c h anzufangen. Pilatus und Herr v. E. sagen: Was ich geschrieben habe, das hab' ich geschrieben. Schade, sonst würde' ich's auch auf mich anwenden.
Minchens letzte Schrift
aus Gretens Händen.
Das letzte, was ich in dieser Welt schreibe, sei dein. Gott, der Herr, der Herr! sei mit dir! Wenn ich sagen würde, ich ging' ohne Wunsch aus der Welt, noch länger hier zu sein, würde' ich einen falschen Eid vor Gottes Gericht zu verantworten haben. Eng ist die Pforte, durch die ich mich dränge – allein wenn ich durchgebrochen – ich fühl's, was für Erquickung mir entgegenwehen wird. Meine Seele sehnt sich nach Ruhe, nach dem Sabbat! – Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Qual rührt sie an. Ich liebe dich, ich liebe dich! Gern' hätt' ich dich noch in der Welt gesehen und gesprochen – geküsst – jetzt nicht mehr, so gern ich dich sonst geküsst habe. – Deine Hand hättest du mir aber reichen müssen. Ich war immer stark an ihr – und nun hätt' ich die Stärke aus ihr herausgenommen. – Ich sterbe darum getrost, weil ich unserer Liebe wegen Gott geopfert werde und ihm und seinem Gebot sterbe. Ich sterb' einen Märtyrertod und fühl' es, wie weit leichter es sein muss, so und nicht anders zu sterben. Zwischen Tod und Tod muss ein grosser Unterschied sein, das kann ich besser wissen, wie du. – Wir werden uns wieder sehen, Lieber! Lieber! Lieber! Mit diesen Augen werde' ich dich sehen, mit diesem Herzen dich lieben, mit diesem Herzen – wie schwach ist's, sehr schwach! Ich will die letzte Kraft abwarten, das letzte Aufflackern meiner Seele. – Ich habe meinen Geist in die hände Gottes befohlen; so lange ich mich noch ganz besass. Jetzt sterb' ich allmählich! Bald vollbracht! Ihm, dem Vater aller Barmherzigkeit und alles Trostes, sei Lob und Preis für alles, für alles! Er schlägt und heilt, er verwundet und lässt genesen. Oft dachte' ich, er hätte sich von mir gewendet; ich rief und er antwortete nicht, allein er erlöste mich gewaltiglich aus aller Not. Bald vollbracht, bald! Ich dachte schon nicht mehr in dieser Welt zu schreiben, denn es überfiel mich sehr plötzlich, allein ich habe noch viel zu schreiben; würde mich der Tod übereilt haben, hätt' ich's mündlich zurücklassen müssen. Wie oft ich gewünscht und mich gesehnt habe dich noch zu sehen, weiss Gott, der Herr! Der Arzt widerriet es, und der liebe Prediger auch. Gottes heiliger Wille ist geschehen. Ich hatte mich schon ziemlich erholt – nicht zum Leben – nein, dich zu sehen, und diese Hoffnung, eben diese, diese Hoffnung frischte mich zusehends auf. – Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken, seine Wege sind nicht unsere. Bald hätt' ich dir wieder erzählt, was du schon weisst – mein Kopf ist schwach, sehr schwach. – Dass es keine Sünde ist, dich zu lieben, kann ich am besten jetzt entscheiden – jetzt, wo über das ganze Leben entschieden wird. Es entgeht mir nicht das mindeste von allem, allem! allem! was ich von Jugend an gedacht und getan – über alles hält das Gewissen Gericht! – Verzeihe mir, Herr, alle meine Fehler, dein harret meine Seele, meine müde Seele! Du allein, Herr, schenkst den Beladenen Ruhe, Seelenruhe. Dein Joch ist sanft, deine Last ist leicht, schon hier sanft und leicht, allein noch mehr sanft und leicht, wenn man auf die Zukunft sieht. Vor Gott ist kein Lebendiger gerecht; allein glaube' mir, mein Lieber, ich bin ruhig – und ich bin der festen, festen Zuversicht, dass, der hier in mir angefangen hat das gute Werk, es bestätigen und vollführen werde bis an den letzten Gerichtstag. Ich liebe dich, mein Lieber, Gott weiss es; er weiss auch wie. Es ist eine andere Liebe, wie in – – auf dem Kirchhofe, mit der ich dich jetzt sterbend liebe. über all' unsere Liebe hat mich das Gewissen gleich losgesprochen, gleich ohne Umstände. – Das kann ich dir zum Trost schreiben. O Gott, wär' doch diess zureichend, dich zu trösten! Wenn ich wüsst' und glauben könnte, dass es dir zum grösseren Trost gereicht, wenn du mich gesehen und mich gesprochen, was würde' ich mir für Vorwürfe machen! Wahrlich, dann hätt' ich mich sehr an dir versündigt. – Ich glaube nicht, dass es dir tröstlicher gewesen wäre – ich glaube' es nicht – und dieser Gedanke beruhigt mich.
Ich will, ich werde' an dich denken, mein Geliebter, auch in meinem Letzten, Allerletzten! – Verlass dich drauf und sei nicht unruhig, dass du mich und ich dich nicht noch gesehen. – Wir werden uns doch kennen, wie ich hoffe, dass Leib und Seele, wenn sie gleich lange durch den Tod und Grab getrennt worden, sich gleich wieder kennen werden. Das wird eine Freude sein! All' diese Freuden stehen mir vor und auch dir. O, selig sind die toten, die im Herrn sterben! – Deinen Namen, mein Geliebter, will ich tausendmal