So tot sind nur wenige; denn sonst würde es nicht schwer sein, zu sterben.
Du hast gesiegt, Held, du hast den Feind überwunden, und zwei tod, zwei tod starbst du, ohne zu sterben, dem dritten musstest du nachgeben. Du warst matt. – Ist's Wunder?
Gönnt der heiligen Stelle die Ehre, dass er noch länger darauf liege. Sie ist warm durch ihn worden, lasst sie auch kalt durch ihn werden. Der warme Tag ist schön, der kühle Abend auch. Und dann scharrt ihn nicht ins Tal; auf jenen steilen Berg, wo wenige hinauf können, keiner, der einen kurzen Odem hat, da scharrt ihn auf die Spitze, damit er den Berg noch grösser mache. Er war Berg im Leben und nicht Tal, und muss bei seines Gleichen im tod.
Wie, du willst ihm die Augen zudrücken? Lass sie starr, wie sie sind, lass sie, Freund. Die Sonne bleibt Sonne, wenn sie gleich verfinstert ist, und auch ein Viertel vom Mond ist Mond. Lass sie so starr, wie sie da sind. Ihre Seele ist weg, allein sie haben noch was, das viele Augen mit Seelen nicht haben. Es wohnte eine grosse Seele in ihnen, und das sieht man jedem haus an, wenn schon der, welcher es baute, lange tot ist. Aendere nichts – was die natur will, sei auch dein Wille. Willst du was tun, setze oben über sein Grab ein Kreuz, das ist das grösste Zeichen, was mir bekannt ist; ein Krone hat auch ein Pfau. Mache diess Kreuz gross, damit es in der See gesehen werde, und Schiffe, die sich verirren, diess Kreuz als Wegweiser ehren und sich freuen, wenn sie es sehen.
Lebe wohl, Streiter! Erzähle den Geistern des himmels, die nie gestorben sind, dass es auch gut sei zu sterben, damit sie den Sterblichen nicht verachten, weil er sterblich ist. Die Engel, die dich tot gesehen haben, kannst du auf mein Wort zu Zeugen rufen. Erhabener Todter, man achtet das Leben nicht, wenn man dich sieht! O möchtest du nicht verwesen! du solltest ewig dazu dienen, den Furchtsamen zu steifen und jeden zu lehren, dass nicht jeder auf gleiche Weise tot sei. Dir sieht man es an, dass du nicht aufhören kannst, dass du nicht aufgehört hast. Es stirbt nicht jeder auf gleiche Weise, es lebt nicht jeder auf gleiche Art. Stiller Mond, diess grosse Grab empfehle ich dir; du siehst viel, was die Sonne nicht sieht, du bist ein Sonntagskind und kannst Gesichter sehen, die sonst niemand zu sehen versteht. Du siehst fromme Geister, wenn sie um die Gräber der Ihrigen wanken, die sie noch nicht in dem weiten Himmel aufgefunden haben; du siehst, wenn sie sich von ungefähr treffen und wenn sie den himmlischen Bund machen: "Wir lassen uns nicht in Ewigkeit." – Du siehst erkenntliche Geister, die ihren Ueberrest, ihren verwesenden Körper, besuchen, die Stück vor Stück von ihm Abschied nehmen und ihn bedauern, dass er Körper war und dass er gestorben ist. Rührend muss es dir sein, lieber Mond, rührend, so was zu sehen, wenn Geist und Leib sich zusammen finden und sich nicht mit einander besprechen können; wenn die Seele erkenntlich sein will gegen ihren guten Freund, den Leib, und es nicht sein kann. Oft habe ich einen Freund auf dem Brette gesehen, mit dem es mir fast so ging, als dem Geist mit dem Erde werdenden Körper, – Da wankt der Betrüger, der der armen witwe den Acker abgränzte. Gern möchte er sie mit einem dreimal grösseren Stück entschädigen; kann er? will sie? Noch haben sie sich nicht begegnet, allein wenn auch; hat sie denn jetzt nicht mehr als er?
Hier wankt ein Geist, der als roher Jüngling ein warmblütiges, zu leichtgläubiges Mädchen ins Verderben zog. Bald war ihr Jammer vollendet; sie starb, ohne dem Verräter Vorwürfe zu machen, die Abgezehrte! Ihr Auge durfte nicht zugedrückt werden, es war so tief gesunken, dass man es nicht mehr sehen konnte; es war ein eingefallenes Grab. Sterbend rang sie ihre verwelkten hände und bat um Gnade bei Gott und den Menschen. Die Menschen erhörten sie nicht. Mit Spott und Schande ward sie begraben; aber jetzt hat sie ausgerungen, ihre Leiden sind geendigt. – Wann werden die deinigen geendigt sein, Unglückseliger? wann? – Im Traume sieht man alles grösser und näher, und so sehen Geister auch. Desto besser für den Guten, desto schlechter für den Bösen und für dich, Mörder! Unglückseliger!
Das alles, Mond, Seelenfreund, das alles siehst du als Sonntagskind; und was siehst du nicht unter den Lebendigen? Doch du bist verschwiegen, ich will es auch sein.
Wenn der von seinen ungeratenen Kindern verstossene Greis die hände gegen Himmel über sein Haupt zusammenschlägt und sich nach einem seligen Ende sehnt, wenn er laut betet: "Es ist genug, Herr, lass mich ruhen, ich kann nicht mehr!" dann bestrahle das Kreuz auf diesem grab, mache es ringsumher hell und klar, denn in des Greises Augen ist Abend worden. Es war nicht Raum in der Herberge für mich Unterdrückten in der Welt. Gott, nimm mich in den Himmel, wo für