1778_Hippel_037_239.txt

laut freut, wenn er geht und wenn er kommt? Alterchen, nur Sonntags reite ich. Gehört denn der Sonntag dir, Vaterchen? Nur Sonntags reite ich zu meinem Mädchen, nicht mit deinem Schwarzen, den schone ich, wie mein Auge im kopf. Ich reite geschwind zu Hannchen, und du willst, dein Liebling, der Schwarze, soll so gehen wie du, Alterchen, ob er gleich nur sechsjährig ist. Lass mich reiten und schilt nicht, ich reite nur Sonntags, ich reite zum lieben Gott, und auf diesem Wege treffe ich Hannchen und ihre Mutter.

* * *

Mein Vaterchen, mein Trostchen, bist du vor'm Tore gewesen? Da ist's glatt und schlüpfrig; wer da geht, fällt schneller, als auf dem blanken Spiegeleise. So ist's den ganzen Sommer auch, wenn die Erde ringsumher brennt, wie ein Backofen. Immer glatt und schlüpfrig, wie Lehm, wenn er zum Haus angeknetet wird. Weisst du auch, wie es glatt und schlüpfrig ward, Vaterchen, mein Vaterchen? Eben da, da, wo es jetzt glatt und schlüpfrig ist, gab mir P e t e r den Silberring bei Mondenscheinso schön Silber, wie der Mond; ich hielt beide zusammen und prahlte mich gegen den Mond. Silber ist Silber. Da, eben da verlor ich mich selbst, meine Unschuld, mein Leben, es ist alles eins. – Der Bösewicht schwur und fluchte, als er verführte, Phylax, nimm kein Brod von ihm, und wenn er mit frischer Maibutter es auch salbt, nimm nichts vom Bösewicht, der spotten konnte nach der Tat. Du weisst, er spottete auch dein, Vater, und deiner gesprenkelten Haare. Den Ring hab' ich an der schlüpfrigen Stelle vor'm Tore verworfen, verworfen vor'm Tore, wo es jetzt glatt und schlüpfrig ist. Alles war da schön, grün und gelb, wie der Bösewicht mich verführte; aber ich weinte, Vater, ich weinte, und weinte von Herzen sehr, ach, sehr! – Gleich, Vater, ist das grüne Plätzchen morastig worden, seitdem ich die erste Träne darauf fallen liess, und so glatt und schlüpfrig, dass alles fällt, was drauf geht.

* * *

Wo bleibst du, mein Liebchen? wo? Schreien darf ich nicht, sonst möchte' es meine Mutter hören, die mich zu Greten zwingen will, weil ihre Eltern Acker haben und du nur gesunde hände. N u r ? das sei Gott geklagt, n u r zu sagen, wenn man von gesunden Händen spricht. Schreien darf ich nichtallein ich rufe: Liebchen! Liebchen! so wie ein Zeisig: Liebchen, Liebchen! wo bleibst du, mein Liebchen? wo bleibst du? wo? Schreien darf ich nicht, aber der schöne Abend, lispelt er's dir nicht ins Ohr, dass ich warte, dass ich nach dir sehe' und nach dir laufe? – Ha! da kommt sie! Nein, ein Stieglitzchen, leichtleicht wie du, mein Liebchen. – Wo bleibst du? wo bleibst du, Hannchen? Hast du ihn abgeschickt? Vögelchenweg ist er. – Er kam nicht von dir, wär' er nicht sonst geblieben? Schreien darf ich nicht, aberhörst du nicht, hörst du nicht, Liebchen, hörst du nicht die Nachtigall? sie ruft ihr Siechen und ruft dich mit. Die Nachtigall kann lauter sein als ich, denn sie hat keine M u t t e r zu fürchten und keine G r e t e . Ich darf nicht schreien, aber du wirst doch wohl so eine deutliche Ausrede, als die nachtigallische, verstehen? Wo bleibst du, mein H a n n c h e n ? wo? Alle augenblicke denke' ich, da, da ist sie! und immer ist's ein Vögelchen, eines schöner als das anderekeins so schön wie du. Wenn du nicht mich, nicht den Abend, nicht die Nachtigall hören kannst, o, wenn du taub über taub bist, höre den lieben Gott; du hast mir versprochen zu kommen und kommst nicht. Weisst du auch, dass wir auf die Nacht Ungewitter haben? Wo bleibst du? wo? Hanne, wo?

* * *

Warum weinst du, Schwägerin? Du hast einen Mann verloren, allein er hat dir drei zurückgelassen; drei Söhne, drei gesunde, starke Jungen, die dich auf ihren Händen tragen, drei brave Jungen, die was tragen können. Gönn' ihm die Ruhe, seine Krankheit liess ihn nicht viel schlafen, da er älter war, und in der Jugend liess es die Arbeit nicht. Er hat in dieser Welt nicht viel geschlafen. Gönn' ihm den tiefen, süssen Schlaf; du hast drei Söhne, lass ihn schlafen, Schwägerin, weine nicht.

Was weint ihr, Kinder? ihr habt nur einen teil verloren, und einen teil habt ihr noch: eine gute Mutterwischt ihr die Tränen; pflegt sie, damit sie nicht auch krank werde, wie er war, und ihr es nicht am Ende selbst von Gott bitten müsst: Ach, wenn sie doch nur stürbe! wer kann sie ringen sehen? wer? wer kann sie wimmern hören? Ach, wenn sie doch nur stürbe! Dann müsstet ihr weinen, wenn ihr