den lieben Gott, dass er mich zu sich nehme. Mein Haus und Hof kommt doch in fremde hände, ich will es jemanden vermachen, der Lottchen ähnlich sieht; denn wo soll ich's sonst lassen? Oft freut' ich mich darauf, e u c h , meine Seligen, von Lotten neue Zeitung zu bringen, wenn ich zu euch käme, zu euch, ihr mir verwandte Seligen! Sie ist mir vorgelaufen. O! wie gut ist's, wie sehr gut, einen von den Seinen auf dieser Welt zu haben! Ist es denn nicht auch Gottes Welt? Diese Welt der Leib, der Himmel die Seele; beides gut. Wer wird nun vor Tisch, wer wird beten, damit mir das Essen gedeihe, da Lotte tot ist? Wer wird mir so schön, so laut vorbeten? wer? wer? Wer wird mir Weib, Tochter, Schwiegersohn, wer Lotte selbst sein? Lotte selbst? Wer wird mir die Augen zudrükken? O ich armer Mann! o ich blutarmer Mann! ich Bettler, ich!
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Komm, Schwesterchen, komm auf den grünen Kirchhof, da liegt mein Mutterchen, dein Mutterchen; wir wollen sie besuchen beim Mondenlicht, wenn gute Geister nachtwandeln und wenn sie in den Mond sehen, in des lieben Gottes Nachtlämpchen. Vielleicht erscheint sie uns – o möchte sie! – vielleicht frägt sie: Was wollt ihr, mein Pärchen, was hier? Dich, ach dich, dich wollen wir! Dann kommt sie wohl mit – und wenn sie nicht vom Kirchhof kann, wenn sie nicht vom grasgrünen Kirchhof will, lass uns bei ihr bleiben, Schwesterchen, bei ihr! H i e r ? O, wenn wir nur bei dir sind, liebes Mutterchen! "W a s w e r d e t i h r e s s e n ? " Grünes Kraut, das steht auf dem Kirchhof über und über. "W a s t r i n k e n ? seht, kein wasser des Lebens ist h i e r !" Den Tau des Morgens, den Tau des Abends wollen wir trinken, und wenn der Tau sich des Morgens verspätet, wollen wir unsere Tränen trinken, die wir so lange weinen werden, bis das Auge uns bricht, wie das deine brach. O, wenn wir nur bei dir sind, nur bei dir, liebes Mutterchen, wir, dein Pärchen, deine zwei kleine Töchterchen, die Treuen!
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Ha! du, du, die Baumschänderin! Sprich, nein, schrei, schrei, damit der hartörige Wiederhall es vernehme und der Gegend ausposaune; schrei: W a r u m ziehest du stellenweis den Bäumen die Kleider, das Hemd aus und die H a u t a b ? Die Haut! Weisst du nicht, dass die Bäume dann in drei Jahren (wenn's hoch kommt) ausgehen an der Schwindsucht – und so langsam sterben, so langsam, als die Leute an der stillen Aergerniss? Sieh her, du hast den Baum geärgert, zu tod geärgert! Und warum die Haut? Z u r F a r b e ! Zur Farbe? Schäme dich, Baummörderin! schäme dich von unten bis an den Hals, und dann ganz voll; schäme dich so, dass du von stunde' an verstummest! Solch eine Entschuldigung! ist die wert, dass sie die Gegend durch's wahrhaft ehrliche Echo erfahre? Trägt dein Vater, du Ungeratene, trägt er nicht einen w e i ss e n Schafpelz? Der unschuldige Mann, der jeden Baum bei Haut und Hemd und Kleid lässt, wenn er ihn nicht in Züchten und Ehren braucht zum Bau oder Brand. Er weiss, was dem Stamm gebührt, der himmelan mit seinem Wuchse stürmt und grösser ist, als ein Mensch es werden kann. Schäme dich, du Baummörderin, schäme dich, Färberin! die natur versteht das Färberhandwerk besser als du; sie weiss, was angemalt werden muss, die liebe Malerin! Z u H a n d s c h u h e n ? Sind denn deine hände nicht weiss? Warum deine Handschuhe anders? Streich die Butter im Sommer weiss und im Winter gelb an. Schäme dich, du Naturbeschämerin, schäme dich bis in deinen Hals! – Bitte den Vater, dass er diesen Baum bald erlöse von all seinem Elende, und dann bleib beim weissen Schaf. Lass dem W a c k e r die sprenglichten und dem A m t m a n n die schwarzen. Es sind viele Felle von Böcken sprenglicht und schwarz. Bleib, wie dein Vater, beim weissen ehrlichen Schaf, und das gnädige Volk lass tragen Marder, Wölfe, Bären, den Herzog Löwen, so trägt alles sein eigenes Haar.1
F r i t z c h e n , mein Bruder, starb. O wenn er noch lebte! o wenn! o wenn! wenn! Welch L i e s c h e n hat nicht ein F r i t z c h e n nötig, ein Bruder Fritzchen? Für ein anderes Fritzchen dank' ich. Seliges Fritzchen, warum nahmst du mich nicht mit? Warum die Nachtigall? warum? – Das Vögelchen verschied in Fritzens Hand. Sie hatten sich sehr lieb – das Vögelchen und Fritzchen. Ich sah sie beide sterben. Der Vogel lauerte recht auf Fritzens Seelchen,