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schreckliches Schauspiel der Bosheit zu werden. – Ihre starke Einbildungskraft hatte ihr den v. E. in der Nähe gezeigt, frohlockend über seine geglückte Rachealle seine Helfer und Helfershelfer, die ihr nach der Seele standen, waren ihr erschienen, und diese Erscheinungen waren ihr schwer zu ertragen. – Mine l i t t gewaltig; indessen liess Gott sie nicht versucht werden über Vermögen. Er, der sie aus sechs Trübsalen erlöst, liess sie auch jetzt nicht verzweifeln. Sie unterdrückte die aufsteigenden Selbstmordgedanken beim ersten Anfang. – Das weggeworfene Messer und auf ihm die Tropfen Menschenblut fielen ihr ein. – (Sie sah alles, was ihr e i n f i e l .) Das Gebet des Predigers hatte eine Nachwirkungsie fand sichsie schmeckte Trost in dem Kelche der Leiden, und diese Prüfungsstunde kühlte sie etwas ab; indessen blieb sie noch ängstlich wegen der Dinge, die kommen sollten.

Der Prediger ging zum Justizrat.

Eben recht, fing dieser an.

D e r P r e d i g e r . Und wenn ich jetzt fragen darf?

D e p u t a t u s . An mir ist zu fragen.

P r e d i g e r . So erbitte ich mir die Erlaubnis zu antworten.

D e p u t . Schrecklich, wenn ein Prediger selbst

P r e d . Unglückliche aufnimmt?

D e p u t . Und eben dadurch Unglückliche macht. Herr Predigerich wünschte, ich wäre zu diesem Auftrage nicht

P r e d . Und dieser Auftrag?

D e p u t . Nicht mehr und nicht weniger, als die Diebin, die Läuferin, ja, ich kann Mörderin hinzusetzen, das kann ich, der Sie in Ihrem haus Obdach gegeben, zur gefänglichen Haft zu bringen, damit sie an Ort und Stelle leide, was ihre Taten wert sind.

P r e d . Ach Gott, vor dir ist kein Lebendiger gerecht! Du weisst es

D e p u t . Er weiss, allein, leider! auch Menschen wissen

P r e d . Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib tödten und die Seele nicht tödten mögen, spricht mein Herr und Meister, der mit Zöllnern und Sündern umging.

D e p u t . Aber es nicht selbst ward.

P r e d . Das hoffe ich auch nicht

D e p u t . Er war Herr und Meister, und Sie Prediger in L–. Von ihm, dem Heiligen, konnte es nicht heissen: gleich und gleich

P r e d . Wenn Sie selbst wüssten

D e p u t . Ich weiss alles.

P r e d . Desto besser!

D e p u t . Und vorzüglich, dass Sie den Namen der Communion entweihen, dass Sie den Ihren Herrn und Meister nennen

P r e d . Der es in seinem Leben, Leiden und Sterben ist.

D e p u t . Das können Sie sagen?

P r e d . Das kann ich!

D e p u t . Mir?

P r e d . Und dem ganzen Justizcollegio.

D e p u t . Und Ihrer Frau: m a n s u c h t h i e r jemanden, der nicht hier ist?

P r e d . Sie ist zuweilen nicht bei Troste.

D e p u t . Und wer hat sie trostlos gemacht? wer ihr den Kopf verdreht? wer?

P r e d . Der Lindenbaum, der so alt wie sie war und in ihren letzten Wochen ausging.

D e p u t . Herr, meinen Kopf sollen Sie nicht verdrehen. Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, und ich auch nicht. Meine Geduld ist wie die viertelstündige Frist zum Ende. – Kurz und gut, der königliche allerhöchste Auftrag ans Collegium:

"Wir Friedrich von Gottes Gnaden, König in Preussen, Markgraf zu Brandenburg, des heiligen römischen Reichs Erzkämmerer und Kurfürst etc. Unsern gnädigen Gruss zuvor. Edle, hochgelahrte Räte –"

P r e d . Dass sich Gott erbarme!

D e p u t . "Liebe Getreue, aus der Anlage werdet Ihr ersehen, was die curländische Regierung wegen einer aus dem Dienst entlaufenen Diebin, Wilhelmine – –, bei Uns angesucht und zu verfügen gebeten."

P r e d . Und ich bitte um Gotteswillen

D e p u t . "Ob nun gleich so viel Umstände wider sie aus dem gerichtlich abgehaltenen Protokoll und der, in Curland von dem v. E. –"

P r e d . Gott, erbarme dich und bekehre, was zu bekehren ist!

D e p u t . – "eingereichten Vorstellung hervorgehen, dass die besagte person nicht allen Rügen zu entwachsen im stand ist, so befehlen Wir Euch jedoch, diese Wilhelmine – – zuerst durch einen zu ernennenden Deputatum abhören zu lassen. Finden sich bei diesem Verhör Umstände, welche die curischen Angaben entkräften, und als Milderungs- oder wohl gar Aufhebungsumstände in den Rechten geltend zu machen wären, so ist es des Deputati Pflicht, die ihm hiermit auferlegt wird, wegen ihrer person eine leidliche, doch genaue Aufsicht anzuordnen, oder die etwa einzulegende rechtsgültige Caution anzunehmen und in Rechtsform einzulenken."

P r e d . Ich cavire mit Leib und Seele, mit Leib und Leben!

D e p u