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, und dass dergleichen Gaukler mit königlichen Patenten v i e l wären, obgleich sie nicht alle s p r ä n g e n – und dassDeputatus kann und mag diese Sache nicht angreifen und begnügt sich zu bemerken, dass der Gaukler auch nicht den mindesten Verdacht abschatte, dass er die starke Mannsperson sei, daher er abgelassen wird. Es ist aller Mühe unerachtet nichts, rein nichts von der starken Mannsperson mit dem gezogenen Messer herauszubringen, und behält Deputatus wider ihn dem preussischen, curischen und dem Weltpublico seine Rechte vor. Ob (um wieder auf Inculpatin einzulenken) die fehlgeschlagene Hoffnung, ihren Verwandten zu beerben, oder der Umstand, dass der verstorbene Verwandte ihren Besuch nicht mehr annehmen können, oder sonst was anderes Schuld daran gewesen, weiss Comparentin nicht anzugeben, wohl aber, dass Inculpatin, nachdem sie frisch und gesund angekommen, in Gegenwart des Pfarrers, der als Testamentsvollstrecker (wie der Selige es angeordnet) einige Vögel ins Freie gelassen, in Ohnmacht gesunken. Der Pfarrer erschrak nicht wenig, sie erholte sich aber wieder und der Pfarrer nahm sie zu sich. Nach der Zeit hörte und sah man nichts von ihr. Es hiess: "sie ist krank, sie ist immer krank," aber zuweilen sieht man sie am Fenster, nach der Kirche zu, stehen oder sitzen. Wer sie zurück haben will, darf nur stehen bleiben, weg ist sie. Es kommt zwar ein Doktor zum Pfarrer, aber man weiss nicht, ob zu ihr oder zu jemand anders? Seitdem sie ins Haus gekommen, ist alles beim Prediger wie umgekehrt. Man sagt sogar, es sei eine Verlobung zwischen dieser Unbekannten und Gottbekannten und noch j e m a n d e m vorgefallenwenigstens sind zwölf Personen beim Pfarrer eingeschlossen gewesen, und heisst es, Gott verzeih mir meine Sünden, sie hätten alle communicirt! Auf die Frage: ob der Pfarrer verheiratet sei? erfolgte die Antwort: er ist verheiratet, er ist auch nicht verheiratetseine Frau ist melancholisch, Gott weiss, wovon; er lebt nicht so recht zusammen mit ihr. Jetzt soll alles über und über sein. E s i s t v i e l z u s a g e n . Melancholisch ist die Pfarrerin zwar schon zum teil v o r h e r gewesen, aber, aber

Deputatus trägt Bedenken, aus diesen, dem exemplarischen Lebenswandel des Pfarrers sehr entgegen arbeitenden Umständen Schlüsse zu ziehen und der Comparentin ihren Seelsorger durch einige nähere Fragstücke über die Aufnahme der I n c u l p a t i n Wilhelmine – –, deren Verlobung und die Schwermut der Pfarrerin verdächtig zu machen, oder falls Comparentin schon von selbst, wie es fast das Ansehen hat, auf diesen Verdacht gefallen, ihn nicht zu bestärken und diesen Funken anzufachen. In der Hauptsache ist kein anderer Weg, als Inculpatin beim Pfarrer aufzusuchen, diess Protokoll dort fortzusetzen und vorschriftsmässig überall zu verfahren v.s.

N.N.

Während der Zeit, dass Deputatus sein Verhör schloss und seinen Mutmassungen freien Lauf liess, ging Catarine – – spornstreichs zum Pfarrer, drängte sich bei Minen vor und sagte der Aufgestandenen gewäre, um sie zur Haft zu ziehen.

Wie wusste diess Catarine?

Und wie wusste der Deputatus, dass die Pfarrerin, die doch die Lindenkrankheit hatte, Minchens wegen noch tiefer in Schwermut g e s u n k e n ? Sorget nicht für den andern Morgen, ein jeder Tag wird für das Seine sorgen, und es ist genug, dass ein jeglicher seine eigene Plage habe, findet auf den Verdacht und das Misstrauen Anwendung, zu dem die Rechtsgelehrten oft aus Amtspflicht verbunden sind, obgleich sie den Grundsatz debitiren: Jeder ist gut, bis das Gegenteil erprobt und W.R.J. erwiesen ist. Es ist kein misstrauischer Volk, als das rechtsgelehrte. – Tausendmal hab' ich gefunden, dass sich die Menschen überhaupt hierdurch geflissentlich ihr Leben trüben und sich vor dem Teufel und seinen Engeln fürchten, wenn gleich keine da sind.

Ob Catarine die Gabe der Feinheit gehabt, weiss ich nicht; allein das weiss ich, dass Mine nur einen Hauch nötig hatte, um, o Gott! wiederzu sinken. Eine geknickte Lilie kann ein Zephyr niederwerfen. Ein Hauch ist Sieger über sie. – Catarinens Zudringlichkeit und der Vorfall, dass Mine eben am Fenster stand, da die Soldaten anrückten, schlug sie ganz und gar nieder, u n d n i e hat sie sich weiter aufgerichtetnie! – – Für sie war keine Quelle mehr, die den Das Pastorat, oder, wie man in Preussen spricht, die meine Tochter! Bete doch, bete doch, Gretchen! – Ha! wie er sie entführt, der Bösewicht! Mein Mann in Ketten und Banden! was h a t e r g e t h a n ? – Die arme Tochter, wenn sie nur gewusst hätte, wonach sie greifen wollte, wäre sie glücklich gewesen. Es lag ihr hart an, ob sie Mutter oder Minen trösten, stärken und in die arme schliessen sollte. – Catarine, wenn sie zu ihrem Beichtvater gegangen wäre, würde' all diesem Jammer vorgebeugt haben; allein jetzt alles, alles aus! Der gute Prediger war der letzte, der dieses Erdbeben merkte, und da sah er auch schon den Schlund weit, weit offen. Herr, hilf! schrie er, es lag zu viel auf