Warum seht ihr euch um, Freunde? Kein Held sieht sich um; kommt! Wir nehmen den Mond mit.
Weh! weh! Ist es nicht ihr Silberton? versteckt euch – doch nein, es ist eine Nachtigall, die auch den Geliebten verloren hat. Solch ein paar Stimmen, L u i s e n s und der Nachtigall, sind leicht zu verwechseln. Schluchze nicht, kleine Betrübte, dein Geliebter ist nicht im feld gewesen, da fällt nur, was vortrefflich und ehrlich unter den Menschen ist; du wirst ihn wiederfinden, allein L u i s e nicht ihren Geliebten.
Was für ein Geschrei? Ist es eine Taube, die nach ihrem Gatten girrt? Ist es ein Käuzlein, das erbärmlich sich hören lässt? Ist es beides? Ist es keines? Ha, Freunde, sie ist es, es ist Luise! Gott, wie verändert! Aus einer Nachtigall, was ist sie worden? kommt, lasst uns fliehen – fliehen – fliehen! – Unsern Freund haben wir sterben sehen, Luisen werden wir nicht leben hören können. kommt, Freunde! Auch du, A l t e r ! Nimm dich zusammen, gib deinem Sohn die Hand, damit er ein Stück von dir übertrage. kommt, kommt alle! Du starrst, Geliebter, du starrst! du vor allen G e t r e u e r ! Was ist mein Gesang gegen dein Gesicht? Lass es mich abschreiben, ich bitte dich, lass! Dann haben Kinder und Kindeskinder ein Muster von edlem Schmerz. Doch seht, es bricht sich Tod und Leben auf deinem Gesicht, mein Geliebter, mein Freund! Gottlob, die Herzensblutschleusse ist nicht mehr gehemmt, sie ist wieder aufgezogen und es fliesst Blut in dein Gesicht. – Ach, Geliebter, soll ich, soll ich weiter singen? Es ist Luise, Freund, sie ist es! Kann ich? soll ich? Flieht, Freunde, sie ist uns nahe! Verbergt euch in das Gesträuch tief – tiefer! – Freunde eines Helden fliehen? verbergen? Doch, einem weib zum Besten, dem weib eines Helden zum Besten? Solch ein Weib können nur Memmen aushalten, Männer