. Sie sind schwach. Allein Freude am Herrn ist unsere Stärke. N e h e m i a i m a c h t e n K a p i t e l , i m z e h n t e n V e r s ."
"Mine betete wenig, ihr ganzes Herz war Gottes."
Nach einiger Erholung, die Minen sogar erlaubte wieder aufzustehen, erschlich sie den Ort, welcher der Catarine mit zum Verdacht gelegenheit gegeben, um nach den Gebeinen ihrer Verwandten zu sehen. Es war ihr eine Aussicht zum Himmel. Eben kam der Prediger, da sie so voll guter Zuversicht, so voll Seelenwonne hinsah, und freute sich über ihren heitern blick. – Sollt' ich nicht? sagte Mine und erzählte dem Prediger das, was er ihr verschweigen wollte und die ganze Absicht des Natanaels – mit sammt dem Einfluss, den ihr Vater dabei gehabt – fast wörtlich wie er da stand.
Sterbende, sagt der Pastor, indem er mir dieses erzählte, haben den Geist der Weissagung. Ich habe in meiner lieben Gemeinde Vorfälle gehabt. – Mine schien schon lange die Gabe der Ahnungen zu besitzen, fuhr der Prediger fort, und sie hatte wirklich diese Salbung, die nicht jedermanns Ding ist.
Hier ein Auszug eines weitläufigen Gesprächs, das zwischen dem Prediger und mir bei dieser gelegenheit vorfiel. Valeat, in quantum valere potest.
Ein grosser Bösewicht ist allemal ein tüchtiger, starker, gesunder Mensch – ein himmels- und Höllenstürmer. – Es gibt auch schwächliche, feige, hinterlistige Buben; allein diese erreichen nie den Grad der Bosheitsstärke, zu dem jene fähig sind. Diese morden von hinten, jene von vorn. Den Beelzebub würde ich so fest benervt, bruststark, als den Herkules malen, nur –
Wenn aber tüchtige, starke, gesunde Leute Menschen Gottes werden, welch ein Vergnügen, diese starken Geister, diese Engel (die auch stark sind) zu sehen! Die Tugend und ihre Tochter, die Religion, braucht auch in ihrem Dienste Leute für den Riss und Feldherrn. Einen Petrus mit dem Schwert, einen Luter mit dem Dintenfass – solchen Leuten ahnt wenig oder gar nichts; und wenn die Welt voll Teufel wäre und wollten sie verschlingen, wenn tausend zu ihrer Rechten fallen und zehntausend zu ihrer Linken, sind sie gefasst; sie gehen auf Löwen und Ottern und treten auf junge Löwen und Drachen. Sie glauben nicht an Träume und fühlen kein Ungewitter, wenn es gleich schwer in der Luft liegt. Wer das Ungewitter vorempfindet, kommt schon in die Klasse dieser frommen Riesen nicht. – Diese Unbesorgte sind stark genug, allem, was ihnen entgegen will, auf der Stelle stattlichen Widerstand zu tun und überall das Feld zu behaupten. Den frommen, guten Seelen aber, welche ein plötzlicher Ueberfall gleich zu Boden reissen würde, ist eine Warnung vor einem kommenden Unglück notwendig. Die Ahnungen sind ihnen Wecker zur Fassung, zur Geduld, zur Gottergebung; sie sind Sturmglöckchen, die sie zum Oelkruge bringen, ihr verlöschendes Lämpchen aufzufrischen. – Diese Seelen sind fast zu schwächlich für diese Welt, wo so viel Streit, Jammer und Elend ist. – Ich bin schon in dergleichen Fällen gewiegt, sagte der Prediger, der selbst die Ahnungsgabe zu besitzen glaubte; ich konnte mich, fuhr er fort, in diese pünktlich treffende Erzählung Minchens finden; da sie alles wusste, warum sollte ich länger zurückhalten? Dergleichen Ahnungsbegabte pflegen sich die Sachen nicht leichter zu machen, und selbst der Zweifel, der sie, sie mögen noch so weit in der Selbstweissagung, in der Ahnung gediehen sein, bekämpft, ist ein Kampf, und Kämpfen macht Mühe. Kurz, der Prediger las Minen alles und jedes und auch das vor, was ich meinen Lesern verkürzt habe. – Gott Lob und Dank, sagte Mine, dass ich sterbe! Bei der Aussage des K e g l e r , dass sie zum Mord angeführt, und den Worten: dass sie sich a u s e i n e m Mordmesser kein Gewissen gemacht h a b e n w ü r d e , sagte sie:
Soll's ja so sein,
Dass Straf' und Pein
Auf Sünden folgen müssen,
Herr, fahr' hier fort,
Nur schone dort!
Ich muss Ihnen gestehen, lieber Beichtvater, fuhr sie zum Prediger fort, dass der Vorsatz, mir selbst das Leben zu nehmen, der wieder, wie ich die Gewaffneten sah und Catarinen hörte, in mir Feuer fasste – dass dieser Vorsatz mir oft, oft als etwas vorgekommen, das mir meine letzte Stunde erschweren könnte. – Nun sind diese Stiche hin – ich habe nichts, nichts mehr, was mich drückt, und ich fühle es: ich werde selig und ruhig sterben und, wie Alexanders Mutter singt, wenn mir die Gedanken, wie ein Licht, das hin und her wankt, bis ihm die Flamme gebricht, vergehen, werde ich sanft und still einschlafen – ich werde ausgehen wie ein Licht. Sagt man nicht: Er ist ausgegangen wie ein Licht?
Gott, so war ihr Ende auch wirklich! Ihre Ahnung liess sie nicht zu Schanden werden, pünktlich traf sie ein. – Allein Mine blieb nicht fest bei diesen beruhigenden Vermutungen. Zuweilen schien es ihr schrecklich – zu sterben; sie nannte diess Leben einen hellen Tag zwischen zwei dunkeln Nächten. Nur des Leibes wegen, setzte sie hinzu, nenne ich es so, meines Lebens