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mitzuteilen, hemmt Text und Noten. Es ist ein besonderer Gedankengang in diesem Aufsatz. Die Stellen, die ich herausnahm, sind nicht genommen, weil sie c h a r a k t e r i s t i s c h waren, sondern weil sie eben meinen Empfindungen, da ich dieses schrieb, accompagnirten.

Zur Beilage A. habe ich meinen Lesern diejenigen Stücke bestimmt, die m e i n E n g e l in einer ziemlich angewachsenen Sammlung g e z e i c h n e t hatte. Diese Sammlung war entstanden, wie alle Sammlungen entstehen sollten, ohne dass man zu sammeln dachte. Je nachdem Minen dieses oder jenes Stück gefiel, schrieb ich es i h r auf – i h r . – Viele Stücke sind aus der l e t t i s c h e n G a r b e meines Vaters, die aus lauter curischen zärtlichen Liedlein besteht, die ich halb und halb öffentlich mitzuteilen verheissen habe. Viele sind Uebersetzungen aus andern nordischen Zungen und Sprachen. Mein Vater, der gewiss Naturkenner war, pflegte zu sagen, dass die meisten dieser Stücke (er hat sie alle gelesen) e r n e u e r t und g e h e i l i g e t wären. Zwar gab er sich viele Mühe, alles r o h , u n e r n e u e r t und u n g e h e i l i g e t zu haben, allein dahin war es nicht zu bringen. Manche Stücke sind offenbar Kinder neuerer Zeit; alles und jedes aber ist Uebersetzung. Mein Vater (diess trifft die Stücke aus der Garbe) war, wie wir alle wissen, vor dem Brande nicht musikalisch. Die Uebersetzung seiner bäurisch zärtlichen Liederchen ist, wie ich schon im ersten teil angemerkt, nach meines Vaters Manier. Eine freie Uebersetzung, pflegte er zu sagen, ist nicht hin, nicht her, ist Wein und wasser, wo oft das wasser die Kraft des Weins ersäuft; und doch, setzte er hinzu, muss die Uebersetzung frei sein, in Absicht der Sprache, in die man überträgt. – Ueberhaupt sind alle Uebersetzungen, die ich hier überliefere, mit Haut und Haar deutsch und ehrlich, oder, wie ich mich an einem andern Orte heilsamer ausgedrückt,

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κατα ποδα. Wer mir aber des I n h a l t s selbst wegen etwas anhaben will und sich geberdet, als tue er der K u n s t einen Dienst daran, mag wohl bedenken, dass Gott die Menschen aufrichtig gemacht; allein sie suchen, wie es heisst, viele K ü n s t e . Sie vergessen, dass die Lerche früh aufstehe und die Nachtigall lange aufsitze (schon wollte ich lucubrire schreiben): dass die See b r a u s e und s a u s e , wie meine M u t t e r sich ausdrücken würde, und der Bach sparsam und wohl gar geizig w a n d l e und h a n d l e ; dass der Nord, so wie die helle Sonne, das Gesicht rot mache, als wäre es feurig, und ein Abendlüftchen sich bloss mit den ungebundenen Haaren necke. – – Da verschlage ich wieder in das Feld der A n m e r k u n g e n . Mit den lieben A n m e r k u n g e n ! Macht sie nur, so viel ihr wollt, S c h r i f t s t e l l e r ! auch selbst i h r vom göttlichen Geschlecht, vom heiligen volk, vom königlichen Priestertum, vom volk des Eigentums; darum seid ihr nicht geborgen. Der Kunstrichter findet doch seinen Zaun, von dem er brechen kann, das weiss ich aus sicherer Hand, und wenn es auch nur eine Anmerkung über eure Anmerkung wäre.

Gern würde meine Wenigkeit A n m e r k e r dieser

Art beim Brode lassen; allein e u c h , die ihr nicht im Vorgemach bleibet, sondern weiter dringt, e u c h , P f e i f e r und G e i g e r , die ihr diese unschuldige H a u t - und H a a r g e s ä n g c h e n mit eurem Accompagnement haben und g r o ss - und k l e i n m e i s t e r n wolltwie gern, wie herzlich gern hätte ich Da eben ein Brief von einem R e d l i c h e n i m Wie werde ich wieder auf Beilage A. kommen? Ich G r e t c h e n versicherte, diese Stücke hätten Minchen auf ihrem Lager abgekühlt, wie Früchte, wenn es heiss ist. Die nämliche Freude, die mich bei den S c h r i f t s t e l l e n überfiel, welche in meines Vaters Hand- und Hausbibel g e z e i c h n e t waren, die nämliche Freude belebte mich hier. Auch bin ich der guten Zuversicht, dass d i e s e gezeichneten Stücke meinen Lesern nicht missfallen werden, wäre es auch nur Minchens Z e i c h e n wegen.

Beilage A.

Du bist mir treu, H a n s , treu bist du mir! Ich weiss es, du bist mir treu, aber ach! das