1778_Hippel_037_235.txt

arme Kornblümchen, das mir diese gute Zeitung brachte, wie schlecht belohnt! Ich legte mir an ein Kornblümchen, so blau als deine Adern, wenn du das Hemd an deinem nervigten Arm aufgeschoben hast, so blau als der Himmel, wenn der liebe Gott freundlich aussieht. – Was mich das freut, dass ich's noch an der Wurzel liess, das arme Kornblümchen! Ich wollt' es abreissen und da wär' es noch ärger. Sieh, H a n s , ich muss es nur beichten: ich riss ein Blättchen und sagte: "er ist mir treu," und das andere: "er ist mir nicht treu," und wieder eins: "t r e u " und das andere: "n i c h t t r e u ." Das letzte war: "t r e u , t r e u ! " Du bist mir treu, das hat mir das Kornblümchen zugeschworen. Jammer und Schade, dass die Blätter abgerissen sind! Schade, dass es da im blossen kopf steht! Schön, dass der Stengel noch an der Wurzel blieb! Schön, über alles schön, dass Hans mir treu ist!

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Gottlob, der Junker hat gefreit und G r e t e ist mein! Gottlob, der Herzog ist über Land gezogen! G r e t e ist mein! O Herzog, o Junker! o Junker! o Herzog! Herzog fahr' wohl und Junker fahr' wohl! Du im fremden Land und du im Brautbett. Nun möchte' ich sehen, wer mich überprunken kann, den H a n s bei G r e t e n ! Hört's weit und breit, den möchte' ich sehen, wer dieses kann, wer denken kann: "Ich könnt' es wohl;" auch den möchte' ich sehen, auch den noch, dem es nur geträumt hat: "er könnt' es." Wie Gras will ich sie all' zusammen wegmähen, und wenn's Bäume sind, will ich einhauen, bis sie fallen. G r e t e ist mein! Gottlob der Junker hat gefreit! G r e t e ist mein! Gottlob, der Herzog ist über Land gezogen.

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Ach, dass sich Gott erbarm'!

Nun bin, nun bin ich bettelarm!

Nicht, wie mich im ersten festen Schlaf ein Blitzstrahl erweckte; er schoss mir dicht vorbei, als wenn er sich bei mir, dem Hausvater, melden wollte. Schnell sprang ich auf, und siehe da! mein Strohdach in Flammen! Ich armer, alter Mann! was konnte' ich, was mehr, als meine Freunde und Bekannte aufschreien, die so fest schliefen als ich geschlafen hatte. Ich tat Schrei auf Schrei, und seht! nicht bloss meine Freunde und Bekannten, nein

Jedes, jung und alt,

sprangen so schnell auf, als wenn sie der Blitz erweckt hätte, so als wenn es ihnen überm Kopf brennte, und kamen und löschten das brennende Strohdach meines Hauses. Der Blitz war so gut, zu bedenken, dass ich alt sei und nicht Dächer mehr steigen könne. Er liess sich gern löschen, das dank' ich ihm und noch mehr dem lieben Gott, der den Faden in seiner Hand behält, wenn er den Blitzknäuel auf seinen Erdboden schiessen lässt. Der liebe Gott kennt den alten P e t e r und wollte von seinem haus nicht mehr als eine Handvoll Stroh treffen lassen. Das folgende Jahr war das Gras mannhoch. – War es nicht recht anzusehen, dass der liebe Gott es gut mit dem Peter meinte?

Ach, dass sich Gott erbarm!

Nun bin, nun bin ich bettelarm!

nicht, wie die Hagelkugeln mein schönes Korn niederschossen, das aller meiner Nachbarn Felder übersah. Die Leute waren neidisch auf mich, und mancher mag mir den Tod gewünscht haben dieses schönen Korns halber; und der Tod, dachte' ich zu der Frist, wird von selbst kommen, ungewünscht. Jetzt komme der Tod, wann er will; damals hatte' ich noch Lust zu leben, damals hatte' ich noch Weib und Kind, und das ist Lust zu leben. Erst beneidete jedes mein wohlgewachsenes des vorigen Neides. Jedes wünschte mir langes Leben, und das so rechtschaffen, dass mir hundertmal Tränen das Auge überschwemmten. Man schüttelte mir so ehrlich die Hand, dass sie mir altem mann wehe tat. Am Ende fand ich, dass ich so viel behalten, als die, so der Hagel nicht betroffen hatte.

Ach, dass sich Gott erbarm!

Nun bin, nun bin ich bettelarm!

nicht, wie mir mein Weib starb, die hart an der Kirche liegt, wo ich Weihnachten, Ostern, Pfingsten feiere, indem ich auf ihrem grab den ersten heiligen Tag kniee und bete. Es wird mir schwer, mir altem mann! Zum Glück ist das Grab hoch, und je älter ich werde, desto höher wird das Grab. Sie starb, und ich dachte, ich wäre mitten entzwei geschnitten; doch waren noch da Tochter, Schwiegersohn und mein und ihr Lieschen. Noch schlaf' ich in dem grossen Bette, wo ich mit der Seligen schlief, und wenn ich nicht alle Wochen dreimal von ihr träume, denke' ich, ich sei undankbar und bitte Gott und ihr ab. Ich dachte' ewig zu weinen. Dumm war