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unter andern im sechsten Buch und fünften Kapitel sagt, dass nämlich Alexander denselben non eodem quo caeteras pecudes animo aestimabat, das traf bei mir auf das genaueste ein; wenn i c h ihn abrichten wollte, dass, wenn ich aufstieg, er die Knie beugen und empfinden sollte, wer ihn zu besteigen ihm die Ehre erwiese, war er doch zum Kniebeugen nicht gelehrig, und wenn ich die aufrichtige Wahrheit sagen soll, viel zu steif; wie ich denn auch blind sein müssen, falls ich behaupten sollen, dass er es empfunden, wenn ich oben war, wen er trüge, wie Herr von V o l t a i r e in dem angezogenen Roman vom Bucephalus des Alexanders berichtet, et regem, quum vellet ascendere, sponte sua genua submittens excipiebat, credebaturque sentire, quem veheret.

Ueberhaupt war es ein sehr alltägliches Pastoratspferd, und darf ich's also nicht bemerken, dass mit der Reiterei bei meinen Feldzügen es nur sehr schlecht bestellt gewesen. Dies ist ein unverlöschlicher Beweis, dass ich zu keinem Roman, wo beständig ein merkwürdiges Pferd nötig ist, wohl aber zur geschichte, wo man mehr zu fuss ist, (wie's am Tage und an mir erfüllt wird) Stoff abgeben könne. Für T a l e n t e war mein Bucephalus nicht gekauft; mein Vater konnte auch nicht sagen, da ich ihn zum erstenmale unter meine Füsse gebracht, dass sein Pastorat z u k l e i n f ü r m i c h w ä r e ; indessen hatte ich das Unglück, dieses Pferd, wiewohl Alters wegen, während dem Kriege zu verlieren. Es starb nicht den rühmlichen, den schönen Tod fürs Vaterland; indessen heisst der Ort, wo es mit andern seines gleichen, welche aber nicht den grossen Namen Bucephalus geführt, begraben ist, B u c e p h a l i a bis auf den heutigen Tag. Das ist alles, was ich mich unterstehe, in einer wahren geschichte von einem Pferde zu erzählen.

Der g o r d i a n i s c h e K n o t e n war für mich ein wahrer Knoten, denn ausserdem, dass ich zuweilen meiner Mutter, wegen meiner kleinen hände, beim Stricken, wenn etwas verknüpft war, kindliche Dienste geleistet, war mir kein gordianischer Knoten vorgekommen, obgleich ich mich schon in dieser Erwartung im Knotenlösen so geübt hatte, dass mir so leicht nichts zu sehr verknüpft war. Ich hatte den Stolz, den Knoten nicht symbolisch, nicht witzig, sondern künstlich lösen zu wollen. Da ich indessen eine geraume Zeit vergebens auf einen g o r d i a n i s c h e n K n o t e n gewartet hatte, führte mich die Knotensucht auf das Geistige. Ich legte diesen Umstand in der geschichte des Alexander so aus, wie man vieles auszulegen gewohnt ist. Ich deutete es auf schwere Stellen in den Autoren, die man durchaus witzig lösen muss. Mein Kopf war hiebei so fertig, als meine Hand beim Strickzeug; und wie Alexander, nach dem Berichte des oberwähnten Romanenstellers, sagt: nihil interest quomodo solvatur: so konnte man auch, was loco citato hinzugefügt wird, von meinen meisten kritischen Erzählungen sagen: oraculi sortem vel elusit vel implevit.

Es würde ferner eine Unwahrheit sein, wenn ich meinen Lesern erzählen sollte, dass ich meinen Vater beneidet und mit Tränen bedauert, dass er mir keine Sünder zu bekehren übrig liesse.

Mein Vater legt' es auch nicht an, einen Alexander d e n G r o ss e n aus mir zu ziehen, ich sollte nur Alexander werden.

Unter dem Orden G r o ss , sagte er, liegt etwas Seelenverderbendes, es trage diesen Orden ein Monarch unterm oder überm Kleide, oder ein Privatmann am Knopfloche. Hüte dich vor dem, den Gott gezeichnet hat.

Regenten, die sich so peinlich, wie Alexander der Grosse, bemühen, G r o ss zu heissen, leben nicht der lieben Unsterblichkeit wegen. Sie tragen Fesseln, die ihnen die Dichter und Redner anlegen. Wenn es gleich das Ansehen hat, als ob die Dichtkunst und Geschichtskunde auch den Huldigungseid abgeleistet hätte, wissen sie doch, dass einer von diesen Zünften sie bei einer Lampe in einer Stunde um eines ganzen Lebens Ruhm bringen könne. Sie zittern vor einem jeden, der Reime kommandiren, oder: e s w a r e i n m a l e i n M a n n etc. schreiben kann.

Wie Alexander des H o m e r s Schriften verehret, weiss jeder, welcher weiss, dass H o m e r und A l e x a n d e r in der Welt gewesen. H o m e r s Schriften waren sein Gesangbuch, das er auf Reisen mitnahm, und da er ein güldenes Kästchen erbeutet, antwortete er denen, die ihn fragten: "wozu?" den H o m e r hinein zu legen. Das waren mehr als silberne Clausuren.

Den Nachkommen des Pindars liess er Salvegarden anschlagen, und beehrte auf diese Art das Haus dieses Dichters, und damit der Maler Apelles selbst das Aeussere eines Alexanders nicht verunstalten möchte, schenkte Alexander, wie man erzählet, ihm eine seiner vorzüglichsten Inclinationen. Des Malers wegen tat er's nicht. Der gute Apelles sollte diese Schönheit nackt in forma probante vidimiren, und konnte nicht der Liebe widerstehen. Alexander merkte diese Neigung